11.11.2017 - 23:00, uri

Vor 99 Jahren verloren die Habsburger ihr Reich

 

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Vor 99 Jahren, am 12. November 1918, endet, was stolze 640 Jahre zuvor begonnen hat: Mit der Ausrufung der Republik kommt die Herrschaft der Habsburger in Österreich zum Ende. Ein knappes halbes Jahr später geht der ehemalige Kaiser Karl I. mit seiner Familie ins Exil in die Schweiz, wo die Ursprünge der Dynastie liegen.

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Bereits in den Jahrzehnten vor der Abdankung des Habsburger-Kaisers muss das Adelsgeschlecht schwere Schicksalsschläge einstecken. Doch nicht nur die Monarchie als solche ist unter Druck, auch der Vielvölkerstaat erodiert durch den wachsenden Nationalismus. 

Am 10. September 1898 stirbt Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn in Genf, nachdem sie vom Anarchisten Luigi Lucheni mit einer Feile angegriffen wurde. Kronprinz Rudolf, der einzige Sohn von Sisi und Kaiser Franz Joseph I., begeht am 30. Januar 1889 im Schloss Meyerling geneinsam mit seiner Geliebten, der Baroness Mary Vetsera, im Schloss Mayerling Selbstmord. Mit dem Attentat von Sarajevo durch Gavrilo Princip auf Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 stirbt der nächste Thronfolger – der Mord löst den Ersten Weltkrieg aus. 

Eine formelle Abdankung unterzeichnet der Kaiser nie

Kaiser Franz Joseph I. stirbt nach 68 Jahren Regentschaft am 21. November 1916 mitten im Krieg. Sein Grossneffe folgt ihm als Karl I. auf den Thron, wird die Kaiserwürde jedoch nur noch 100 Wochen tragen. Obwohl der Nachfolger des populären Franz Joseph die Aussichtslosigkeit eines Kriegsgewinns der Mittelmächte erkennt, die Macht der militärischen Eliten beschneidet, und versucht, einen Separatfrieden mit den Alliierten zu erreichen, gelingt es ihm nicht, sich vom dominanten Deutschen Reich zu lösen.  

Nachdem der deutsche Kaiser Wilhelm II. am 9. November 1918 seine Abdankung bekanntgibt und in Berlin die Republik ausgerufen wird, ist es nur noch eine Frage kurzer Zeit, bis auch der österreichische Kaiser abtreten muss. Vor allem auch weil Karls Ehefrau Zita eine Abdankung strikt ablehnt unterzeichnet der Kaiser am 11. November 1918 lediglich einen Verzicht «auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften» für die österreichische Reichshälfte. Zwei Tage später folgt ein ähnlicher Erlass für Ungarn, doch auch hier dankt Karl I. nicht formell ab – was aus Sicht von Zita aufgrund des «Gottesgnadentums» des Monarchen auch «unmöglich» ist.  

Zunächst zieht sich die kaiserliche Familie auf ihr Schloss Eckartsau in Niederösterreich zurück, wo sie unter dem Schutz eines britischen Sicherheitsoffiziers steht, den der englische König George V. abgestellt hat, weil dieser für die Habsburger ein ähnliches Schicksal wie bei der russischen Zarenfamilie befürchtet. 

«Nun nach 700 Jahren nehme ich den gleichen Weg zurück»

Karl I. wird schliesslich jedoch mit der Internierung gedroht, falls er nicht abdanken oder aus Österreich ausreisen sollte. Am 23. März 1919 betritt er in Feldmarschallsuniform mitsamt seiner Familie den Hofzug der ehemaligen k.k.-Staatsbahn. Vor dem Grenzübertritt in die Schweiz am 24. März wiederruft er im Feldkircher Manifest seine Erklärung vom 11. November 1918 und protestiert gegen seine Absetzung. Seine Abschiedsworte lauten angeblich: «Vor 700 Jahren sind meine Vorfahren von der Schweiz nach Österreich gekommen. Nun nach 700 Jahren nehme ich den gleichen Weg zurück.» In die Schweiz – die ihn und seine Familie erst nach langen Verhandlungen aufnimmt - reist Karl I. aber in Zivilkleidung ein. 

In der neuen Heimat beziehen Karl I. und seine Familie zunächst das Schloss Wartegg bei Rorschach. Nachdem die Schweizer Regierung die Verlegung des Wohnortes aber wegen der kritischen Nähe zu Österreich wünscht, geht es für die kaiserliche Familie als nächstes in die Villa Prangins am Genfer See. 

Von hier aus plant der der ehemalige Regent die Wiedererlangung der Macht in Ungarn. Doch nachdem zwei Restaurationsversuche scheitern, beruhigt die Triple Entente die Situation auf ihre Art. Karl I. erwartet nun ein ähnliches Schicksal wie bereits rund 100 Jahre zuvor den Franzosenkaiser Napoleon mit der Verbannung nach St. Helena. Die Habsburger werden auf die zu Portugal gehörende Insel Madeira im Atlantik verschifft. Hier verschlechtert sich der Zustand des gesundheitlich angeschlagenen Karl I. stark. Am 1. April 1922 stirbt der letzte Kaiser von Österreich im Alter von 35 Jahren. 

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