Diese «Raumstation» unter Wasser soll die Weltmeere erforschen

tsha

26.7.2020 - 18:00

Dukas

Eine Forschungseinrichtung wie die «ISS», nur unter Wasser: Ausgedacht hat sich dieses visionäre Projekt der Sohn eines legendären Meeresbiologen.

Der Weltraum – unendliche Weiten? Mag sein. Aber fast ebenso unendlich und vor allem unerforscht ist ein Gebiet, das vor unserer Haustüre liegt: das Meer. Die Erschliessung der Ozeane, glaubt der Forscher Fabien Cousteau, Sohn des legendären Jacques Cousteau, sei «tausendmal wichtiger» für das Überleben der Menschheit als die Erforschung des Weltalls.

Mit einer visionären Idee will Cousteau die Meeresforschung nun voranbringen. Wie CNN berichtet, plant der 52-Jährige zusammen mit dem Industriedesigner Yves Béhar eine Forschungsstation unterhalb der Meeresoberfläche, eine Art «ISS» unter den Wellen. Es wäre die grösste Einrichtung ihrer Art.

Das zweistöckige Gebäude soll fest am Meeresboden verankert werden, in einer Tiefe von etwa 18 Metern vor der Küste der Karibikinsel Curaçao. Die Forschungsstation soll mehrere Labors beherbergen, ausserdem Aufenthalts- und Schlafräume für die Forscher sowie eine Medizinstation und einen Zugang zum offenen Meer.

«Der Grund dafür, dass wir überhaupt existieren»

Laut den Plänen von Cousteau und Béhar wäre die Forschungsstation, die auf den Namen «Proteus» hört, teilweise autark. Die Stromversorgung soll mittels Wind- und Solarenergie gesichert werden, Nahrungsmittel sollen in kleinen Mengen in Gewächshäusern an Bord gezüchtet werden. Mehr als 1'200 Quadratmeter Nutz- und Wohnfläche könnte «Proteus» eines Tages haben.



Das Meer, so Cousteau gegenüber CNN, sei unsere «Lebensader. Es ist der Grund dafür, dass wir überhaupt existieren.» Allerdings ist dieser Lebensraum auch heute noch weitgehend unerforscht. Nur rund fünf Prozent der Weltmeere sind genauer untersucht, erst rund 20 Prozent exakt kartografiert.

Die Forschungsstation «Proteus» soll Wissenschaftlern aus aller Welt Platz bieten.
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«Proteus» soll das ändern. Internationale Forscher, so die Vision von Cousteau und Béhar, könnten sich mehrere Tage oder gar Wochen an Bord der Forschungseinrichtung aufhalten, ohne zwischendurch an die Meeresoberfläche zu müssen. Drei Jahre soll es dauern, bis «Proteus» einsatzbereit ist, glauben die beiden Männer hinter dem kühnen Projekt.

Ersatz für «Aquarius»

Die Hightech-Station würde, so sie denn tatsächlich eines Tages gebaut wird, die bislang einzige Forschungseinrichtung unter Wasser ersetzen oder zumindest ergänzen: Seit 1986 befindet sich «Aquarius» vor der Küste der Florida Keys – eine in die Jahre gekommene Einrichtung, die etwa nur ein Zehntel der geplanten Grösse von «Proteus» besitzt.

«Proteus» soll über private Sponsoren finanziert werden. Regierungsbehörden, Privatunternehmen und Forschungseinrichtung sollen die Station eines Tages nutzen können. Ausserdem sollen Livestreams von der täglichen Arbeit an Bord des Unterwasserlabors berichten. «Unsere Mission», so Cousteau, «ist es, komplexe Wissenschaft in etwas zu übersetzen, das der normale Bürger nicht nur vielleicht versteht, sondern in das er sich auch verliebt.»

Könnte bald ausgedient haben: die Forschungsstation «Aquarius» vor der Küste Floridas.
Bild: Keystone
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