Forscher warnenWegen Senioren können Flugzeuge nicht schnell genug evakuiert werden
SDA
1.4.2026 - 10:46
Die Wissenschaftler um Chenyang Zhang von der kanadischen Universität Calgary hatten die Räumung eines Airbus A320 untersucht, also eines der weltweit am häufigsten eingesetzten Flugzeugtypen. (Symbolbild)
Keystone
Die Evakuierung von Menschen aus einem Flugzeug soll maximal 90 Sekunden dauern. Doch der steigende Anteil älterer Passagiere erschwert dieses Ziel. Forscher haben nun Lösungsvorschläge.
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Keystone-SDA, Redaktion blue News
01.04.2026, 10:46
SDA
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Eine Studie zeigt, dass Flugzeug-Evakuierungen mit steigendem Anteil älterer Passagiere deutlich länger dauern und die vorgeschriebenen 90 Sekunden meist nicht eingehalten werden.
In Simulationen eines Airbus A320 wurden selbst unter günstigen Bedingungen mindestens 141 Sekunden benötigt, bei hohem Seniorenanteil sogar über 200 Sekunden.
Ursachen sind geringere Mobilität und kognitive Einschränkungen im Alter, weshalb Forschende Anpassungen wie Sitzplatzverteilung, Kabinendesign und spezielle Sicherheitseinweisungen empfehlen.
Die Alterung der Gesellschaft hat auch Auswirkungen auf die Rettung von Menschen aus Flugzeugen. Die Dauer von Evakuierungen aus Flugzeugen steige mit dem Alter der Fluggäste, schreibt ein internationales Forschungsteam in der Fachzeitschrift «AIP Advances». Demnach sind die international vorgegebenen Evakuierungszeiten bei einem hohen Anteil älterer Passagiere zurzeit kaum einzuhalten.
Gemäss der US-Luftfahrtbehörde FAA muss ein Flugzeug im Notfall innerhalb von 90 Sekunden vollständig geräumt sein. Daran orientiert sich auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA). Die aktuelle Studie zeigt jedoch, dass dieses Ziel unter realistischen Bedingungen mit Senioren an Bord in keinem von 27 simulierten Szenarien erreicht wurde. Selbst im günstigsten Fall benötigten die Passagiere -141 Sekunden, um ein Flugzeug zu verlassen und den Boden zu erreichen also fast eine Minute länger als die behördliche Vorgabe.
Die Wissenschaftler um Chenyang Zhang von der kanadischen Universität Calgary hatten die Räumung eines Airbus A320 untersucht, also eines der weltweit am häufigsten eingesetzten Flugzeugtypen. Als Grundlage diente ein Szenario mit einem Brand beider Triebwerke. In einem solchen Fall sind die Notausstiege direkt über den Tragflächen unpassierbar, sodass lediglich die vier Ausgänge im vorderen und hinteren Bereich der Kabine zur Verfügung stehen.
Anteil an Senioren entscheidend für Dauer der Evakuierung
Für die Studie nutzten die Forscher computergestützte Modelle und eine branchenübliche Simulationssoftware, um das menschliche Bewegungsverhalten in der engen Kabine abzubilden. Dabei wurden drei verschiedene Kabinen-Layouts mit drei unterschiedlichen Anteilen von Passagieren über 60 Jahren kombiniert. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sowohl der prozentuale Anteil der Senioren als auch deren genaue Sitzverteilung die Rettungsdauer deutlich beeinflussen.
Die Verzögerungen erklären sich der Studie zufolge aus den körperlichen und geistigen Besonderheiten älterer Menschen. In den Simulationen wurde für Senioren eine deutlich geringere Gehgeschwindigkeit angesetzt. Zudem könnten kognitive Beeinträchtigungen im Alter das Situationsbewusstsein schmälern und die Entscheidungsfindung in Stresssituationen verlangsamen. Auch eine nachlassende Feinmotorik kann demnach das Verlassen der Sitze erschweren.
Empfehlungen für die Luftfahrtindustrie
Die längste Evakuierungszeit wurde mit 218,5 Sekunden in einer dicht bestuhlten Kabine mit 80 Prozent älteren Passagieren gemessen. Um die genannten Risiken zu minimieren, schlagen die Autoren verschiedene Massnahmen vor: So könnten Fluggesellschaften ältere Passagiere gezielt in der Nähe der Ausgänge platzieren oder die Kabinenarchitektur durch breitere Gänge und optimierte Haltemöglichkeiten anpassen. Zudem könnten spezielle Sicherheitseinweisungen für Senioren helfen, die Reaktionszeit im Ernstfall zu verkürzen.
Die Forschenden räumen ein, dass auch Kinder, Kleinkinder und schwangere Frauen die Evakuierungszeit verlängern könnten. Das wollen sie künftig gezielt untersuchen.
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