Kein Kommerz 7 Black Fridays der Geschichte – der bekannteste ist auch noch falsch

Philipp Dahm

28.11.2025

So schön: Konsum-Soldaten liefern sich am Black Friday eine Rabattschlacht in Sao Paulo in Brasilien.
So schön: Konsum-Soldaten liefern sich am Black Friday eine Rabattschlacht in Sao Paulo in Brasilien.
KEYSTONE

Du hast auch keinen Bock auf Kommerz? Hier sind – nur für dich – 7 Black Fridays aus den Geschichtsbüchern, die nichts mit Konsum zu tun haben.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Heute ist Black Friday: Diejenigen, die sich am Kommerz stören, müssen heute ganz stark sein.
  • Die Alternative: 7 historische Black Fridays, die mit dem Einkaufen nichts zu tun haben.
  • So richtig erbaulich sind die Ereignisse nicht, weshalb sie jeweils eben auch Black Friday heissen. Dafür sind sie interessant!

Kein Jota dem Kommerz! Hier darf der Black Friday noch Black Friday sein. Es geht um alles, ausser ums Einkaufen. So gibt es alleine sieben Alben, die so heissen: Die Interpreten reichen von Bushido bis Tom Odell.

Oder nehmen wir nur die «Black Friday»-Filme: Auch davon gibt es sieben Stück. Der älteste Streifen, ein Stummfilm, stammt aus dem Jahr 1916. Der jüngste Film ist eine Horror-Komödie von Casey Tebo aus dem Jahr 2021.

Szene aus dem Stummfilm «Black Friday» von 1916.
Szene aus dem Stummfilm «Black Friday» von 1916.
Gemeinfrei

Doch statt auf Unterhaltung konzentriert sich dieser Artikel auf die historischen Black Fridays: hier eine Auswahl von 7 entsprechenden Ereignissen aus der Geschichte.

9. Mai 1873 in Wien

Am 1. Mai 1873 eröffnet Kaiser Franz Joseph I. die Weltausstellung in Wien mit den Worten, dass «Österreich-Ungarn nach allen Richtungen in erfreulichem Aufschwunge begriffen» sei. Von wegen: Acht Tage später geht der 9. Mai als Schwarzer Freitag in die Geschichtsbücher der Doppelmonarchie ein.

Schwarzer Freitag an der Wiener Börse am 9. Mai 1873 auf einem Holzschnitt aus demselben Jahr.
Schwarzer Freitag an der Wiener Börse am 9. Mai 1873 auf einem Holzschnitt aus demselben Jahr.
Gemeinfrei

Der sogenannte Gründerkrach ist ein Börsen-Crash, der heute eher als Bereinigung einer Banken-Blase verstanden wird. Nicht weniger als 120 Banken müssen Insolvenz anmelden, bevor die Polizei am Mittag die Börse schliesst. Es dauert bis zum Herbst, bis die Krise auch die New Yorker Börse erreicht, die zwischen dem 19. und 29. September erstmals geschlossen wird.

14. Oktober 1881 in Schottland

Dass ein Sturm über Schottland hinwegfegt, ist keine Meldung wert. Wenn die starken Winde aber wie an jenem Schwarzen Freitag im Jahre 1881 das Leben von 189 Fischern kostet, brennt sich das Ereignis ins kollektive Gedächtnis.

Frauen und Kinder schauen aufs Meer und warten vergeblich auf die Fischer: ein Andenken an die Sturmopfer im schottischen Dorf St Abbs.
Frauen und Kinder schauen aufs Meer und warten vergeblich auf die Fischer: ein Andenken an die Sturmopfer im schottischen Dorf St Abbs.
Commons/Karen Bryan

18. November 1910 in London

Wer bei Suffragette denkt, «Ich steh' manchmal sogar nachts auf und hol mir welche», ist auf dem Holzweg: Die Suffragette hat mit der guten Ulricke Jokiel im deutschen Werbespot aus dem Jahr 1987 so rein gar nichts zu tun.

Suffragetten sind natürlich jene tapferen Frauen, die einst für ihr Wahlrecht gekämpft haben. In dem einen Land war es etwas früher, woanders etwas später. 300 von ihnen ziehen deshalb am 18. November 1910 in London zum Parlament.

Ein Polizist entreisst einer Suffragette ihr Banner.
Ein Polizist entreisst einer Suffragette ihr Banner.
Gemeinfrei

Das Problem: Männer. Sie sammeln sich, um den weiblichen Protest zunächst zu begaffen – und sie dann zu attackieren. Sie fassen den Frauen an die Brüste und kneifen sie. Es kommt während der sechsstündigen Demonstration auch zu sexuellen Übergriffen. Die Polizei verhaftet 115 Frauen – und vier Männer, die am nächsten Tag wieder freikommen.

Schwarzer Freitag für die Frauenbewegung im Jahre 1910.
Schwarzer Freitag für die Frauenbewegung im Jahre 1910.
Gemeinfrei

Die Suffragette Sylvia Pankhurst schreibt in ihren Memoiren: «Wir sahen Frauen hinausgehen und erschöpft zurückkehren, mit blauen Augen, blutenden Nasen, Blutergüssen, Verstauchungen und Verrenkungen. Der Ruf ging herum: ‹Seid vorsichtig; sie zerren Frauen in die Seitenstrassen!› Wir wussten, das bedeutete noch schlimmere Misshandlung.»

2. Februar 1912 in Brisbane

Die Eigentümer von Brisbane Tramways verbieten ihren Angestellten, Abzeichen einer Gewerkschaft zu tragen – und entlassen schliesslich das Gros der Mitarbeitenden. Daraufhin rufen gleich mehrere Gewerkschaften zum ersten Generalstreik Australiens auf.

Um die 15'000 Personen versammeln sich an jenem Tag, der zunächst als «Schlagstock-Freitag» und dann als Black Friday Geschichte schreibt. Denn: Die Polizei greift durch und knüppelt die Demonstrierenden, unter denen übrigens auch viele Suffragetten sind, brutal nieder.  Die Quittung gibt es 1915 an der Wahlurne, als die Australian Labor Party die Wahlen gewinnt.

24. Oktober 1929 in New York

Wenn du beim Schwarzen Freitag als Erstes an den New Yorker Börsen-Crash von 1929 denkst, hast du recht, liegst aber auch falsch. Denn tatsächlich war der 24. Oktober ein Donnerstag – es dauert halt nach dem Börsenschluss an der Wall Street bis zum Freitag, bis die Krise auch Europa erfasst.

Menschenmassen belagern die New Yorker Börse am Black Thursday am 24. Oktober 1929.
Menschenmassen belagern die New Yorker Börse am Black Thursday am 24. Oktober 1929.
Gemeinfrei

8. September 1978 in Teheran

Wir befinden uns im Iran der vorrevolutionären Zeit. Im Land gibt es grosse Spannungen, die sich 1979 in einem politischen Erdbeben entladen werden.

In der Hauptstadt Teheran fallen am 8. September auf dem Jaleh-Platz Schüsse, als Menschen gegen die Regierung von Mohammad Reza Pahlavi demonstrieren. 64 Personen kommen ums Leben.

Seither firmiert dieser Tag im Iran als Schwarzer Freitag.

13. November 2015 in Paris

137 Tote, 415 Verletzte – 100 davon schwer: Die Terroranschläge von Paris sind vielen noch im Gedächtnis.

Das Töten beginnt an jenem Freitag, dem 13., um 21.16 Uhr vor dem Stade de France, wo sich drei Selbstmordattentäter in die Luft sprengen, und endet am Folgetag um 0.58 Uhr, als die französische Polizei das Bataclan-Theater stürmt.

Frankreich: Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in Paris 2015

Frankreich: Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in Paris 2015

STORY: Frankreich gedenkt an diesem Donnerstag der Opfer der islamistischen Anschläge vom 13. November 2015 in Paris. Vor zehn Jahren hatten Islamisten bei einer Anschlagsserie im Konzertsaal Bataclan, in Strassencafés und vor dem Stade de France 130 Menschen getötet und mehr als 350 verletzt. Später reklamierte die Terrormiliz Islamischer Staat  (IS)  die Anschläge für sich.  Präsident Emmanuel Macron, sein Vorgänger François Hollande und zahlreiche Regierungsmitglieder nahmen  an Gedenkzeremonien an den verschiedenen Anschlagsorten vom 13. November 2015 teil. Allein im Konzertsaal Bataclan starben damals 90 Menschen. Während eines Rockkonzerts stürmten schwer bewaffnete Terroristen auf die Bühne, feuerten in die Menge und warfen Handgranaten. Sebastian Lascoux war damals auch im Bataclan und hat überlebt.  O-Ton Sebastien Lascoux, Bataclan-Überlebender: «Zu begreifen, dass mein Freund Chris in dieser Nacht gestorben war, war eigentlich etwas völlig Unwirkliches. Auch zu begreifen, was ich erlebt hatte, was wir alle in dieser Nacht erlebt hatten, war etwas völlig Unwirkliches. Ich fühlte mich, als wäre ich ausserhalb meiner selbst, als wäre ich dort, ohne wirklich dort zu sein. Tatsächlich starb ein Teil von mir in dieser Nacht und blieb in der Konzerthalle Bataclan zurück.» Die erste Attacke erfolgte damals am Fussballstadion Stade de France während des Freundschaftsspiels zwischen Frankreich und Deutschland. Dann wurden mehrere Café-Terrassen im Herzen der Stadt angegriffen und schliesslich das Bataclan.  Die Anschläge trafen ins Herz der französischen Gesellschaft und veränderten Frankreich nachhaltig. Der damalige Präsident Francois Hollande rief den Notstand aus, der bis 2017 immer wieder verlängert wurde. Mehrere Notstandsregelungen wurden schliesslich zu dauerhaften Gesetzen. 

13.11.2025

Wie tief das Trauma dieses Schwarzen Freitages sitzt, lässt die Tatsache erahnen, dass die Hinterbliebenen erst zum jetzigen zehnten Jahrestags des Anschlags bereit für öffentliche Trauerfeiern gewesen sind.


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11.11.2025