Extreme Dürre am Panama-Kanal veranschaulicht Klimawandel-Sorgen

Juan Zamorano und Arnulfo Franco, AP

1.5.2019 - 13:54

Touristen sehen dabei zu, wie ein Frachtschiff durch die Schleusen von Agua Clara fährt. Der Kanal fördert kurzfristige Dürremassnahmen wie die Aussetzung der Stromerzeugung aus Wasserkraft am Gatún-See sowie das Wasserrecycling über Wannen in den neuen Schleusen, die den Wasserverbrauch um 60 Prozent senken.
Bild: AP Photo/Arnulfo Franco

Unter der ausgeprägten Trockenheit leiden nicht nur Kanalbetreiber und Schiffseigner, sondern auch indigene Bewohner der Region. Mittelfristig könnte gar die Trinkwasserversorgung der Hauptstadt beeinträchtigt sein: Auch in Panama wächst die Sorge vor dem Klimawandel.

Eine starke Dürre hat den Wasserspiegel des Gatún-Sees in Panama drastisch absinken lassen. Die für den Panama-Kanal zuständige Behörde musste deshalb in dieser Woche den Tiefgang der Schiffe begrenzen, die die vor wenigen Jahren ausgebauten Schleusen des Wasserwegs zwischen Atlantik und Pazifik passieren.

Das bedeutet für grosse Schiffe – überwiegend aus den USA und China –, dass sie weniger Fracht transportieren können und damit weniger Gewinn machen. Die trockenste Periode seit Menschengedenken im Einzugsgebiet des Kanals trifft auch Dörfer von Indigenen entlang der Zuflüsse des Kanals. Sie sind auf den Tourismus angewiesen.

Einbussen für Kanalbetreiber

Die Einbussen für die Kanalbetreiber dürften mit schätzungsweise 15 Millionen Dollar (13 Millionen Euro) zwar eher gering sein – 2018 lagen die Einnahmen bei insgesamt 2,5 Milliarden Dollar. Doch die Dürre und die sich daraus ergebenden Beschränkungen werfen ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten Panamas, den gestiegenen Bedarf an Süsswasser für den Kanal, die Bewässerung von Feldern und die Trinkwasserversorgung der Hauptstadt sicherzustellen. Denn wegen des Klimawandels drohen weitere Wetterextreme.

Die aktuelle Dürre wird auf das wiederkehrende Wetterphänomen El Niño zurückgeführt. Es sorgt mit warmen Wassertemperaturen im Pazifik für ungewöhnliche Trockenheit in einigen Gebieten und hohe Niederschläge in anderen. «Dieses Jahr glaube ich nicht, dass es Probleme mit dem Trinkwasser geben wird – wegen der Ressourcen, die wir haben», sagt Steve Paton, Leiter des Programms zur langfristigen Klimabeobachtung am Tropischen Forschungsinstitut Smithsonian. Damit meint er die Niederschläge, die sich in der vergangenen Regenzeit ansammelten.

Die weitere Entwicklung lasse sich schwer vorhersagen, erklärt Paton. «Aber wir beobachten, dass die Klimaereignisse in der Gegend des Kanals zunehmend extrem werden. Die grössten Dürren und die acht oder neun stärksten Stürme sind in den vergangenen 20 Jahren aufgetreten, so wie 2014 bis 2016 die trockensten Jahre in der Geschichte des Kanals waren.»

«Trockenste Trockenzeit»

Carlos Varga, Vizepräsident für Umwelt und Wasser der Kanalbehörde, sagte kürzlich, der Pegel des Gatúns – eines der weltweit grössten künstlichen Seen mit einer Fläche von 436 Quadratkilometern – liege 1,4 Meter unter dem für die Jahreszeit üblichen Stand. Seit Anfang April fiel er um rund 20 Zentimeter. Der kleinere See Alajuela, der den Kanal ebenfalls speist, liege 2,2 Meter unter dem Normalwert. «Diese niedrigen Pegel im Panama-Kanal sind das Ergebnis von vier oder fünf Monaten mit fast null Niederschlägen», sagt Vargas. «Es war wirklich die trockenste Trockenzeit in der Geschichte des Kanals. Der Zufluss von Flüssen zum Kanal ist um 60 Prozent geringer.»

Die Kanalbehörde musste deshalb ihre Kunden Anfang April darüber informieren, dass der maximale Tiefgang von 44 Fuss (13,41 Metern) für Neopanamax-Schiffe ab Ende des Monats um einen Fuss geringer sein werde. Es ist bereits die vierte Verringerung in der aktuellen Trockenzeit, die von Januar bis April reicht. Bei optimalem Wasserstand liegt der maximale Tiefgang bei etwa 50 Fuss.


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Die Beschränkungen betreffen nur die Schleusen Cocoli und Agua Clara, entstanden im Rahmen des 2016 in Betrieb genommenen, milliardenschweren Ausbauprojekts, das den grösseren Neopanamax-Schiffen die Passage ermöglicht. Im Durchschnitt durchfahren täglich siebeneinhalb Schiffe diese Schleusen, zuweilen auch bis zu zwölf. Die Gebühren werden nach Transportvermögen und einem Prozentsatz der geladenen Fracht berechnet, leichtere Schiffe bedeuten also weniger Einnahmen.

Immer wieder extreme Wetterereignisse

Schon in der Vergangenheit musste die Kanalbehörde extreme Wetterereignisse verkraften. Eine ebenfalls mit El Niño in Verbindung gebrachte heftige Trockenzeit 2015 und 2016 beeinträchtigte die Frachtpassage in den alten Schleusen und kostete 40 Millionen Dollar Einnahmen.

Der Kanal und die meisten Einwohner des mittelamerikanischen Landes sind auf den Regen angewiesen, der über einer Wasserscheide von mehr als 3000 Quadratkilometern Fläche mit Wäldern, Flüssen und Seen fällt. Von dort kommen 95 Prozent des in Panama-Stadt und Colón verbrauchten Wassers. In den beiden Metropolregionen lebt fast die Hälfte der gut vier Millionen Bewohner Panamas.

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Eigentlich ist Panama gut mit Wasser versorgt: Es zählt zu den tropischen Ländern mit der höchsten jährlichen Niederschlagsmenge. 2018 gehörte zu den Jahren mit dem meisten Regen im Einzugsgebiet des Kanals seit Beginn der Aufzeichnungen, was die Folgen der aktuellen Dürre laut Experten etwas abmildert. Der Pegel der Seen Gatún und Alajuela liege nun zwar unter dem Optimum, «aber auf der anderen Seite könnte es noch viel schlimmer sein», sagt Klimabeobachter Paton.

Die Kanalbehörde steuert mit kurzfristigen Massnahmen gegen. So wird die Stromerzeugung durch Wasserkraft am Gatún ausgesetzt, und in den neuen Schleusen wird der Wasserverbrauch durch Wiederverwendung um 60 Prozent gesenkt. Dadurch würden die Folgen abgefedert, sagt Vargas. Mittelfristig würden die Wiederaufforstungsprogramme in der Region fortgesetzt, durch die bereits mehr als 7000 Hektar neu bepflanzt wurden. Benötigt würden ausserdem weitere Wasserreserven, um für die Folgen extremer Wetterereignisse gewappnet zu sein, erklärt die Behörde.

Indigene Bevölkerung spürt Folgen der Trockenheit

Die Wasserversorgung der Bevölkerung wurde durch die Dürre bislang nicht beeinträchtigt, doch kleine indigene Gemeinschaften entlang der Zuflüsse zum Gatún bekommen die Folgen der Trockenheit zu spüren. Touristen kämen täglich ins Dorf und kauften Kunsthandwerk, sagt Telvinia Tascón, eine Künstlerin in San Antonio Wounaan.

In letzter Zeit hätten die Boote mit Aussenbordmotor aber wegen des niedrigen Wasserstands Schwierigkeiten, die Kanäle zu befahren und sich den Anlegestellen zu nähern. «Das ist die heftigste Dürre, an die wir uns erinnern können», sagt Tascón. «Das ist uns noch nie passiert.» Entspannung könnte für sie und die Kanalbetreiber ab Ende Mai oder Mitte Juni in Sicht sein, wenn die heftigen Niederschläge der Regenzeit die Seen füllen dürften.

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