Können Menschen im Weltall Kinder bekommen?China schiesst erstmals menschliche Embryonen ins All – das steckt dahinter
Noemi Hüsser
2.6.2026
Ein Versorgungsraumschiff brachte im Mai küstliche Embryonen auf die chinesische Raumstation Tiangong.
IMAGO/Xinhua
Dauerhafte Siedlungen auf Mond oder Mars werfen eine zentrale Frage auf: Kann sich der Mensch im All fortpflanzen? Chinesische Forschende testen das nun mit embryoähnlichen Stammzellstrukturen.
Können Menschen sich im Weltall fortpflanzen? Diese Frage ist entscheidend für alle Pläne, künftig dauerhafte Siedlungen ausserhalb der Erde aufzubauen. Die Chinesische Akademie der Wissenschaften hat nun einen ersten Versuch gestartet: Sie schickte künstliche menschliche Embryonen auf die Raumstation Tiangong – als erste Nation überhaupt.
Am 11. Mai dockte ein Versorgungsraumschiff an der chinesischen Raumstation an und brachte eine besondere Ladung mit: Ansammlungen menschlicher Stammzellen, die sich wie ein Embryo verhalten sollten, ohne tatsächlich einer zu sein.
Embryonen können sich nicht zu Föten entwicklen
Bei den künstlichen Embryonen handelt es sich um Strukturen aus Stammzellen, die die Embryonalentwicklung der ersten Tage einer Schwangerschaft nachahmen. Anders als echte Embryonen können sie sich nicht weiter zu Föten entwickeln. Damit umgehen die Forscher*innen die ethisch heikle Frage, ob echte menschliche Embryonen für solche Experimente genutzt werden dürfen.
Ziel des Experiments ist es, zu verstehen, wie sich die Schwerelosigkeit im Weltraum auf die frühe menschliche Embryonalentwicklung auswirkt. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob die biologischen Voraussetzungen für künftige Mond- oder Mars-Siedlungen überhaupt gegeben sind.
Nach fünf Tagen auf der Station wurden die Proben eingefroren und Ende Mai zur Erde zurückgebracht. Nun werden sie mit Embryonen verglichen, die während derselben Zeit auf der Erde blieben – um zu sehen, ob und wie die Schwerelosigkeit die Entwicklung beeinflusst hat.
Spermien verlieren unter Schwerelosigkeit Orientierung
Die Frage nach der Fortpflanzung im All beschäftigt die Wissenschaft schon länger – mit gemischten Ergebnissen. 1994 gelang es der Nasa, japanische Reisfische an Bord eines Space Shuttles zur Paarung zu bringen. Andere Experimente mit Fruchtfliegen und Mäusen scheiterten jedoch an hoher Sterblichkeit und fehlgeschlagenen Schwangerschaften. 2014 sollten Geckos auf einem russischen Satelliten verpaart werden, doch die Tiere starben kurz vor der Landung auf der Erde.
Einen wichtigen Schritt weiter kam 2023 ein japanisches Forschungsteam: Auf der Internationalen Raumstation ISS züchteten Astronaut*innen erstmals Mäuse-Embryonen im All. Die Überlebensrate war zwar geringer als auf der Erde – doch die Embryonen, die es schafften, entwickelten sich normal. Wieder ernüchternde Ergebnisse zeigte eine australische Studie im März dieses Jahres: Demnach verlieren Spermien unter simulierter Schwerelosigkeit die Orientierung und verfehlen ihr Ziel.
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