Über 10 FrankenHier kostet eine Tasse Kaffee sogar noch mehr als in Zürich
dpa
1.3.2026 - 15:19
Von vielen gerne regelmässig getrunken: der Cappuccino. (Archivbild)
Daniel Karmann/dpa
8,35 Franken für Cappuccino in Österreich? Ein Café in Budapest verlangt sogar noch mehr. Wo Kaffee in Europa zum Luxusgut wird – und wo der Preis noch niedrig bleibt.
Rund 8,35 Franken für eine Tasse Cappuccino – dieser Preis an einer Raststätte in Österreich sorgte zuletzt für Aufsehen. Doch anderswo in Europa werden vereinzelt zweistellige Beträge in Franken für Kaffee verlangt. Wie leistbar ist das Getränk in europäischen Ländern? Ein Überblick
Wien: Steigende Preise, sinkender Pro-Kopf-Umsatz
Der genannte Spitzenpreis in Österreich liegt deutlich über dem üblichen Niveau in dem Alpenland. In Wien, wo Kaffeehäuser zum Kulturgut zählen, kosten Cappuccino und die traditionellere Wiener Melange vielerorts zwischen 4,80 und knapp 5,75 Franken.
Wer Melange lieber mit Sahne statt Milchschaum trinkt, zahlt in manchen Edel-Kaffeehäusern mehr als 6,70 CHF. In den vergangenen Jahren seien insbesondere die Gastronomie-Löhne stark gestiegen, erklärt Branchenvertreter Wolfgang Binder das hohe Preisniveau. Die Gäste reagieren: Binder berichtet von gesunkenen Pro-Kopf-Umsätzen.
Kopenhagen: 10,10 CHF für Luxus-Filterkaffee
In Dänemark belegt Kopenhagen in Kaffeepreis-Rankings immer wieder Spitzenplätze innerhalb der EU. Im Durchschnitt kostet ein Cappuccino in der Hauptstadt um die 5,75 Franken, in exklusiven Lagen oder an sehr touristischen Orten auch schon mal 7,70 Franken. In der berühmten Kopenhagener Konditorei La Glace gibt es allerdings nur Filterkaffee – zum stolzen Preis von etwa 10,10 Franken.
Die hohen Preise sind nicht überraschend: Lebensmittel sind in Dänemark generell teuer und mit einer Mehrwertsteuer von 25 Prozent belegt. Und die Dänen verdienen sehr gut: Das bereinigte Monatsgehalt liegt bei durchschnittlich knapp 5760 Franken.
Auch in der Schweiz: Hohe Löhne, hohe Preise
Gut 6,70 CHF für einen Cappuccino in der Schweiz – in Zürich und Genf ist das keine Seltenheit.
Auch der Schweizer Verdienst ist im Vergleich zu Deutschland ziemlich hoch. Bei Discount-Händlern liegt der Mindestlohn für ungelernte Kräfte bei umgerechnet gut 4800 Franken im Monat brutto. Allerdings sind auch die Kosten für Mieten und Gesundheit hoch.
Paris: Lokalmieten als Preisfaktor
Kaffee in Paris ist teuer – aber nicht immer.
Annette Riedl/dpa
In Frankreichs Hauptstadt Paris kann man in touristischen Hotspots an den österreichischen Spitzenpreis herankommen, wenn man es auf Cappuccino abgesehen hat. Die Preise reichen von 1,90 Franken für einen einfachen Kaffee am Tresen bis über 4,80 Franken für einen Cappuccino im Zentrum.
Bei den Preisen spielen die Lokalmieten eine Rolle. Am Rand der Innenstadt wurde vor kurzem ein traditionsreiches Café zwangsgeräumt, weil es die Jahresmiete von 201'600 Franken nicht mehr aufbringen konnte.
Italien: Aufpreis für Sitz-Kaffee
Im Heimatland des Cappuccino gehen die Preise weit auseinander. In Rom bekommt man die Tasse schon für 1,15 Franken – aber in touristischen Lagen kann man auch ein Vielfaches zahlen. Im Süden Italiens ist der Cappuccino billiger als im Norden.
Es kommt auch darauf an, ob man seinen Kaffee im Stehen trinkt oder im Sitzen: Wer länger bleiben will, zahlt einen Aufpreis. «Coffee to go» hat sich nie durchgesetzt. Die Vorstellung, seinen Kaffee im Gehen aus einem Pappbecher zu trinken, stösst vielerorts auf Ablehnung.
Grosse Preisspanne auch in Spanien
In Madrid bestellt man selten einen Cappuccino. Stattdessen ist der «Cortado», ein Espresso mit einem Schuss Milch, die gängige Wahl. Auf den Balearen kennt man ihn unter dem Namen «Tallat». Kaffee ist in Spanien oft stärker als in Deutschland – und vereinzelt schon für rund 0,95 Franken zu haben.
Im Schnitt kostet der «Cortado» in der Hauptstadt zwischen 1,45 und 2,40 Franken. Cappuccino ist etwas teurer. In Nobelhotels oder Designer-Cafés werden für einen «normalen» Kaffee mitunter zweistellige Frankenbeträge verlangt.
Griechenland und Türkei: Mokka als günstige Alternative
Die Aussicht auf die Akkropolis ist nicht günstig.
Soeren Stache/dpa
Ein Cappuccino im Zentrum Athens, etwa mit Blick auf die Akropolis, kostet zwischen 4,30 und 5,75 Franken. In Luxushotels können die Preise noch höher liegen. Der griechische Mokka ist deutlich günstiger und kostet meist nur 1,90 bis 2,90 Franken. Ausserhalb touristischer Hotspots sinkt der Cappuccino-Preis meist unter 2,40 Franken.
Im Zentrum Istanbuls liegen die Preise für einen Cappuccino bei etwa 4,30 Franken. Ein türkischer Mokka ist für rund 2,90 Franken zu haben. Der monatliche Mindestlohn liegt umgerechnet bei rund 540 Franken.
Cappuccino in London bei 5 Franken
Die Briten trinken bekanntlich gerne Tee mit Milch, doch in der morgendlichen Rushhour drängen sich viele auch mit einem Coffee to go durch die U-Bahnen Londons. In beliebten Kaffeehausketten wie Pret A Manger bezahlen die Londoner dafür umgerechnet um die 5 Franken.
Für einen Cappuccino in einem Restaurant hat die Datenbank Numbeo einen durchschnittlichen Preis von etwa 4,30 Franken ermittelt. In Stadtteilen wie Kensington oder Mayfair kann es deutlich teurer werden.
Touristen-Aufschlag in Budapest und Prag: 11 Franken im Nobel-Café
In Budapest kann der Kaffee bis zu 11 Franken kosten.
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In der ungarischen Hauptstadt Budapest kostet der Cappuccino in dem von Touristen belagerten Ringstrassen-Café «New York» umgerechnet rund 11 Franken, im mondänen «Gerbeaud» 7 Franken. Im durchschnittlichen Café um die Ecke, das sich die Ortsansässigen leisten, beträgt der Richtwert 3,20 Franken. Noch vor vier Jahren lag er bei 2 Franken. In diesem Zeitraum zog der Cappuccino-Preis doppelt so stark an wie der durchschnittliche Nettolohn.
Die Zeiten, in denen man in Tschechien nur einen «turek», einen Mokka, bestellen konnte, sind vorbei. Die Preise für Cappuccino variieren in Prag stark, je nachdem, ob man sich in einer Touristengegend oder in einem «normalen» Stadtviertel aufhält. Rechnen muss man mit etwa 2,25 bis 3,70 Franken.
Warschau und Moskau: Teures Vergnügen für Einheimische
In Polen kostet der Cappuccino in der Hauptstadt Warschau bei beliebten Caféketten umgerechnet zwischen 3,80 und 4,80 Franken. In Touristenspots wie der Altstadt können auch 6,50 Franken fällig werden. Das ist viel, gemessen am durchschnittlichen Nettogehalt von 1450 Franken. Zwar gibt es eine Debatte über die Kaffeepreise, die wie anderswo stark angezogen haben. An die hohen Preise in der Gastronomie haben sich die Polen aber inzwischen gewöhnt.
In Moskau gibt es einen Cappuccino in der russischen Kette Azbuka Vkusa umgerechnet ab rund 3,80 Franken – auch in der Nähe des Roten Platzes. Die bei wohlhabenden Jugendlichen beliebte Kette Coffeemania verlangt gut 6 Franken für eine kleine Tasse. Für viele Russen ist das kein billiges Vergnügen. Wer etwa Vollzeit in einem Supermarkt an der Kasse arbeitet, bekommt umgerechnet nur zwischen 550 und 930 Franken. Das Durchschnittsgehalt in Moskau liegt bei rund 1.900 Franken.
Süd-Nord-Gefälle in Deutschland
In Deutschland betrug der durchschnittliche Preis für einen Cappuccino 2025 nach Angaben von YouGov 3,14 Franken. 2021 waren es noch 2,24 Franken. Das Getränk kostete in Bayern und Baden-Württemberg mit 3,20 Franken etwas mehr als in den nördlichen Bundesländern mit 3,08 Franken. Die Datenbank Numbeo hat für einen mittleren Cappuccino in einem Restaurant in Deutschland einen Durchschnittspreis von 3,57 Franken ermittelt. Auf dem Kaffeemarkt ist derzeit viel Bewegung. Mehrere neue Ketten eröffneten Filialen in deutschen Grossstädten.