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Der Schweizer Sportartikelhersteller On setzte die Behörden erfolgreich unter Druck.
Keystone/Gaetan Bally
Swissness um jeden Preis: Der Sportartikelhersteller On hat sich offenbar einen intensiven Machtkampf mit den Behörden geliefert, um seine Schuhe weiterhin mit dem Schweizerkreuz versehen zu können – trotz Produktion im Ausland.
Das Schweizerkreuz steht weltweit für Qualität, entsprechend teuer lassen sich damit Produkte verkaufen. Dafür galt lange Zeit die Vorgabe, dass die Waren auch in der Schweiz produziert werden müssen – bis zum März 2026.
Denn der Sportartikelhersteller On wollte keinesfalls auf das Schweizerkreuz verzichten, obschon er seine Sneaker in Asien fertigen lässt. Um das zu erreichen, setzte das Unternehmen die Behörden massiv unter Druck, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.
Demnach liess das Institut für Geistiges Eigentum (IGE) zuvor die Rechtmässigkeit des Schweizerkreuzes im wichtigen Wachstumsmarkt China prüfen. Das Unternehmen reagierte darauf umgehend und schickte im August 2025 zunächst einen Brief an drei Bundesräte sowie an mehrere Wirtschaftsverbände. Zudem verlangten die Anwälte des Konzerns, dass das IGE den chinesischen Behörden eine Einverständniserklärung für die Nutzung der Schweizerflagge erteilt.
Wie die Zeitung unter Berufung auf vertrauliche E-Mails weiter schreibt, diktierte das Unternehmen sogar, welche Beamten in der Sache mitreden dürfen. Zudem habe der Sportartikelhersteller dem IGE mit einer Staatshaftungsklage gedroht, sollte ihm durch das Vorgehen der Behörde ein Schaden entstehen. Unter Androhung rechtlicher Schritte habe On ausserdem erfolgreich die Entfernung eines kritischen Interviews auf der IGE-Webseite gefordert.
Das Resultat kann sich für den Milliardenkonzern sehen lassen: Ergebnis des Machtkampfs mit dem IGE war eine regelrechte «Lex On», wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Das Unternehmen darf das Schweizerkreuz weiterhin auf allen weltweit verkauften Schuhen nutzen, muss es lediglich zwischen den Wörtern «Swiss» und «Engineering» platzieren.
Im März genehmigte das IGE die Vereinbarung schliesslich offiziell, blue News berichtete. Das IGE lockerte die Praxis für Firmen, die in der Schweiz entwickeln, aber im Ausland produzieren. Sie dürfen das Symbol dann unter gewissen Bedingungen nutzen.
Das IGE wolle diese «subjektive Interpretation» der E-Mails nicht kommentieren, berichtet die Zeitung weiter. Den Ausschluss der zwei Beamten begründete die Behörde demnach damit, dass man «über die Sache und nicht über Personen» habe diskutieren wollen, das Interview habe man «für ein konstruktives Klima» gelöscht.
On selbst äusserte sich nicht zu den E-Mails. Der Konzern betont indessen, man habe auch das Design und die Entwicklung im Inland gebührend würdigen und die Regeln im Interesse der Schweizer Volkswirtschaft klären wollen.
Bei anderen Schweizer Unternehmen stösst das Vorgehen derweil auf wenig Gegenliebe. Roberto Martullo, Inhaber der Traditionsmarke Künzli-Schuhe, hat bereits rechtliche Schritte gegen die Regelung in Aussicht gestellt, der Unternehmer Thomas Minder droht gar mit einer Volksinitiative.