Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürft den Leitzins bei der nächsten Zinsentscheidung am Donnerstag konstant lassen. (Symbolbilder)
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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte am Donnerstag ihren aktuellen Null-Zins-Kurs fortsetzen. Auch für 2026 erwarten die meisten Ökonomen keine Veränderung beim Leitzins.
Keystone-SDA
08.12.2025, 15:52
SDA
In einer Umfrage der Nachrichtenagentur AWP herrscht grosse Einigkeit unter den befragten Experten: Der Leitzins dürfte auch nach der geldpolitischen Lagebeurteilung vom Donnerstag bei 0 Prozent liegen – und dort das ganze Jahr 2026 über verharren. Denn trotz gedämpfter Konjunktur, schwacher Wirtschaftsindikatoren und globaler Unsicherheiten bleibe der Nullzins für die SNB derzeit die beste Option, lautet der Tenor.
Gleichzeitig würde die SNB-Spitze mit einem stabilen Leitzins ein wichtiges Signal aussenden, sagt Claude Maurer von BAK Economics. Sie untermauere, dass die SNB auf Stabilität setze bei anhaltend hohen Risiken. «Ein negativer Leitzins würde erst Realität, wenn die Inflation erneut stark nach unten überrascht, sich der Franken markant gegenüber dem EU aufwertet oder die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen markant senkt.»
Negativzinsen weiter eher tabu
Tatsächlich herrscht auch beim Thema Negativzinsen eine grosse Einigkeit unter den Ökonomen. Kaum einer rechnet zum jetzigen Zeitpunkt mit einer Rückkehr in den negativen Bereich.
Vielmehr verweisen sie darauf, dass Direktoriums-Präsident Martin Schlegel seit der letzten Lagebeurteilung im September immer wieder hervorgehoben hat, dass die Hürde für eine Rückkehr zu Negativzinsen sehr hoch sei.
Daten auf den zweiten Blick besser
Zudem sprechen laut den Experten auch die Konjunkturerwartungen dafür, dass sich die Schweizer Wirtschaft im kommenden Jahr wieder erholen wird – und Negativzinsen somit nicht nötig sind. Dies gilt, obwohl in den vergangenen Wochen ein schwächer als erwartet ausgefallenes Wirtschaftswachstum (BIP) sowie eine erneut sehr tiefe Inflation Sorgen geschürt hatten, die SNB komme langsam doch unter Zugzwang.
Für Martina Honegger-Romahn, leitende Portfolio-Managerin bei Allianz Global Investors erscheint die Schweizer Wirtschaft aber nur auf den ersten Blick schwach und potenziell unter Druck. Konkret schrumpfte das BIP im dritten Quartal um 0,5 Prozent gegenüber Vorjahr und die Inflation überraschte mit 0,0 Prozent im November ebenfalls auf der niedrigen Seite.
«Ein genauerer Blick hinter die Kulissen zeigt jedoch, dass die Schweizer Wirtschaft widerstandsfähiger ist, als es die Schlagzeilen vermuten lassen», kommentiert die Expertin weiter. Einen ähnlichen Tenor schlagen auch die meisten anderen Ökonomen an. Denn das schwache BIP war grösstenteils auf den Pharmasektor zurückzuführen, der wegen der US-Zollpolitik im dritten Quartal unter den Vorzieheffekten bei Produktion und Exporten gelitten hatte.
Ausblick aufgehellt
Zudem haben sich laut UBS die Wachstumsaussichten etwas verbessert, nachdem die Schweiz und die USA ihr Zoll-Abkommen geschlossen haben. «Während die Inflation in den letzten Monaten tiefer als erwartet ausfiel, reduziert das Handelsabkommen mit den USA die Risiken für das Wachstum und damit auch die mittelfristigen Deflationsrisiken.»
Ausserdem bleibe der SNB neben den Zinsen immer noch ihr zweites Instrument: Devisenmarktinterventionen. Aktuell notiert das Euro/Franken-Paar in etwa wieder auf dem Niveau, das es zur Lagebeurteilung im September hatte, dazwischen liegt aber eine regelrechte Achterbahnfahrt, die das Paar zeitweise auf den tiefsten Stand seit der Aufhebung des Mindestkurses gebracht hat.
Betrachtet man allerdings die monatliche Bilanzdaten, so hat die SNB in jüngster Zeit nicht merklich intervenieren müssen, kommentiert Reto Cueni, Chefökonom der Bank Syz. Auch bei der UBS heisst es, die jüngsten Daten deuteten nicht auf ausgeprägte Interventionen hin.
Vielmehr gehen die Experten der Grossbank davon aus, dass sich das Euro/Franken-Paar im kommenden Jahr wieder in Richtung 95 Rappen bewegen dürfte, da das Fiskalpaket in Deutschland sowie eine europäische Erholung den Euro stützen sollten.
Summa summarum dürfte die SNB mit einer unveränderten Politik auf die Option mit den geringsten Störungen setzen, meint Carmignac-Experte Kevin Thozet und fasst damit die Mehrheitsmeinung zusammen.
Machtkampf um die Fed: Notenbankchef Powell stellt sich gegen Trump
Washington, 12.01.2026: Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Chef der US-Notenbank eskaliert. Jerome Powell weist strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn und eine drohende Anklage als Versuch der Einflussnahme auf die Arbeit der Federal Reserve zurück.
Powell soll im Zusammenhang mit der mehrjährigen Sanierung von Gebäuden der Zentralbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht haben, so der Vorwurf.
Der Fed-Chef sieht darin allerdings nur einen Vorwand:
O-Ton Jerome Powell, Chef der US-Notenbank
«Es geht darum, ob die Fed die Zinssätze weiterhin auf Grundlage von Fakten und wirtschaftlichen Gegebenheiten festlegen kann – oder ob die Geldpolitik stattdessen von politischem Druck oder Einschüchterung bestimmt wird.»
Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren wirft Trump eine «korrupte Übernahme» der Zentralbank vor. Warum Trumps Justizministerium ausgerechnet jetzt gegen Powell vorgeht, ist unklar. Dessen Amtszeit endet ohnehin im Mai. Trump will noch im Januar seinen Wunschkandidaten für die Nachfolge auf dem Chefposten der Federal Reserve bekanntgeben.
12.01.2026
Ifo-Präsident fordert «Frühling der Reformen»
STORY: Das Münchener Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft herabgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt werde im kommenden Jahr um 0,8 Prozent und 2027 um 1,1 Prozent wachsen, sagten die Münchner Forscher am Donnerstag voraus. Im September waren sie noch von 1,3 und 1,6 Prozent ausgegangen. Die deutsche Wirtschaft passe sich dem Strukturwandel nur langsam und kostspielig an, hiess es zur Begründung. Zusätzlich würden Unternehmen und Neugründungen durch bürokratische Hürden und eine veraltete Infrastruktur behindert. Auch die US-Handelspolitik belastet die deutsche Exportwirtschaft demnach weiter spürbar. Die geplanten staatlichen Investitionen aus den Sondervermögen Infrastruktur und Verteidigung sowie weitere Entlastungen für Unternehmen und Verbraucher wirken dem Ifo-Institut zufolge nur verzögert. Ifo-Präsident Clemens Fuest fordert von der Bundesregierung nun einen «Frühling der Reformen». O-Ton Clemens Fuest, Ifo-Präsident: «Ja, der Herbst der Reform hat leider in die falsche Richtung gesteuert. Was gemeint war, das waren ja Reformen, die das Wachstum stärken. Was wir bekommen haben, das sind überwiegend Reformen, die das Wachstum schwächen, zum Beispiel die Rentenreform, die einfach nur bedeutet, dass wir künftig höhere Steuern werden zahlen müssen. Das ist nicht der richtige Weg. Also, wir brauchen jetzt einen Frühling der Reformen, die in die richtige Richtung steuern.» Ansetzen sollte die Regierung bei Arbeitsmarkt, Investitionen und Bildung, so Fuest. Überflüssige Regulierung und Berichtspflichten müssten abgebaut werden. Helfen könne auch ein flexibleres Arbeitsmarktrecht. Für hochqualifizierte Arbeitskräfte sei ein weniger rigider Kündigungsschutz notwendig, damit neue Unternehmen auch mal Dinge ausprobieren und Leute einstellen könnten.
11.12.2025
Wadephul: China signalisiert Entgegenkommen bei Seltenen Erden
STORY: Bundesaussenminister Johann Wadephul hat bei seinem nachgeholten Besuch in Peking nach eigenen Angaben in Wirtschaftsfragen Fortschritte verbuchen können. Unter anderem äusserte er sich dort am Montag zum Thema Versorgung Deutschlands und Europas mit den Seltenen Erden. O-Ton Johann Wadephul (CDU), Bundesaussenminister: «Es ist gut, dass so ein substanzieller Kontakt stattfinden kann. Es waren heute offene und intensive Gespräche; Gespräche, die dazu da sind, immer wieder auszuloten, wie man gerade bei schwierigen Fragen vorankommen kann. Wir haben gute, konstruktive Gespräche geführt.»://: «Wir Europäer wollen wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China. Wir scheuen auch keinen Wettbewerb, aber dieser muss auf Regeln basieren und fair sein. Wir hören, dass die chinesische Seite durchaus Verständnis hierfür hat. Wir wissen, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern müssen. Aber unsere chinesischen Gesprächspartner wissen auch, dass die Europäische Kommission die Wettbewerbsbedingungen genau beobachtet und sich auch immer vorbehalten muss, selbst aktiv zu werden.»://: «Es ist gut zu hören, dass dies auch im chinesischen Interesse ist. Man will einander ein verlässlicher Handelspartner und ein verlässlicher Wirtschaftspartner sein und auch als ein solcher gelten. Und es ist auch gut, von chinesischer Seite zu hören, dass man sich besonderen Engpässen auf deutscher und europäischer Seite mit besonderer Priorität widmen will.»://: «China hat versichert, dass man sehr konstruktiv an die Prüfung dieser Anträge herangehen wird und dass es keinerlei Bestrebungen gibt, gerade deutsche Unternehmen hier mit grösseren Problemen zu belasten. Das halte ich für eine gute Zusage und ermutige jetzt die deutsche Wirtschaft, hier jetzt konkret in die Beantragung hineinzugehen.»://: «Wir wollen Handelsbarrieren abbauen, aber das setzt voraus, dass auch China hier Massnahmen ergreift, die die Effekte der Überproduktion in Europa nicht zu stark werden lassen.» Bei Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine habe er hingegen keine nennenswerten Zugeständnisse der chinesischen Führung erhalten.
08.12.2025
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