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Darum ist die Schweizer Autobranche gerade ziemlich am Wanken
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E-Autos, China, Preisdruck

Darum ist die Schweizer Autobranche gerade ziemlich am Wanken

Für die Autobranche sollte die Zukunft bis 2030 besser aussehen. 

Für die Autobranche sollte die Zukunft bis 2030 besser aussehen. 

Bild: Sina Schuldt/dpa

Die Schweizer Autobranche steckt mitten im Umbruch. Chinesische Hersteller drängen mit günstigen E-Autos auf den Markt, Garagen müssen Millionen investieren und viele Kundinnen und Kunden zögern beim Kauf. Ein Experte erklärt, wie es wieder besser werden könnte.

Samuel Walder

Samuel Walder

18.03.2026, 04:30

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Schweizer Autoindustrie steht unter Druck durch schwache Nachfrage, hohe Investitionen in neue Antriebstechnologien und zunehmende Konkurrenz aus China.
  • Besonders kleinere Garagen geraten in Schwierigkeiten, da der Umstieg auf Elektro-, Hybrid- und andere Antriebsarten hohe Kosten verursacht und deshalb immer mehr Betriebe fusionieren oder übernommen werden.
  • Trotz aktueller Unsicherheiten erwartet Branchenexperte Roman Wenk bis 2030 eine leichte Erholung, wobei Elektroautos zum dominierenden Antrieb werden könnten.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Die wirtschaftlichen Bande zwischen der Schweiz und Deutschland sind eng. Für die Schweiz ist Deutschland der wichtigste Handelspartner – gerade in der Autoindustrie herrscht ein reger Austausch zwischen Unternehmen beider Länder. Doch was passiert, wenn der Motor in Deutschland stottert? 

Der VW-Konzern verliert fast die Hälfte des Umsatzes, die E-Auto-Industrie kommt nicht ins Rollen und die Verbrennermodelle der deutschen Hersteller müssen immer weiter zurückstecken. Das wälzt sich auch auf das Schweizer Geschäft ab. Die Schweizer Autoindustrie steht unter Druck.

Doch nicht nur Deutschland ist für die Flaute verantwortlich. China bringt neue, günstigere E-Autos auf den Markt, Schweizerinnen und Schweizer kaufen weniger Autos, kleine Garagisten sind zunehmend weniger konkurrenzfähig – und die anhaltende Diskussion um die verschiedenen Antriebsarten sorgt zusätzlich für Unsicherheit in der Branche.

Starker Rückgang in den letzten zehn Jahren

In Zahlen ausgedrückt: 2015 wurden noch rund 323'000 neue Autos verkauft, 2024 waren es nur noch etwa 239'000 – ein Rückgang von rund 26 Prozent. Ein Grund dafür ist der Trend hin zu Elektroautos, der bei vielen Käuferinnen und Käufern für Unsicherheit sorgt. Gleichzeitig hat sich der Markt seit der Corona-Pandemie nicht vollständig erholt, Autos sind teurer geworden.

Roman Wenk ist Partner und Sektorleiter Automobilindustrie bei KPMG Schweiz. Er hat sich intensiv mit der Thematik beschäftigt und erklärt auf Anfrage von blue News, welche Lasten derzeit auf der Branche liegen, welche Hürden bereits überwunden wurden – und wie der Ausblick bis 2030 aussieht.

Thema 1: Antriebsarten und Technologie

Neue Antriebsarten sind ein zentrales Thema in der Autoindustrie. «Der Trend geht klar in Richtung Elektromobilität», sagt Wenk. 2025 seien in der Schweiz rund ein Drittel der Neuzulassungen Steckerfahrzeuge gewesen. Dies sei zwar mehr als in den vergangenen Jahren, aber noch weit vom Ziel der Branche entfernt.

Die Elektromobilität stellt die Schweizer Autobranche – und auch die Politik – vor grosse Herausforderungen. Wenk erklärt: «Mit neuen Antriebsarten müssen Mitarbeitende in Garagen, Autohäusern und spezialisierten Betrieben weitergebildet werden. Gleichzeitig braucht es Anpassungen beim Werkstattequipment sowie einen Ausbau der Infrastruktur.» Da sei die Politik gefragt.

Weiter sagt er: «In vielen Schweizer Städten sind noch nicht alle Hausaufgaben gemacht.» Wenk nennt etwa die Ladeinfrastruktur, also fehlende Ladesäulen in der Stadt. Das wirke sich auf die Leute aus. Wenn keine Ladesäulen vorhanden sind, können die Menschen auch nicht laden und kaufen somit kein E-Auto. «In der Schweiz wohnen viele Menschen zur Miete und können ihr Auto deshalb nicht zu Hause laden.» Wenn auch am Arbeitsplatz keine Lademöglichkeit besteht, werde es schwierig. Hier bestehe noch eine Lücke.

«Deshalb wollen viele Konsumentinnen und Konsumenten abwarten, bis mehr Sicherheit und Klarheit besteht und die Infrastruktur ausgebaut wird», erklärt Wenk. Immerhin: Die Entwicklungen in den letzten Jahren zeigen, dass sich immer mehr Menschen für E-Autos entscheiden.

Thema 2: Kleine schliessen mit grossen zusammen

Eine weitere Herausforderung für die Branche ist die Konkurrenzfähigkeit der Garagen. «Kleinere Autohäuser haben teilweise nicht genügend Reserven, um grosse Investitionen zu stemmen. Die Umrüstung auf verschiedene Antriebsarten ist mit Kosten verbunden. Deshalb sehen wir immer mehr Zusammenschlüsse im Handel», sagt Wenk.

Ein grosser Teil der Investitionen dürfte in den Ausbau von Know-how entlang der Lieferketten und im Autohandel fliessen. Dies geschehe zwar bereits seit einigen Jahren, doch mit neuen Fahrzeugen kämen auch neue Herausforderungen – etwa durch Modelle aus Asien.

Nicht zu vergessen seien auch Wasserstoff-, Gas- und Hybridfahrzeuge. «Auch diese Technologien wurden in den letzten Jahren weiterentwickelt.» Dadurch steige der Druck auf Importeure und Autohäuser weiter. Statt nur einen Diesel oder Benziner zu warten, müsse das Know-how nun für mehrere Antriebsarten vorhanden sein.

«Wir haben weiterhin ein dichtes Garagennetz in der Schweiz, aber der Trend zu Zusammenschlüssen setzt sich fort.» Es gebe verschiedene Formen der Zusammenarbeit – etwa Fusionen, Übernahmen oder Kooperationen. Somit sterben vermehrt kleine Betriebe aus. In kleineren Orten sei man froh, wenn man einen Dorfgaragisten habe. Wenn der fehlt, müssen Konsumenten weitere Strecken in die nächste Garage zurücklegen, was wiederum mit Zeitaufwand und Kosten verbunden ist.

Gleichzeitig stelle sich die Frage, ob genügend Kapital für die Transformation vorhanden sei. «Wir gehen davon aus, dass sich in den nächsten drei Jahren das Geschäftsmodell vieler Automobil-Akteure verändern wird», sagt Wenk.

Zusammengefasst: Kleinere Betriebe verschwinden, der Fokus liegt stärker auf E-Autos, und es muss noch mehr in die Entwicklung investiert werden.

Thema 3: China baut Druck auf

China brachte E-Autos auf den Markt, die im Vergleich zu europäischen E-Autos günstiger sind, aber technologisch besser. Wenk sagt: «In der Vergangenheit haben europäische Hersteller sehr hochpreisige Elektroautos auf den Markt gebracht.» Das habe viele Modelle von Mercedes, VW oder anderen europäischen Marken für Konsumenten schlicht zu teuer gemacht.

Europäische Hersteller seien zudem technologisch im Nachteil gewesen – etwa bei der Reichweite. Chinesische Modelle, die mittlerweile auch in der Schweiz verkauft werden, bieten oft grosse Reichweiten. Zu Beginn waren viele Konsument*innen jedoch skeptisch gegenüber den chinesischen Fahrzeugen. Nur wenige wollten die asiatischen Autos kaufen. Die Importeure blieben also auf den importierten Fahrzeugen sitzen.

Ein weiterer Faktor ist die Batterietechnologie. «Der Druck auf die westlichen Autobauer steigt, weil die chinesischen Autohersteller gerade bei den Batterien technologisch weit fortgeschritten sind», sagt Wenk.

Die Batterie muss weniger häufig aufgeladen werden und arbeitet effizienter. So kann man längere Strecken zurücklegen. Marken wie Geely oder BYD sind bereits in der Schweiz präsent – und weitere Hersteller drängen auf den Markt. Der Wettbewerb nimmt zu. «China darf man nicht unterschätzen», sagt Wenk. Entscheidend sei jedoch, ob Konsumentinnen und Konsumenten die Fahrzeuge tatsächlich kaufen. «In der Vergangenheit hatten chinesische Autos in der Schweiz mit Imagevorbehalten zu kämpfen.»

Europa habe den Anschluss teilweise verpasst, hole aber derzeit stark auf. Um technologisch mitzuhalten, hätten einige europäische Hersteller bereits Ingenieure aus China verpflichtet. Diese sollen helfen, neue Technologien in Europa schneller einzuführen. 

Thema 4: Kaufverhalten der Schweizer

Neben der Technologie spielt bei einem Autokauf auch der Preis eine Rolle, sowohl bei E-Autos als auch bei Verbrennern. «Viele bevorzugten beim Autokauf Leasing, weil sie befürchteten, dass das Auto in drei oder vier Jahren stark an Wert verlieren könnte», sagt Wenk.

Nicht wenige Schweizerinnen und Schweizer wollten dieses Risiko eines starken Wertverlustes nicht eingehen. Die neuen Autos wurden also nur für kurze Zeit geleast und landeten anschliessend auf dem Occasionsmarkt. Da wurden sie für tiefe Preise angeboten.

Das führte ebenfalls zu schwachen Verkaufszahlen bei Elektroautos. Mittlerweile habe sich die Situation verändert. «Die neuen E-Autos sind zuverlässiger geworden, und Automobilisten müssen weniger Angst haben, dass ihr Auto nach zwei Jahren stark an Wert verliert.»

Wenk sagt zudem: «Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten legen grossen Wert auf Design und Erscheinungsbild eines Autos. Die Marke ist wichtig – und das Gesamtpaket muss stimmen. Die Schweizer kaufen tendenziell eher teurere Autos, haben aber dennoch ein ausgeprägtes Preisbewusstsein.» Entsprechend seien die europäischen Hersteller unter Druck, mit den chinesischen Anbietern mitzuhalten und ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis zu bieten.

Die Unsicherheit habe dazu geführt, dass viele ihr Auto länger behalten. In der Schweiz liegt das Durchschnittsalter der Fahrzeuge bei elf Jahren. Wenn Infrastruktur und Technologie überzeugen, könne das Durchschnittsalter der Fahrzeuge wieder sinken.

Ausblick bis 2030

Wenk wagt einen Blick in die Zukunft: Der Transformations- und Innovationsdruck in der Automobilindustrie sei hoch, aber bis 2030 sehe er eine schrittweise Erholung nach den negativen Entwicklungen nach Corona. «Die Aussichten sind leicht positiv.»

Betreffend E-Autos vs. Verbrenner: In Westeuropa liege der Elektroanteil aktuell bei rund 20 bis 25 Prozent bei Neuzulassungen, bis 2030 soll der Markt deutlich Richtung Elektro kippen. «Rund 80 Prozent der Neuverkäufe in Westeuropa wird elektrisch sein und der Anteil der Elektrofahrzeuge auf der Strasse rund einen Drittel ausmachen. Das wird in der Schweiz genauso verlaufen» sagt Wenk. Elektro werde der Hauptantrieb sein, auch wenn Verbrenner nicht vollständig verschwinden. Die Nachfrage nach Verbrennern werde jedoch stark zurückgehen.

Wenks Prognose betreffend Importeure und Garagen: Es wird auch künftig viele Automobil-Akteure in der Schweiz geben, wenn auch teils andere als heute. Der Markt wird weiterhin in diesem Umfang bestehen. Das Wachstum der Autokäufe dürfte jedoch bescheiden sein: Bis 2030 rechnet man in der Schweiz mit einem jährlichen Wachstum von knapp 1% bei Neuzulassungen. Somit bewegt sich der Markt seitwärts – also weder steigend noch sinkend.

In Zukunft würde es eher darum gehen, wer, also welche Antriebsarten, welche Marken und welche Importeure das Rennen machen. Die Konkurrenz wächst also. Der Gewinner sei schwierig zu bestimmen, Wenk geht davon aus, dass sich E-Autos durchsetzen werden und die europäischen Autobauer weiterhin vorne mitmischen.

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