Bio-Fleisch ist genauso schlecht fürs Klima wie normales Fleisch

tsha

23.12.2020

White laying hens romp about in a poultry house of the poultry farm Daetwyler, pictured in Oberwangen in the Canton of Thurgau, Switzerland, on February 28, 2018. The family business of Hans-Jakob and Rosmarie Daetwyler is specialized in the production of Easter eggs since 1990. Before Easter, they color around 6'000 eggs daily by hand in six different colors together with their son Pascal and daughter Jasmin as well as four employees. The hens of the poultry farm Daetwyler lay about 14'000 eggs per day that are sorted and packed on site. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Weisse Legehennen tummeln sich in einem Stall des Gefluegelhofs Daetwyler in Oberwangen im Kanton Thurgau, aufgenommen am 28. Februar 2018. Der Familienbetrieb von Hans-Jakob und Rosmarie Daetwyler ist seit 1990 auf die Produktion von Ostereiern spezialisiert. Vor Ostern faerben sie zusammen mit Sohn Pascal und Tochter Jasmin sowie vier Angestellten taeglich von Hand rund 6'000 Eier in sechs verschiedenen Farben. Die Huehner des Gefluegelhofs Daetwyler legen um die 14'000 Eier pro Tag, die vor Ort sortiert und verpackt werden. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ein Geflügelhof in Oberwangen TG: Poulet aus Bio-Züchtung ist einer neuen Studie deutlich schlechter fürs Klima als herkömmlich produziertes Fleisch.
Bild: Keystone

Wer das Klima schützen will, sollte auch Bio-Fleisch links liegen lassen: Eine neue Studie hat ermittelt, wie klimaschädlich Poulet und anderes Fleisch wirklich sind.

Wer im Supermarktregal zum teuren Bio-Poulet greift anstatt zum Fleisch aus herkömmlicher Züchtung, macht das meist aus mehreren Gründen: weil Bio-Fleisch gesünder ist und besser für die Umwelt, weil die Tiere weniger leiden als ihre konventionellen Artgenossen – und weil Bio-Fleisch das Klima nicht ganz so sehr belastet. Zumindest letzteres ist nach Ansicht mehrerer deutscher Forscher allerdings ein Trugschluss.

In einer vor kurzem im Magazin «Nature» veröffentlichten Studie ziehen Maximilian Pieper von der Technischen Universität München, Amelie Michalke von der Universität Greifswald und Tobias Gaugler von der Universität Augsburg ein ernüchterndes Fazit. Bio-Fleisch, so das Ergebnis ihrer Untersuchung, ist genauso klimaschädlich wie herkömmliches Fleisch.



Tiere produzieren durch ihre Ausscheidungen klimaschädliche Gase; Kühe und Schafe stossen zusätzlich noch Methan aus. Schlecht fürs Klima ist ausserdem das Futter, das die Tiere erhalten, vor allem dann, wenn es aus Gegenden wie Südamerika importiert wird, wo der Regenwald für Soja- und andere Plantagen abgeholzt wird.

Tiere aus biologischer Züchtung werden hingegen meist mit heimischem Futter versorgt; oft erhalten sie auch frisches Gras. Das hat zur Folge, so die Studie, dass sie länger brauchen, um ihr Schlachtgewicht zu erreichen. Und ein längeres Tierleben bedeutet auch: mehr Zeit, um klimaschädliche Gase auszustossen.

Fleisch ist viel zu billig

Das hat zur Folge, dass die Klimabilanz von Rindern und Schafen, unabhängig von ihrer Haltungsart, etwa gleich hoch ist. Bio-Schweine hingegen schneiden etwas besser ab als ihre herkömmlich gezüchteten Artgenossen. Poulet aus Bio-Zucht hingegen hat eine deutlich schlechtere Klimabilanz als konventionelles Poulet.



Überhaupt, so die Studie, sei Fleisch viel zu billig. Konventionelles Fleisch müsste 40 Prozent teurer werden, um die damit verbundenen Klimakosten abzubilden; Bio-Fleisch hingegen müsste sich nach Berechnungen der Forscher um nur 25 Prozent verteuert, da es sowieso schon deutlich teurer sei als herkömmlich produziertes Fleisch. Obwohl sich ihre Untersuchungen auf den deutschen Fleischmarkt bezögen, liessen sich diese Werte auf die gesamte EU übertragen, heisst es in der Studie weiter.

«Die Preise lügen», sagte Amelie Michalke von der Universität Greifswald dem britischen «Guardian». «Die Klimakosten steigen – und wir alle bezahlen sie.» Ihr Münchner Kollege Maximilian Pieper ergänzt allerdings: «In gewissen Bereichen ist biologische Landwirtschaft definitiv besser als konventionelle.» Etwa, weil weniger Dünger verwendet werde, der Wasser und Luft verschmutze. 

24.06.2020, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Ein großes Stück Fleisch aus Pappe mit der Aufschrift ·Billigfleisch ist ein krankes System· steht, von Greenpeace-Aktivisten hier aufgestellt, vor dem Landtag. Aktivistinnen und Aktivisten fordern nach dem massiven Corona-Ausbruch in einem Fleischbetrieb von Tönnies am Mittwoch vor Landtag von NRW scharfe Konsequenzen für die Fleischindustrie. Foto: Marcel Kusch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Marcel Kusch)
Umweltaktivisten demonstrieren in Deutschland gegen Billigfleisch.
Bild: Keystone

Eine Lösung für das Problem sei eine pflanzenbasierte Ernährung, so die Forscher. Wer eine Pflanze esse, verursache nicht mehr Emissionen, als diese Pflanze im Laufe ihres Lebens produziert hat. Um hingegen etwa ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren, müssten zuerst 42 Kilogramm Futtermittel hergestellt werden.

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