18.06.2017 - 23:00, cor

Die Rosenbergs: Eine Falschaussage führte zu ihrer Hinrichtung

 

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Ihr Schicksal erschütterte die USA: Ethel und Julius Rosenberg wurden am 19. Juni 1953 hingerichtet, weil sie Geheiminformationen über US-Atombomben an die Sowjetunion geliefert haben sollen. Eine Schuld bestritt das Ehepaar bis zuletzt. Eine Falschaussage kostete sie schliesslich das Leben.

Der Strafprozess und das Urteil erregte Anfang der 1950er Jahre weltweites Aufsehen. Julius und Ethel Rosenberg wurden vor 64 Jahren, am 19. Juni 1953, wegen Atomspionage für die Sowjetunion zum Tode verurteilt und im berüchtigten Staatsgefängnis Sing Sing in New York auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Um 20:04 Uhr starb Julius Rosenberg. Sieben Minuten später folgte ihm seine Ehefrau Ethel. Die schmächtige Frau überlebte den ersten Stromstoss. Erst beim zweiten Versuch kam sie zu Tode.

Etwas mehr als zwei Jahre zuvor, am 29. März 1951, hatten Geschworene die Rosenbergs für schuldig befunden. Bundesrichter Irving Kaufmann verurteilte sie daraufhin wegen der Weitergabe von Geheimnissen aus der US-Nuklearforschung an die Sowjetunion am 5. April 1951 zum Tode.

Er sah es als erwiesen an, dass das Ehepaar in den Vierzigerjahren den Russen die hochgeheimen Baupläne der Atombombe zugespielt hatte. «Ich halte das Verbrechen für schlimmer als Mord», begründete Kaufmann sein Urteil und bekam für seine Auffassung Unterstützung aus dem Weissen Haus - obwohl es von Anfang an Zweifel an der Schuld des Paares gab, die bis zum Ende hin nicht ausgeräumt werden konnten.

Zwei Jahre lang kämpften Rosenberg-Anhänger mit Petitionen und in Berufungsverfahren um das Leben der beiden. Weltweit kam es zu Demonstrationen. Auch zum Zeitpunkt der Hinrichtung protestierten auf dem Times Square in New York 6000 Menschen.  

Die ganze Wahrheit mit ins Grab genommen

Der Fall der Rosenbergs ist dabei Teil einer verwickelten Spionagegeschichte: Im Jahr 1949 war in Grossbritannien der aus Deutschland stammende Physiker Klaus Fuchs verhaftet worden. Er hatte an der Entwicklung der US-Atombombe mitgearbeitet, war aber auch Spion für die Sowjets gewesen.

Über sein Geständnis stiess das FBI schliesslich auf den Chemiker Harry Gold, von dem aus wiederum eine Spur zu Ruth und David Greenglass führte. Als David Greenglass vernommen wurde, belastete dieser seine Schwester Ethel Rosenberg und ihren Mann Julius.

Da die den Rosenbergs vorgeworfene Straftaten in die Jahre 1944-45 fielen, als die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg mit den USA verbündet waren, kamen sie zunächst lediglich wegen «Verschwörung zur Spionage» vor Gericht.

Von Anfang an drohte die US-Justiz aber mit der Todesstrafe, um die beiden zu zwingen, sich schuldig zu bekennen und weitere Mittäter preiszugeben. Doch die Rechnung ging nicht auf, denn Julius und Ethel Rosenberg gestanden nichts. 

Ungerechtfertigt verurteilt?

Noch heute ist die Rolle des Ehepaares umstritten - denn unschuldig waren sie auch nicht: Bereits im Frühjahr 1942 hatte sich Julius Rosenberg, der seit seiner Jugend in der Kommunistischen Partei aktiv war, vom KGB anheuern lassen. Sein Verbindungsoffizier war Alexander Feklisow, der im russischen Generalkonsulat in New York arbeitete und den er regelmässig mit technischen Unterlagen über die neuesten Waffenentwicklungen in den USA belieferte.

Rosenberg war Elektroingenieur und arbeitete seit 1940 im U.S. Signal Corps, das damals zivile technische Produkte auf ihre militärische Verwendbarkeit prüfte. In dieser Position war es für ihn ein Leichtes, Informationen herauszufiltern und weiterzuleiten.

Im Auftrag des KGB baute Rosenberg schliesslich einen kleinen Spionagering an Informanten auf, zu dem unter anderem sein Schwager David Greenglass gehörte, der aus Sicht des KGB in einer interessanten Schlüsselposition sass.

Greenglass arbeitete als Techniker am streng geheimen Manhattan-Projekt mit und hatte damit direkten Zugang zu den Physikern, die im Auftrag Washingtons die Atombombe entwickelten. Regelmässig belieferte Greenglas seinen Schwager mit Informationen und 1945 übergab er ihm einen zwölfseitigen Bericht über die Hiroshima-Bombe, einschliesslich einer Skizze.

Weder Greenglass noch Rosenberg fühlten sich damals als Verräter, die Material an den Feind lieferten. Im Prozess sagte Greenglas aus, sein Schwager habe ihn letztlich davon überzeugt, dass die UdSSR ein Verbündeter sei und ihr als gleichberechtigtem Partner diese Informationen zustünden.

Die Russen und die geheimen Baupläne der USA

Als die Sowjets im August 1949 ihren ersten Atomtest durchführten, wurde jedoch  offensichtlich, dass sie zuvor mit geheimen Bauplänen aus dem Manhattan-Projekt versorgt worden waren.

Als Ende der 1990er-Jahre etliche Dokumente aus der Voranhörung zum Rosenberg-Prozess - die 1950 vor der Grand Jury stattgefunden hatte - erstmals öffentlich gemacht wurden, zeigten sich widersprüchliche Aussagen. 

So hatte etwa die Ehefrau von David Greenglass, Ruth Greenglass, in der Voranhörung noch ausgesagt, sie habe die herausgeschmuggelten Informationen handschriftlich notiert und Julius Rosenberg mitgegeben. Im Prozess erklärte sie später, Ethel Rosenberg habe diese Notizen eigenhändig abgetippt.

Die Aussage sorgte für eine entscheidende Wende im Prozess, denn nun gab auch David Greenglass zu Protokoll, dass Ethel Rosenberg aktiv an der Spionage beteiligt gewesen sei, indem sie Informationen in Reinschrift gebracht habe. Beide Behauptungen zusammen wurden als Beweis für Ethel Rosenbergs Spionagetätigkeit gewertet und bildeten die Basis für ihre Verurteilung.

Keiner stellte damals jedoch die Frage, warum Ruth Greenglas in der Voranhörung noch etwas anderes erklärt hatte. Erst später gab ihr Mann gegenüber der BBC zu, alles sei frei erfunden gewesen. Er habe die Aussage nur gemacht, um sich und seine Familie zu schützen.

Der Spion, der nicht mehr aus dem Dschungel kam

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