Extreme Winter und Dürren drohen Atlantikströmung könnte früher kollabieren – mit fatalen Folgen für Europa

Noemi Hüsser

16.4.2026

Die Atlantikströmung Amoc bringt warmes Wasser aus den Tropen nach Europa.
Die Atlantikströmung Amoc bringt warmes Wasser aus den Tropen nach Europa.
IMAGO/Zoonar

Extreme Winter in Westeuropa und Dürren im Sommer: Das Atlantik-Strömungssystem, das Europa mit Wärme versorgt, gerät laut einer Studie schneller aus dem Gleichgewicht als bisher angenommen. Forscher*innen warnen vor gravierenden Folgen.

Noemi Hüsser

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eine neue Studie in «Science Advances» kommt zum Schluss, dass sich die Atlantikströmung bis 2100 um 42 bis 58 Prozent abschwächen könnte.
  • Die Forscher*innen kombinierten erstmals Ozean-Beobachtungsdaten mit Klimamodellen und halten ausgerechnet die pessimistischsten Modelle für die realistischsten.
  • Ein Kollaps hätte gravierende Folgen, etwa extremere Winter in Westeuropa, Sommerdürre, verschobene Regenzonen in den Tropen und zusätzlichen Meeresspiegelanstieg.

Das Atlantik-Strömungssystem (Amoc), das warmes Wasser aus den Tropen nach Europa bringt, könnte deutlich früher kollabieren als bisher angenommen. Wissenschaftler sprechen in einer neuen Studie, die im Fachmagazin «Science Advances» erschienen ist, von einer «sehr besorgniserregenden» Entwicklung.

Die Studie kombiniert erstmals Beobachtungsdaten aus dem Ozean mit Klimamodellen. Das Ergebnis: Ausgerechnet die pessimistischsten Modelle liefern die realistischsten Prognosen. Demnach dürfte sich die Strömung bis 2100 um 42 bis 58 Prozent abschwächen – ein Niveau, das laut Studie sehr wahrscheinlich in einen Kollaps mündet. Bisherige Modelle rechneten mit einer Abnahme von nur 32 Prozent.

Gerät das System aus dem Gleichgewicht, drohen massive Folgen: extreme Winter in Westeuropa, Dürren im Sommer, verschobene Regenzonen in den Tropen und ein zusätzlicher Meeresspiegelanstieg von bis zu einem Meter. Denn die Strömung verteilt Wärme und beeinflusst Wetter- und Niederschlagsmuster weltweit.

Künftiger CO2-Ausstoss spielt nur geringe Rolle

Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institute for Climate Impact Research sagte gegenüber dem «Guardian»: «Ich mache mir zunehmend Sorgen, dass wir diesen Kipppunkt, an dem ein Zusammenbruch der Amoc unvermeidlich wird, bereits Mitte dieses Jahrhunderts erreichen könnten – und das ist schon ziemlich bald.»

Grund für die Abschwächung ist die Erderwärmung, besonders in der Arktis. Wärmeres, weniger dichtes Wasser sinkt langsamer ab – dadurch wird auch weniger warmes Wasser aus den Tropen nachgezogen. Ein sich selbst verstärkender Prozess.

Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs könnte laut Studie inzwischen bei über 50 Prozent liegen. Selbst der künftige CO₂-Ausstoss spielt dabei eine geringere Rolle als gedacht – nur bei sehr ambitioniertem Klimaschutz könnte die Strömung stabil bleiben.


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