Der lange Schatten von Europas Kolonialzeit

Philipp Dahm

5.12.2021

Barbados hat sich zwar von Grossbritannien losgesagt, doch der britischen Krone bleibt genug Land in Pazifik, das in der Kolonialzeit erworben wurde. Auch Frankreich besitzt noch erstaunlich viele Übersee-Territorien.

Philipp Dahm

5.12.2021

Theoretisch ist die Kolonialzeit lange vorbei, praktisch bestimmt sie auch heute noch die Geschicke riesiger Landstriche. Einerseits durch das willkürliche Ziehen von Grenzen, die historische Siedlungsgebiete und Ethnien voneinander trennen wie in Mali oder Syrien – und andererseits durch Territorien, die nie abgegeben worden sind. Bis heute.

Anders Barbados: Die Karibikinsel hat sich in dieser Woche von der britischen Krone losgesagt und ist nun eine Republik. Die Queen hat grossmütig auf den Abfall der Untertanen reagiert: «Die Zeit ist gekommen, unsere koloniale Vergangenheit voll und ganz hinter uns zu lassen», sagte Elizabeth II dazu.

Tatsächlich kann Grossbritannien den Verlust verkraften: Alleine in der Karibik kann London auf vier andere Inseln oder Inselgruppen zählen. Zusammen mit Besitzungen im Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean ergibt sich dadurch ein Netz britischer Überseegebiete, durch das das Land weltweit Macht projizieren kann.

Niederlande komplettiert Karibik-Trio

Ähnlich sieht es bei Frankreich aus: Zwei Inseln in der Karibik werden von Eilanden im Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean zu einer Kette von Zwischenstationen, durch die Paris in der Lage ist, bei einem Konflikt weltweit in kurzer Zeit einzugreifen. Auch in Süd- und selbst in Nordamerika ist die Republik präsent.

Die Niederlande komplettieren mit ihren Besitzungen den kolonialen Fussabdruck der Europäer in der Welt. Norwegen verwaltet zudem entsprechend dem Antarktis-Vertrag Gebiete ganz im Süden des Planeten, und Dänemark vertritt aussenpolitisch Grönland und die Färöer Inseln.

Auch Dänemark besass übrigens einst Inseln in der Karibik. Doch Kopenhagen verkaufte seinen Teil der Jungferninseln 1917 an die USA, die zusammen mit Australien die letzten Länder sind, denen solche Übersee-Territorien gehören. Neben Puerto Rico in der Karibik ist die Pazifikinsel Guam im Pazifik, eine wichtige US-Basis, von der aus Washington China in Schach halten will.

Territorien der Vereinigten Staaten von Amerika.
Bild: Commons/Svenskbygderna