19.01.2017 - 15:45, aktualisiert: 17:31, uri, mit Material von dpa

Arktis-Eis schmilzt dramatisch

 

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Die Klimaforscher müssen sich wiederholen: Nach 2014 und 2015 hat auch 2016 den globalen Temperaturrekord gebrochen. Es war so warm wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen 1880. Besonders setzten die Temperaturen im letzten Jahr dem Arktis-Eis zu, das sich nicht nur stärker und länger zurückzieht, sondern auch immer dünner wird.

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Im September 2016 war die Fläche des Arktischen Meereises auf eine Grösse von knapp 4,1 Millionen Quadratkilometern abgeschmolzen, wie das Alfred-Wegener-Institut (AWI) und das Institut für Meereskunde der Universität Hamburg in einer Pressenachricht mitteilten. Das war die zweitkleinste Fläche seit Beginn der Satellitenmessungen vor 38 Jahren. Weniger Meereis gab es bisher nur im Negativ-Rekord-Jahr 2012 mit 3,4 Millionen Quadratkilometern.

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Zwei Monate später war das Meereis der Arktis naturgemäss wieder angewachsen, mit 9,08 Millionen Quadratkilometer aber fast 2 Millionen Quadratkilometer kleiner als im November-Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Die Eisfläche war damit so klein wie niemals zuvor seit Beginn der Satellitenmessungen, wie das Nationale Schnee- und Eisdatenzentrum (NSIDC) der USA im vergangenen Dezember berichtete.

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Die Ausdehnung älteren (5 Jahr und mehr) See-Eises in der Arktis im September 1984 (links) und im September 2016 (rechts).
Bild: Screenshot NASA's Scientific Visualization Studio

«Was in der Arktis passiert, ist beeindruckend»

«Was in der Arktis passiert, ist beeindruckend, dieses Jahr hat es alles bisher Dagewesene auf unglaubliche Art und Weise gesprengt», sagte der Nasa-Manager Gavin Schmidt der Deutschen Presse-Agentur (dpa), wobei «beeindruckend» hier wohl «dramatisch» meinen soll. Tatsächlich gab die Entwicklung nämlich vor allem Grund zur Sorge: «Im Winter 2015/2016 war die Luft über dem arktischen Ozean in weiten Teilen mehr als sechs Grad Celsius wärmer als im langjährigen Durchschnitt», zitierte das AWI in seinem Bulletin Prof. Dr. Lars Kaleschke von der Universität Hamburg. Durch die höheren Temperaturen wachse das «Eis im Winter weniger stark an.»

Auch die Eisdicke hatten Wissenschaftler mit hochauflösenden Flugzeugmessungen in verschiedenen Gebieten der Arktis untersucht. Das neu gebildete Eis sei 2016 mit einem Meter Dicke sehr dünn gewesen, erklärte der Klimawissenschaftler Prof. Dr. Christian Haas vom AWI. Normalerweise hätte es doppelt so stark sein müssen. Durch ein neu entwickeltes Datenprodukt, das erstmals Messungen der zwei ESA-Satelliten CryoSat und SMOS kombiniert, konnten die Forscher obendrein schon zu Ende des arktischen Winters feststellen, dass auch das mehrjährige Eis zehn Zentimeter dünner war als in den Vorjahren, wie Kaleschke erklärte.

Seit Ende August des Jahres 2016 waren obendrein die Nordost- und die Nordwestpassage in der Arktis gleichzeitig offen. Erstmalig waren beide Schiffspassagen im Jahr 2008 zugleich passierbar. Das Meereis der Arktis gilt als kritisches Element im Klimageschehen und als Frühwarnsystem für die globale Erwärmung. «Der Rückzug des arktischen Meereises ist ein deutlicher Hinweis, dass die globale Erwärmung ungebremst fortschreitet», gab Kaleschke zu bedenken.

2016 war ein Schreckensjahr für das Klima

Die warmen Temperaturen wurden vielerorts, wie schon im Jahr zuvor zwar auch, vom Klimaphänomen El Niño beeinflusst, das alle paar Jahre die Oberflächentemperaturen im Pazifik aufheizt, doch Politiker und Wissenschaftler warnen. «Die langfristigen Indikatoren für vom Menschen ausgelösten Klimawandel haben 2016 neue Höhen erreicht», erklärte etwa WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. «Die Konzentration von Kohlendioxid und Methangas ist in Rekordhöhe gestiegen. Beide tragen zum Klimawandel bei.»

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Auch der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber mahnt an, beim Klimaschutz nicht nachzulassen. «Viele glauben, nach dem Pariser Abkommen ist das Klima bereits gerettet», sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung der dpa. «Doch die nationalen Ziele der Vertragsstaaten in dem Abkommen reichen bekanntlich noch nicht für die Begrenzung der Erderwärmung auf 2 Grad Celsius. Nach Paris hat bislang noch kein Land seine Klimaschutzambitionen deutlich erhöht. Nur China und Indien haben – vor allem wegen der direkten Gesundheitsgefahren - etwas gegen die Luftverschmutzung getan.»

2016 sei für das Klima ein Schreckensjahr gewesen - und das obwohl das Pariser Klimaabkommen in Kraft trat. «Wenn in vielen Teilen der Welt Nationalpopulisten lauter werden, die sich nicht mehr für wissenschaftliche Fakten interessieren, dann ist das ein Worst-Case-Szenario», sagte Schellnhuber. «Vielleicht verlieren wir dadurch zehn wertvolle Jahre beim Klimaschutz. Wir haben aber nur noch 20 bis 30 Jahre Zeit, um die Welt zu dekarbonisieren, also Energie ohne Verbrennung von Öl, Gas und Kohle zu gewinnen, wenn wir die gemeinsamen Ziele von Paris einhalten wollen.»

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