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Die heissen Temperaturen draussen mögen auch die Büroräume aufheizen und die Arbeitsproduktivität der Mitarbeitenden verringern.
Bild: KEYSTONE
Am Wochenende wurde es in Teilen der Schweiz bis zu 34 Grad. Was das für deine Arbeitsproduktivität heisst und ob du hitzefrei bekommst? blue News erklärt es dir.
In der Schweiz ist es aktuell so richtig heiss. Am Wochenende wurde es in Teilen der Schweiz bis zu 34 Grad.
Da stellt sich die Frage, wie viel Hitze erträgt ein Mensch? Die Antwort ist naheliegend: Das ist individuell und hängt von unterschiedlichen Faktoren, wie etwa dem Körperbau ab.
Wird es wie heute sehr heiss, versucht der Körper seine Temperatur konstant auf rund 37 Grad zu halten, um lebensnotwendige Stoffwechselprozesse am Laufen zu halten.
Daher fährt der Körper sein Kühlsystem hoch, die Blutgefässe werden grösser, um Wärme abgeben zu können. Wasser wird dabei aus dem Blut über die Schweissdrüsen aus dem Körper gepumpt und du fängst an zu schwitzen. Verdunstet der Schweiss anschliessend auf deiner Haut, kühlt dies den Körper runter. Schwitzen ist somit der wirksamste Mechanismus, um nicht zu überhitzen.
Doch durch die Erweiterung der Blutgefässe sinkt der Blutdruck. Das Herz-Kreislauf-System ist dann besonders gefordert. Das Herz muss schneller pumpen und durch die stärkere Hautdurchblutung werden die inneren Organe mit weniger Blut versorgt. Das kann zu einer Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit führen.
Kurz zusammengefasst heisst das: Hitze bedeutet für den Körper Schwerstarbeit – kein Wunder, fühlst du dich schneller erschöpft.
Dass in der Hitze nicht die gleiche Leistung erbracht werden kann, zeigen auch wissenschaftliche Untersuchungen. Seit Jahren warnen Expert*innen vor dem Einfluss der Erderhitzung auf die Produktivität.
Dabei braucht es keine Rekordwerte von bis zu 37 Grad und Arbeit im Freien unter der sengenden Sonne. Bereits ab einer Temperatur von 28 Grad sinkt die Arbeitsleistung um fünf Prozent, bei 31 Grad sogar um zehn Prozent, sagte Christian Monn, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), bereits vor sechs Jahren zur «Handelszeitung».
Eine Reihe von Studien belegen diese Aussagen. Ab einem Schwellenwert von 26,5 Grad wird es laut Forschungsresultaten ungemütlich. Das Seco empfiehlt im Sommer deshalb Temperaturwerte zwischen 23 und 26 Grad, im Winter zwischen 21 und 23 Grad, zumindest für Büroarbeit. Gemäss Christian Monn vom Seco könne man seine optimale Leistung im Büro bei rund 22 Grad abrufen.
Doch was ist, wenn das Thermometer bei der Arbeit oder in der Schule mehr als den Grenzwert von 26,5 Grad anzeigt?
Schlechte Nachrichten für Schüler*innen: Auch bei Temperaturen über 30 Grad muss man in den Unterricht, denn Hitzefrei gibt es in der Schweiz generell nicht. Auch die Kinder nach Hause schicken, ist nicht möglich. Die Schule hat eine Betreuungspflicht.
«Hitzefrei bekommen» ist tatsächlich kein Mythos. Diese Regelung gab es früher an Schweizer Schulen wirklich. Überschritt die Temperatur morgens um 10 Uhr die 30-Grad-Marke, durften Schülerinnen und Schüler im Kanton Zürich nach Hause gehen. In den 1980er-Jahren wurde diese Bestimmung jedoch aufgehoben.
Auch im Kanton Basel-Stadt wurde das Hitzefrei im Jahr 2003 abgeschafft. Das Erziehungsdepartement begründete dies damals damit, dass viele Kinder die freie Zeit ohnehin im Schwimmbad oder beim Fussballspielen verbrachten und somit nicht wirklich vor der Hitze geschützt waren. Zudem stellte die kurzfristige Betreuung der Kinder für viele Eltern eine Herausforderung dar.
Auch auf der Arbeit gibt es kein Hitzefrei. Doch Arbeitgeber*innen haben eine Fürsorgepflicht. Das heisst: Sie müssen für den Schutz ihrer Angestellten Sorgen.
Dazu hat das Staatssekretariat für Wirtschaft Empfehlungen abgegeben: Die Raumtemperatur sollte an die jeweilige Tätigkeit angepasst werden. So empfiehlt es sich, bei überwiegend sitzender und geistiger Arbeit eine Temperatur zwischen 21 und 23 Grad einzuhalten. Für körperliche Tätigkeiten, abhängig von deren Intensität, gelten Richtwerte von etwa 16 bis 21 Grad.
Bei heissen Aussentemperaturen liegt der Wert maximal bei 26 Grad. Ebenfalls sollten mehrere kleine Pausen möglich sein, und Trinkwasser sollte zur Verfügung gestellt werden.
Es gibt jedoch eine Ausnahme: Schwangere und Stillende dürfen ab 28 Grad Raumtemperatur der Arbeit fernbleiben.
Auch für Bauarbeiter*innen gibt es kein Hitzefrei. Ein Massnahmenplan der Suva empfiehlt ab 33 Grad etwa eine Pause von 15 Minuten an einem kühlen und schattigen Ort zu jeder Stunde. Und schwere Arbeiten sollen auf das absolut nötige Minimum reduziert werden. Es soll möglichst an beschatteten Plätzen gearbeitet werden.
Im Strassenbau gilt im Kanton Tessin eine spezielle Vorschrift: Gibt MeteoSchweiz an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Hitze-Warnstufe 3 aus, müssen die Arbeiten jeweils ab 13 Uhr ruhen. Zudem spricht der Kantonsarzt eine Hitzewarnung aus, sobald die durchschnittliche Temperatur von Tag und Nacht an drei Tagen hintereinander über 25 Grad liegt.