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Das Ölkartell Opec bröckelt.
sda
Mitten in der grössten Energiekrise seit Jahren steigen die Vereinigten Arabischen Emirate aus der Opec aus. Der Schritt erschüttert den Ölmarkt – und könnte weltweit Folgen für Preise, Politik und Verbraucher haben.
Der globale Ölmarkt gerät ins Wanken: Mit dem Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der Opec verliert das wichtigste Förderbündnis einen zentralen Player. Der Schritt kommt mitten in einer angespannten geopolitischen Lage – und wirft die Frage auf, wie stabil die Energieversorgung künftig noch ist.
blue News beantwortet jetzt die wichtigsten Fragen.
Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ist ein Zusammenschluss grosser Förderstaaten wie Saudi-Arabien, Iran oder Irak. Ihr Ziel ist es, die Ölproduktion zu koordinieren und so Einfluss auf den Weltmarktpreis zu nehmen.
Gemeinsam mit Partnern wie Russland bildet sie in der erweiterten Allianz Opec+ eines der wichtigsten Machtzentren im globalen Energiesystem. Entscheidungen dieser Gruppe wirken sich direkt auf Benzinpreise, Inflation und Wirtschaftswachstum aus.
Die Emirate zählen zu den wenigen Ländern, die ihre Produktion kurzfristig deutlich erhöhen oder senken können. Genau diese Flexibilität macht sie innerhalb der Opec besonders einflussreich.
Ihr Austritt schwächt die Fähigkeit der Organisation, den Markt zu steuern, und stellt das Bild einer geschlossenen Front infrage. In einer ohnehin angespannten Lage wirkt dieser Schritt wie ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor.
Offiziell begründen die Behörden den Austritt mit einer strategischen Neuausrichtung ihrer Energiepolitik. Das Land möchte seine Fördermengen künftig unabhängiger festlegen und flexibler auf Marktveränderungen reagieren.
Im Hintergrund spielen wohl jedoch auch geopolitische Spannungen eine Rolle. Der Iran-Krieg belastet die Region, gleichzeitig wächst in Abu Dhabi die Unzufriedenheit über die Unterstützung durch andere Golfstaaten. Hinzu kommt politischer Druck aus den USA, die der Opec seit Jahren vorwerfen, die Preise künstlich hochzuhalten.

Auch die Strasse von Hormus gilt als wichtiger Öl-Treiber.
Julien De Rosa/AFP/dpa
Kurzfristig dürfte der Effekt begrenzt bleiben, da der Markt bereits stark durch den Konflikt im Nahen Osten geprägt ist. Insbesondere die Lage rund um die Strasse von Hormus, durch die ein grosser Teil des weltweiten Ölhandels läuft, treibt die Preise derzeit nach oben.
Langfristig jedoch steigt die Unsicherheit. Wenn die Opec an Einfluss verliert, wird es schwieriger, Angebot und Nachfrage auszubalancieren. Das könnte zu stärkeren Preisschwankungen führen – sowohl nach oben als auch nach unten.
Der Austritt fällt in eine Phase, in der der Energiemarkt ohnehin unter Druck steht. Der Krieg im Nahen Osten hat die Versorgung verunsichert, wichtige Transportwege sind gefährdet, und die Preise haben sich bereits deutlich erhöht. In dieser Situation wiegt jede zusätzliche Störung schwerer als in stabilen Zeiten.
Der Schritt dürfte dem US-Präsidenten in die Karten spielen. Trump kritisiert die Opec seit Jahren scharf und wirft ihr vor, die Welt mit hohen Preisen zu belasten. Dass nun ein wichtiger Produzent aus dem Bündnis ausschert, stützt seine Argumentation und schwächt gleichzeitig den Einfluss des von Saudi-Arabien geprägten Kartells.
Die Auswirkungen sind indirekt, aber spürbar. Europa ist stark von Energieimporten abhängig. Steigende oder stark schwankende Ölpreise wirken sich schnell auf Treibstoffkosten, Heizpreise und letztlich auf die Inflation aus. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das vor allem eines: mehr Unsicherheit bei den Energiekosten.