Zürichs Google-Mitarbeiter gehen auf die Strasse

tsch

1.11.2018

Weltweit legten heute Google-Mitarbeiter die Arbeit nieder, um gegen den Umgang des Konzerns mit sexueller Belästigung zu demonstrieren. Auch in Zürich war die Teilnehmerzahl des so genannten Walkouts überraschend hoch.

Keine Zwangsschlichtungsverfahren in Fällen von Diskriminierung oder Belästigung mehr, dafür ein öffentlich einsehbarer Report über Belästigungsfälle im Unternehmen. Keine ungleiche Bezahlung mehr, dafür ein einheitlicher, anonymer Prozess, um sexuelle Belästigung zu melden. Das waren die Kernforderungen, die unzufriedene Google-Mitarbeiter stellten, als sie heute um 11.10 Uhr in ihrer jeweiligen Zeitzone auf die Strasse gingen.

Anlass für die Proteste war ein Report der «New York Times», demzufolge Android-Erfinder Andy Rubin eine Kollegin zum Oralsex gezwungen habe. Rubin wurde daraufhin zwar entlassen, soll vom Konzern zum Abschied aber 90 Millionen US-Dollar erhalten haben. Google erklärte daraufhin, man habe in den vergangenen zwei Jahren 48 Mitarbeiter, darunter 13 leitende Angestellte, aufgrund von Belästigungsvorwürfen entlassen.

Mehr Teilnehmer als erwartet

Rund 1'500 Google-Mitarbeiter weltweit hatten im Vorfeld ihre Teilnahme angekündigt, die Zahl dürfte jedoch deutlich überstiegen worden sein. Allein in Zürich sollen über 200 Angestellte protestiert haben: Die Teilnehmer hätten sich über ihre Erfahrungen mit Belästigung, Mikroaggression und schlechtem Arbeitsklima ausgetauscht, schreibt ein Teilnehmer via Twitter.

Ähnliche Szenen sollen sich in London abgespielt haben, wo um die tausend Mitarbeiter die Arbeit ruhen liessen – wetterbedingt allerdings drinnen. «Wir haben die Teilnehmerzahlen eindeutig unterschätzt», twitterte «New York Times»-Reporterin Katie Benner angesichts der Menschenmengen vor der Google-Niederlassung in New York.

Vor allem bei den Mitarbeiterinnen des Tech-Konzerns scheint sich eine Menge Wut aufgestaut zu haben. «Wir wollen uns nicht mehr ungleich behandelt oder weniger respektiert fühlen» sagte Marketing-Managerin Claire Stapleton im Vorfeld der «New York Times». «Google ist berühmt für sein Arbeitsklima. Aber in Wahrheit erfüllen wir nicht mal die Grundanforderungen, wenn es um Respekt, Gerechtigkeit und Fairness für den einzelnen geht».

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