Die Neuordnung der Welt durch die «grossen Drei»

Von Jordan Raza, dpa/uri

17.7.2020 - 18:08

Der britische Premierminister Winston Churchill, der amerikanische Präsident Harry S. Truman und der sowjetische Diktator Josef Stalin (von links nach rechts) reichen sich während der Postdamer Konferenz vor Schloss Cecilienhof die Hände.
Bild: dpa

In Potsdam kommen im Juli 1945 die drei mächtigsten Männer der Welt zusammen. Gastgeber Stalin macht schnell deutlich, wer hier das Sagen hat. Den Seitenhieb eines amerikanischen Soldaten muss er sich trotzdem gefallen lassen.

Elf Waggons, rund 900 Bodyguards, 1923 Kilometer Strecke und etwa 19'000 Soldaten entlang der Bahnschienen von Moskau bis Potsdam – mit viel Aufsehen und Stunden Verspätung erreicht der gepanzerte Sonderzug von Josef Stalin im Juli 1945 Potsdam. «Ich denke, die Verspätung war ein psychologischer Trick Stalins, um seine Machtposition zu demonstrieren», sagt der Potsdamer Historiker Manfred Görtemaker.

Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 ist das Potsdamer Schloss Cecilienhof Zentrum der Weltpolitik. Im Kampf gegen den nationalsozialistischen Diktator Adolf Hitler waren Stalin, US-Präsident Harry S. Truman und der britische Premierminister Winston Churchill Verbündete. Nun wollen sie gemeinsam den Frieden gestalten.



Deutliche Symbolik

Truman ist zu diesem Zeitpunkt erst wenige Monate als US-Präsident im Amt. Churchill erleidet noch während des Treffens eine Wahlniederlage und wird durch Clement Attlee ersetzt. «Stalin hingegen war der starke Mann. Die Konstante», erklärt der emeritierte Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam. Der sowjetische Machthaber habe sich seinen Kollegen daher weitaus überlegen gefühlt.

Das kreisrunde Beet mit dem «Roten Stern» aus Geranien sollte im Innenhof des Schlosses unmissverständlich klarmachen, wer der Gastgeber der Konferenz zur Nachkriegsordnung war. Ursprünglich sei eine Berliner Konferenz geplant gewesen, «aber in der zerstörten Reichshauptstadt waren weder Unterkünfte noch Konferenzräume vorhanden», erklärt die Bundeszentrale für politische Bildung auf ihrer Internetseite.

Während Stalin seine Freizeit vor allem in einer Villa am Griebnitzsee verbrachte, unternahm Churchill laut Görtemaker gern Ausflüge ins zerstörte Berlin. Truman spielte im «Little White House» in Babelsberg, seiner Residenz, ab und an Töne am Klavier.

Eröffnungssitzung der Potsdamer Konferenz in Potsdam, Deutschland, 17. Juli 1945: Präsident Harry S. Truman sitzt im Vordergrund (Rücken zur Kamera), der sowjetische Premierminister Josef Stalin (rechts), der britische Premierminister Winston Churchill (links), Aussenminister James Byrnes rechts von Präsident Truman, US-Admiral William Leahy zwei Plätze rechts von Präsident Truman, der britische Aussenminister Anthony Eden links von Winston Churchill, der sowjetische Aussenminister Wjatscheslaw Molotow links von Premierminister Stalin.
Bild: US National Archives and Records Administration (NARA)/dpa

«Bleiben die Jungs zum Abendessen?»

Auch Stalin habe beim US-Präsidenten eines Nachmittags ein Privatkonzert erlebt, berichtet Görtemaker. «Bleiben die Jungs zum Abendessen?», soll ein amerikanischer Soldat da plötzlich gefragt und auf den sowjetischen Machthaber und seine Männer gezeigt haben. «Diese Respektlosigkeit gegenüber einem blutrünstigen Diktator wie Stalin war schon bemerkenswert», sagt der Historiker rückblickend.

Im Gegensatz zu den vorherigen Konferenzen in Teheran 1943 und 1945 in Jalta berieten «die grossen Drei» in Potsdam nicht über die Teilung Deutschlands. Sie war laut der Bundeszentrale für politische Bildung erst die Folge des Kalten Krieges. Die Ergebnisse der Potsdamer Konferenz, niedergeschrieben im «Potsdamer Abkommen», seien andere gewesen: Die Festlegung der polnischen Westgrenze, das Offenhalten der deutschen Frage sowie die Resolution, dass Deutschland als wirtschaftliche Einheit erhalten bleiben müsse.

Für Görtemaker sind diese Entscheidungen Grundlage für die deutsche Wiedervereinigung Jahrzehnte später. Vor allem der Beschluss, das Land als wirtschaftliche Einheit zu sehen, sei zentral gewesen. «Die Wiedervereinigung wäre nicht möglich gewesen, wenn man sich in Potsdam anders entschieden hätte», sagt der Wissenschaftler.


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