Fördern Sucht und Konsum Deshalb vergleichen Forscher Guetzli und Chips mit Zigaretten

Oliver Kohlmaier

3.2.2026

Hochverarbeitete Lebensmittel sind laut einer neuen Studie vom Konzept her mit Zigaretten zu vergleichen.
Hochverarbeitete Lebensmittel sind laut einer neuen Studie vom Konzept her mit Zigaretten zu vergleichen.
IMAGO/Pond5 Images

Hochverarbeitete Lebensmittel fördern Sucht und Konsum. Deshalb sollten sie auch wie Tabak reguliert werden, fordern Wissenschaftler*innen in einer neuen Studie.

Redaktion blue News

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  • Hochverarbeitete Lebensmittel haben laut einer neuen Studie viel mit Zigaretten gemeinsam.
  • Die Produkte seien konzipiert, um Sucht und Konsum zu fördern.
  • Deshalb sollten hochverarbeitete Lebensmittel ähnlich reguliert werden wie Tabak, fordert das Forschungsteam.

Ungesund und süchtig machend: Hochverarbeitete Lebensmittel haben laut einer neuen Studie mehr mit Zigaretten gemeinsam als mit Obst oder Gemüse. Dies schreiben Forscher*innen in einem Paper in der Fachzeitschrift «Milbank Quarterly» und fordern eine weitaus strengere Regulierung für die sogenannten Ultra-processed foods (UPFs)

Demnach sind sowohl hochverarbeitete Lebensmittel, als auch Zigaretten so konzipiert, dass sie Sucht und Konsum fördern, erklärt das Team aus Forscher*innen von drei US-amerikanischen Universitäten. «Sie kapern Belohnungssysteme und erzeugen dabei Gefühle der Freude, die unmittelbar, intensiv und kurzlebig sind», schreiben die Autor*innen und weisen auf die Parallelen hinsichtlich der weit verbreiteten Gesundheitsschäden hin, die beide gemeinsam haben.

«Health Washing»

UPFs sind praktisch überall verfügbar. Dazu zählen etwa Guetzli, Chips und Soft Drinks. Sie werden industriell hergestellt und enthalten häufig Emulgatoren oder künstliche Farb- und Aromastoffe.

Die Autor*innen legen nahe, dass Marketingaussagen zu Produkten wie «fettarm» oder «zuckerfrei» eine Art «Health Washing» darstellen, die eine Regulierung verzögern könne. Dabei gebe es Parallelen zu Werbung für Zigarettenfilter in den 1950er Jahren. Diese wurden als schützende Innovation vermarktet, in der Praxis hatten sie jedoch «kaum einen nennenswerten Nutzen».

Forscher fordern Rechenschaftspflicht der Industrie

«Viele hochverarbeitete Lebensmittel weisen mehr Gemeinsamkeiten mit Zigaretten auf als mit minimal verarbeiteten Obst- oder Gemüsesorten und erfordern daher eine Regulierung, die den erheblichen Risiken für die öffentliche Gesundheit, die sie darstellen, angemessen ist», heisst es in der Studie.

Die Autoren schlagen deshalb vor, Lehren aus der Tabakregulierung zu ziehen und fordern Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Es brauche einen Übergang von der individuellen Verantwortung zur Rechenschaftspflicht der Lebensmittelindustrie.

An der Studie waren Forscher*innen der Harvard University, der University of Michigan sowie der Duke University beteiligt. Die Forschungsteams stützen sich bei ihren Vergleichen auf Daten aus den Bereichen Suchtforschung, Ernährungswissenschaft und der Geschichte des öffentlichen Gesundheitswesens. 


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