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Immer mehr Schweizer leben von Monat zu Monat.
KEYSTONE
Die Schweiz gilt als eines der wohlhabendsten Länder der Welt. Doch eine neue Studie zeigt: Viele junge Erwachsene spüren davon wenig. Fast jede zweite Person unter 43 Jahren lebt von Lohnzahlung zu Lohnzahlung.
Die Schweiz zählt zu den reichsten Ländern der Welt. Trotzdem fühlen sich viele junge Erwachsene finanziell unter Druck. Besonders betroffen sind die Generation Z und die Millennials. Laut einer neuen Studie des Beratungsunternehmens Deloitte lebt fast jede zweite befragte Person von Lohnzahlung zu Lohnzahlung.
Konkret geben 49 Prozent der Gen Z und 48 Prozent der Millennials an, dass am Monatsende kaum Geld übrig bleibt. Jeder dritte Angehörige der Gen Z und sogar vier von zehn Millennials fühlen sich finanziell nicht abgesichert.
Die Folgen gehen weit über den Kontostand hinaus. Viele verschieben wichtige Lebensentscheidungen, weil ihnen die finanzielle Sicherheit fehlt.
46 Prozent der jüngeren Befragten und 60 Prozent der Millennials geben an, wegen ihrer finanziellen Situation etwa eine Heirat, die Familienplanung oder eine Weiterbildung aufgeschoben zu haben. Gleichzeitig sagen mehr als die Hälfte der Befragten, dass sie sich kein Eigenheim leisten können.
Gerade dieser Wert sticht hervor. Obwohl die Löhne in der Schweiz im internationalen Vergleich hoch sind, liegen die Immobilienpreise vielerorts auf Rekordniveau. Für viele junge Menschen wird Wohneigentum damit zu einem Ziel, das kaum noch erreichbar scheint.
Die Studie wurde in 44 Ländern durchgeführt. Insgesamt nahmen mehr als 22'000 Personen teil, darunter 400 aus der Schweiz.
Der Vergleich zeigt, dass die finanzielle Unsicherheit hierzulande besonders ausgeprägt ist. Bei mehreren Kennzahlen liegt die Schweiz deutlich über dem internationalen Durchschnitt.
Michael Grampp, Chefökonom von Deloitte Schweiz, sieht darin ein Warnsignal. Die hohen Einkommen würden nicht automatisch bedeuten, dass junge Menschen finanziell sorgenfrei leben könnten. Vor allem die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt stelle viele vor grosse Herausforderungen.
Bemerkenswert ist ein weiterer Befund der Studie: Trotz finanzieller Sorgen streben viele junge Menschen nicht primär nach mehr Karriere oder höheren Positionen.
Für 23 Prozent der Gen Z und 20 Prozent der Millennials ist eine gute Work-Life-Balance das wichtigste berufliche Ziel. Damit liegt dieser Wert höher als der Wunsch nach einem kontinuierlichen beruflichen Aufstieg.
Auch im internationalen Vergleich zeigen sich die Schweizer Befragten weniger karriereorientiert. Nur ein Drittel der Gen Z und rund ein Viertel der Millennials geben an, gezielt auf einen stetigen Karriereschritt hinzuarbeiten.
Die Ergebnisse zeichnen ein widersprüchliches Bild der jungen Schweiz. Einerseits profitieren viele von hohen Löhnen, einem stabilen Arbeitsmarkt und einer tiefen Arbeitslosigkeit. Andererseits wächst das Gefühl, finanziell auf der Stelle zu treten.
Besonders beim Wohnen zeigt sich diese Entwicklung deutlich. Während Eigentum für frühere Generationen oft ein realistisches Ziel war, scheint es für viele junge Erwachsene heute ausser Reichweite zu geraten. Genau deshalb wird die Frage, wie bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann, zunehmend auch zu einer wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Herausforderung.