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Am 1. August verhängte US-Präsident Donald Trump 39 Prozent Zölle auf Schweizer Güter.
Bild: Keystone
39 Prozent auf Schweizer Exporte in die USA: Donald Trumps Strafzölle treffen vor allem Pharma, Uhren und Maschinenbau. Wirtschaftsexperte Michael Bolliger sieht strategische Versäumnisse – und Spielraum für Verbesserungen.
Was ist nur falsch gelaufen? Das fragte sich die Presse vor einer Woche, als US-Präsident Donald Trump 39 Prozent Zölle auf Schweizer Waren verhängt hatte. Den Fehler anderen zuzuschieben, ist oft ein Leichtes. Doch eigentlich müsste man sich doch fragen, was man anders hätte machen sollen.
Die einfachste Antwort auf diese Frage liegt auf der Hand: Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter hätte besser verhandeln müssen. Das ist bei einer Persönlichkeit wie Donald Trump allerdings nicht einfach.
Michael Bolliger, Chief Investment Officer Schweiz der UBS hat eine andere Erklärung. «Im Nachhinein ist man immer schlauer. Das gilt auch für die US-Zollpolitik», sagt Bolliger gegenüber blue News. Obwohl die Schweiz am 1. August mit hohen US-Zollsätzen abgestraft worden sei, blieb eine vehemente Reaktion an der Börse aus.
«Der SMI beendete den Handelstag mit einem Minus von 0,2 Prozent. Zur Erinnerung: Als Präsident Trump am 2. April die ‹reziproken› Zölle ankündigte, verlor der Index in den folgenden Tagen fast 15 Prozent», sagt Bolliger weiter.
Die Schweiz sei als exportabhängige Volkswirtschaft stärker gegenüber US-Zöllen exponiert als viele andere Länder und habe bei den Gütern einen sehr hohen Handelsüberschuss gegenüber den USA. Bolliger sagt: «Dafür sind zu einem wesentlichen Teil Pharma- und Goldexporte verantwortlich, aber auch die Maschinen-, Luxusgüter- und Uhrenindustrie.»

Michael Bolliger ist Chief Investment Officer Schweiz bei der UBS.
Auch am Verhandlungstisch ist die Schweiz im Nachteil. «Für ein kleines Land können die Verhandlungen schwieriger sein, auch weil Vergeltungsandrohungen weder wirklich glaubhaft noch wirksam sind.» Massnahmen wie die chinesischen Exportrestriktionen von Seltenen Erden, die der US-Rüstungs- und Technologiekonzerne die Verwundbarkeit ihrer Lieferketten aufzeigten, seien für die Schweiz nicht möglich.
«Eine gesunde Portion Pragmatismus hat andernorts zwar nicht zu grossartigen, aber doch mehr oder weniger akzeptablen Ergebnissen geführt», sagt der Experte. In der EU liege die Kompetenz über ausländische Direktinvestitionen oder Rüstungs- und Energieimporte bei den Mitgliedsstaaten und Unternehmen und nicht bei der EU-Kommission. Dies habe die Kommissionspräsidentin aber nicht davon abgehalten, weitreichende Kauf- und Investitionsabsichten zu signalisieren.
Bolliger sagt: «Wir denken, dass die Schweiz in diesem Bereich noch Luft nach oben hat. Entsprechend sind wir zuversichtlich, dass sich die US-Zölle schlussendlich auf einem tieferen Niveau einpendeln werden.»
Zusammengefasst heisst das also, die Schweiz hätte sich eine Scheibe von anderen Ländern abschneiden sollen. Hat die Schweiz das Risiko unterschätzt? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Nun müssen Firmen, die Politik und schlussendlich auch die Bevölkerung mit den Zöllen von Trump auseinandersetzten.