«Wahnsinnig verwöhnt» Industrie-Magnat Reinhold Würth rechnet mit junger Generation ab

Sven Ziegler

29.1.2026

Reinhold Würth predigt seit Jahren «Schaffe statt schwätze».
Reinhold Würth predigt seit Jahren «Schaffe statt schwätze».
Bernd Weißbrod/dpa

Der Unternehmer Reinhold Würth warnt vor einem schleichenden Wohlstandsverlust in Europa. Junge Menschen seien zu anspruchsvoll geworden, Arbeit werde zunehmend als Belastung empfunden.

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  • Unternehmer Reinhold Würth kritisiert eine sinkende Arbeitsmoral und zunehmende Anspruchshaltung.
  • Er sieht Europa insgesamt in Gefahr, wirtschaftlich an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.
  • Forderungen nach weniger Arbeit bei gleichbleibendem Wohlstand hält er für realitätsfremd.

Es sind Worte, die provozieren – und bewusst polarisieren. Reinhold Würth, Gründer eines weltweit tätigen Industriekonzerns, hält mit seiner Kritik an der heutigen Arbeitskultur nicht zurück. Europa müsse wieder lernen, mehr zu leisten, sagt der 90-Jährige in einem Interview mit der «Augsburger Allgemeinen». Andernfalls drohe wirtschaftlicher Abstieg.

«Wir müssen wieder mehr schaffen», sagt der 90-Jährige in dem Interview. «Wir müssen fleissiger werden.»

Besonders irritieren ihn politische Forderungen nach zusätzlichen freien Tagen. «Es ist doch eine verrückte Idee, einen Feiertag nachzuholen, nur weil er auf ein Wochenende fällt», sagt Würth. «Wer so etwas fordert, muss der Meinung sein, das Geld falle wie Schneeflocken vom Himmel.»

Der Blick nach aussen

Würth stützt seine Kritik auf internationale Vergleiche. «In anderen Ländern wird bei deutlich niedrigeren Stundenlöhnen länger gearbeitet», sagt er. Gleichzeitig seien Beschäftigte in wohlhabenden Staaten häufiger krank. «Da kann einem Angst und Bange werden.»

Die Debatte um Arbeitszeitmodelle sieht er deshalb als gefährliche Illusion. Forderungen nach weniger Arbeit bei gleichbleibendem Lebensstandard blendeten aus, wie Wohlstand überhaupt entstehe. «Man kann nicht immer weniger leisten und gleichzeitig immer mehr erwarten.»

«Wahnsinnig verwöhnt»

Besonders hart fällt Würths Urteil über die jüngere Generation aus – und über jene, die sie geprägt haben. «Die heutigen jüngeren Beschäftigten wurden von ihren Eltern wahnsinnig verwöhnt», sagt er. Die Work-Life-Balance habe sich «immer mehr in Richtung Life-Balance verschoben». Modelle wie die Vier-Tage-Woche seien Ausdruck dieser Entwicklung.

Seine Diagnose geht über einzelne Reformen hinaus. Würth ordnet sie in einen historischen Kontext ein. Gesellschaften durchliefen Phasen von Aufstieg, Wohlstand und Niedergang. Europa stehe an einem kritischen Punkt. «Wir sind an der Kante vom Sein zum Vergehen angekommen», sagt er. «Der Niedergang ist nicht weit.»

Leistung als Gegenentwurf

Dass seine Kritik nicht nur theoretisch gemeint ist, unterstreicht Würth mit dem Blick auf das eigene Unternehmen. Trotz globaler Unsicherheiten blieb der Konzern profitabel. Gleichzeitig wurden Stellen abgebaut, frei werdende Positionen nicht mehr besetzt – auch das ein Zeichen steigenden Drucks.

Er selbst sieht sich dabei nicht als Ausnahme. Auch mit 90 Jahren arbeite er regelmässig, gehe ins Büro, diktiere Briefe, schwimme täglich. Sein persönlicher Leitsatz sei seit Jahrzehnten derselbe: «Schaffe, net schwätze.»