Die Krux mit den Privilegien für Covid-Genesene

uri

7.4.2021

Menschen geniessen das schoene Wetter auf der Landiwiese am Samstag, 18. April 2020, in Zuerich. (KEYSTONE/Alexandra Wey).
Menschen geniessen im Sommer 2020 das schöne Wetter auf der Landiwiese in Zürich:  Ein beträchtlicher Anteil der Schweizer Bevölkerung dürfte bereits eine Covid-Infektion durchgemacht haben. Ob daraus auch schon bald Privilegien resultieren können, ist eher unwahrscheinlich. 
Bild: Keystone

Auch eine Covid-Infektion bietet offenbar einen längeren Schutz vor einer Wiederansteckung. Laut dem BAG sollen auch diese Genesenen künftig ein Zertifikat für mögliche Lockerungen bekommen können. Das könnte allerdings noch etwas dauern.

uri

7.4.2021

Wenn der Schweizer Impfpass im Sommer kommen soll, dann könnte er gegen das Coronavirus geimpften Personen Erleichterungen bringen. Vermutlich erst mal nicht von Privilegien profitieren dürfte hingegen die grosse Gruppe der bereits von Covid-19 Genesenen. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, heisse es dazu vom Bundesamt für Gesundheit, das sei kompliziert.

Laut einer Antikörper-Studie von Genfer Forschenden vom Ende vergangenen Jahres könnten zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 1,5 Millionen Personen, beziehungsweise rund 17 Prozent der Schweizer Bevölkerung eine Covid-Infektion durchgemacht haben. In dieser Gruppe werden vor allem auch viele Junge vermutet, die keiner Risikogruppe angehören und deshalb wohl auch nicht so rasch geimpft werden. Zugleich seien das gerade auch diejenigen, die viel reisen und ausgehen wollten. «Es gäbe also eigentlich gute Gründe, sie wie Geimpfte zu behandeln», schreibt der «Tages-Anzeiger».



Auch haben inzwischen einige Studien den Nachweis erbracht, dass Menschen, die bereits an Covid-19 erkrankt waren, eine gute Immunität gegen das Virus entwickelt haben. So gehe das BAG laut dem «Tages-Anzeiger» momentan davon aus, dass von Covid Genesene mindestens ein Vierteljahr vor einer Reinfektion sicher sind. Ein Ende März von der europäischen Seuchenbehörde ECDC veröffentlichter Report rechnet nach einer Infektion sogar mit einem ein Schutz von 81 bis 100 Prozent für einen Zeitraum von fünf bis sieben Monaten.

Begrenzter Immunschutz für Genesene

Laut der für den Report herangezogenen britische SIREN-Studie mit mehr als 6'600 positiv getesteten Personen lag die Schutzwirkung einer Infektion durchschnittlich bei rund 83 Prozent, was im Bereich von einigen Impfstoffen liegt, auch wenn die Spitzenreiter hier auf 95 Prozent kommen.

Zuletzt zeigte eine Studie aus Dänemark, dass bereits an Covid Erkrankte zu 81 Prozent vor einer Reinfektion geschützt sind, wobei die Über-65-Jährigen lediglich auf einen Wert von 47 Prozent kamen, was daran liegen dürfte, dass das Immunsystem bei älteren Menschen nachlässt.

Allerdings gehen Immunologen davon aus, dass der Immunschutz nach einer Sars-CoV-2-Infektion mit der Zeit abbaut. «Nach einem Jahr werden sich vermutlich viele Menschen erneut anstecken können», sagte Daniel Speiser, Immunologe und Arzt an der Universität Lausanne dem «Tages-Anzeiger». Zweitinfektionen würden dann jedoch «meist mild oder asymptomatisch verlaufen» und den Immunschutz erneut boosten, so der Experte.

Wahrscheinlich werden Auffrischungsimpfungen nötig

Weiter rechnen die meisten Fachleute damit, dass Sars-CoV-2 wie andere saisonale Erkältungs-Coronaviren weiter zirkulieren wird und zu mehrmaligen, dann aber harmloseren Infektionen führen kann. Das dürfte indes auch Auswirkungen auf die Impfungen haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass hier regelmässige Auffrischungen, die an die neuesten Varianten angepasst werden müssen, erforderlich werden.

Christian Münz, Immunobiologe von der Uni Zürich, zeigte sich im Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger» indes überzeugt, dass die von Covid Genesenen – und wahrscheinlich auch die Geimpften selbst – beim Auftauchen von neuen Varianten vor schweren Krankheitsverläufen geschützt sein dürften. «Nach einer Infektion reagiert das Immunsystem nicht nur gegen das Spike-Protein des Virus, das in den Varianten mutiert ist», erklärte der Experte dazu.

Doch selbst wenn Geimpfte oder bereits Genesene womöglich ähnlich immun sein könnten und unter Umständen auch ein ähnliches Risiko für eine weitere Ausbreitung des Virus darstellen, dürfte für die Genesenen laut Münz vor allem ein Problem evident werden: Nämlich, einen Nachweis auf eine durchgemachte Infektion zu liefern.

Das Problem mit dem Nachweis der Infektion

So könnten einfache Antikörpertests eine Ansteckung lediglich nachweisen, wenn diese noch nicht lange zurückliege, so der Immunologe. Tests auf neutralisierende Antikörper seien hingegen auch über grössere Zeiträume zuverlässiger, wären dafür aber aufwendig und müssten an entsprechenden Zentren durchgeführt werden. Mit den gängigen PCR-Tests könne man Infektionen indes zwar recht zuverlässig nachweisen, doch auch hier gebe es bislang ein Problem. Viele hätten nämlich keinen schriftlichen Nachweis über ein positives Testresultat und das sei auch nicht fälschungssicher.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, was das BAG womöglich mit «kompliziert» meint: Es braucht offenbar noch weitere Erkenntnisse zum Schutz von Genesenen, gerade auch im Verhältnis zu den Geimpften. Darüber hinaus sind aber auch weitere technische und logistische Lösungen für einen Nachweis einer durchgestandenen Covid-Erkrankung nötig. Und bis der Schweizer Impfpass kommt, dürften diese Probleme noch nicht ausgeräumt sein.