Das musst du zur Booster-Impfung wissen

Von Lukas Meyer und Uz Rieger

16.11.2021

Bund empfiehlt Booster-Impfung nur für Personen ab 65 Jahren

Bund empfiehlt Booster-Impfung nur für Personen ab 65 Jahren

Nach der Zulassung der Booster-Impfungen gegen Covid-19 durch das Heilmittelinstitut Swissmedic empfiehlt der Bund solche Auffrischimpfungen nur Personen über 65 Jahren. Für die breite Bevölkerung sei eine dritte Impfung derzeit nicht zugelassen und nicht empfohlen.

26.10.2021

Ältere und bereits länger geimpfte Schweizer*innen können ihren Schutz auffrischen lassen. Was der Booster-Shot bringen soll und warum unter 65-Jährige noch warten müssen – Antworten auf die wichtigsten Fragen. 

Von Lukas Meyer und Uz Rieger

16.11.2021

Seit November wird in der Schweiz geboostert: Offiziell erst seit Anfang dieser Woche können ältere Personen mit einer dritten Dosis ihren Infektionsschutz auffrischen lassen. Am Dienstag hat Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, verkündet, dass in einigen Wochen auch die Jüngeren zum Zug kommen. Doch was bringt der dritte Piks? Und warum will der Bund nicht gleich allen die Booster-Impfung empfehlen? Die wichtigsten Fragen und Antworten, bevor es auch für dich ernst gilt.

Was ist eine Auffrischimpfung überhaupt?

Bei der Auffrischimpfung handelt es sich um eine weitere Impfdosis, die gespritzt wird, nachdem die ursprünglich empfohlene Dosierung eines Covid-Vakzins bereits verabreicht worden ist. Bei den meisten Corona-Impfstoffen ist der Booster folglich eine dritte Impfdosis, beim Impfstoff von Johnson & Johnson eine zweite Dosis.

Wozu braucht es die Auffrischung?

Die Auffrischimpfung wird verabreicht, um bei bereits geimpften Personen das immunologische Gedächtnis wieder aufzufrischen und so schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Denn: Auch bei doppelt Geimpften gibt es immer mehr Impfdurchbrüche.

«Neueste Studiendaten weisen darauf hin, dass eine zusätzliche Dosis die Fähigkeit zur Bildung von Antikörpern gegen das Coronavirus erhöhen kann, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem», schreibt Swissmedic.

Mit der Booster-Impfung könnten bis zu 20'000 Hospitalisierungen vermieden werden, sagte Taskforce-Präsidentin Tanja Stadler dazu an einer Medienkonferenz Ende Oktober.

Ein Blick nach Israel lässt zudem auf einen positiven Effekt hoffen: Seit Ende Juli haben dort bereits mehr als vier Millionen von insgesamt 9,4 Millionen Israelis eine Booster-Impfung erhalten. Das hat einen positiven Effekt auf die Inzidenzen: Seit zwei Monaten sinkt die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder deutlich. Momentan liegen sie unter 500 – Anfang September waren es noch mehr als 11'000. 

Wer kann sich impfen lassen?

Zugelassen hat Swissmedic die dritte Impfung Ende Oktober für alle ab 12 Jahren, empfohlen ist sie zurzeit jedoch erst für 65-Jährige und Ältere sowie Personen mit Vorerkrankungen.

Doch dies soll sich in wenigen Wochen ändern, wie Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen an der Medienkonferenz ankündigte. Sobald alle über 65-Jährigen, die die Impfung wünschen, zum dritten Mal geimpft seien, soll diese auch für Jüngere zugänglich werden. 

Warum müssen die Jüngeren noch abwarten?

Bei den über 65-Jährigen stehe der direkte Impfschutz im Vordergrund, erklärt Berger die Priorisierung. Die Booster-Impfung sei entscheidend, um die älteren Personen vor schweren Infektionen und so auch Hospitalisierungen zu schützen. Bei Jüngeren drohe hingegen mit abnehmendem Impfschutz höchstens eine milde Infektion. 

Auch in der Schweiz werden seit November Auffrischimpfungen im grösseren Rahmen möglich. (Symbolbild) 
Bild: Getty Images

Welche Impfstoffe kommen für die Booster-Impfung zum Einsatz?

Obwohl in der Schweiz bislang drei Impfstoffe zugelassen sind, werden für Auffrischimpfungen nur die beiden mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer zum Einsatz kommen.

Wie steht es um die Dosierung?

Beim mRNA-Impfstoff von Moderna soll für die Auffrischung eine halbe Dosis gespritzt werden, bei Pfizer/Biontech eine ganze Dosis. Swissmedic hat die Arzneimittelinformationen entsprechend angepasst.

Ist das Vakzin auf Varianten angepasst?

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die für die Auffrischung vorgesehenen Impfstoffe identisch mit den bislang verabreichten. Eine Anpassung an die Delta-Variante, die in der Schweiz vorherrschend ist, ist laut des deutschen Immunologen Carsten Waltz im Gespräch mit  Wissenschaftsjournalist Marc Raschke nicht notwendig. Studien hätten gezeigt, dass sich die Antikörper fünf- bis zehnfach durch die Booster-Impfung vermehren. Dies reiche auch zur Abwehr der Delta-Variante aus.

Es kann aber gut sein, dass die Impfstoffe künftig – ähnlich den Grippeimpfstoffen – an veränderte Virenvarianten angepasst werden.

Wann soll die Auffrischung erfolgen?

Eine dritte Dosis kann Personen mit geschwächtem Immunsystem nach mindestens 28 Tagen verabreicht werden. Bei älteren Menschen oder Risikopatient*innen ist eine dritte Impfung laut Swissmedic mindestens sechs Monate nach der zweiten Dosis angezeigt.

Soll ich zuvor noch einen Antikörper-Test machen?

Der Hintergedanke erscheint sinnvoll: Wissen, wie hoch der durch die bisherigen Corona-Schutzimpfungen aufgebaute Immunschutz ist. Und so abschätzen können, ob die Auffrischungsimpfung notwendig oder noch verzichtbar ist.

Das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) hat indes eine klare Botschaft: Es sei nicht empfohlen, vor der Auffrischungsimpfung einen Antikörpertest zu machen, um zu prüfen, ob weiterhin Schutz vor Covid-19 bestehe. Ein Grund dafür sei, dass man noch gar nicht genau wisse, ab welchem Antikörperwert man von einem ausreichenden Schutz ausgehen kann.



Muss es sich um denselben Impfstoff handeln?

Zu dieser Frage haben die Schweizer Behörden bislang keine Angaben gemacht. Allerdings scheint es nach den Erfahrungen aus anderen Ländern – etwa den USA – keinen zwingenden Grund für die Ablehnung einer sogenannten Kreuzimpfung zu geben.

Die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control CDC etwa erlaubt ausdrücklich die Gabe einer weiteren Dosis eines mRNA-Impfstoffs, nach der Einmalimpfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson, um eine bessere Immunisierung zu erreichen. Ebenfalls dürfen laut der Behörde alle Personen über 65 Jahren, die bereits mit Moderna oder Biontech/Pfizer geimpft wurden, jeden anderen in den USA zugelassenen Impfstoff als Booster verabreicht bekommen.

Ist der Impfschutz dann hundertprozentig?

Auch mit einer Auffrischungsimpfung kann kein hundertprozentiger Impfschutz erreicht werden, sondern maximal ein Schutz von über 90 Prozent.

Kann man den Corona-Booster mit einer Grippeimpfung kombinieren?

Wie die Experten des Bundes auf ihrer Medienkonferenz am 9. November erklärten, lässt sich Grippe- und Coronaimpfung problemlos kombinieren. Josef Widler, Hausarzt und Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich, sagte dem SRF: «Wir verimpfen beides, wenn das die Leute wollen». Demnach hätten sich auch mehr als die Hälfte jener, die für die Booster-Impfung bei ihm vorbeikämen, auch gleich für eine Grippeschutzimpfung angemeldet.

Was passiert mit dem Covid-Zertifikat?

Die Gültigkeit des Covid-Zertifikats wird durch eine Booster-Impfung verlängert. Dies sagte Christoph Berger von der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, in der SRF-Sendung «10 vor 10» . Nach einer Booster-Impfung gelte das Zertifikat für weitere 365 Tage, so Berger.

Wo kann man sich impfen lassen?

Die Verabreichung der Booster-Impfungen wird kantonal organisiert. Die Impfung wird meist in den Impfzentren, aber auch in Apotheken oder beim Hausarzt angeboten. Hier findest du die Übersicht, wo du dich in deinem Kanton für die Impfung anmelden kannst.



Welcher Effekt wird erwartet? 

Nach Schätzung der wissenschaftlichen Taskforce des Bundes könnten die Auffrischimpfungen allein bei den über 65-Jährigen rund 10'000 bis 20'000 Hospitalisierungen in der Schweiz verhindern. 

Könnte sie auch die vierte Welle brechen?

Leider nein, das bezweifeln die Experten. So sagte der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen zu «20 Minuten»: «Der Einsatz des Boosters kann – und dies muss klar gesagt werden – den jetzigen raschen Anstieg der Fallzahlen nicht ausreichend bremsen.» Vor diesem Hintergrund warnt auch Taskforce-Chefin Tanja Stadler vor einer erneuten Überlastung der Spitäler. «Der Winter wird auf jeden Fall schwierig», sagte die ETH-Biostatistikerin der «SonntagsZeitung». 

Die Booster-Impfung sei nur ein Faktor unter vielen, auch die Politik müsse sich «ernsthaft Gedanken über ein neues Massnahmenpaket» machen, sie stellt sich dabei eine Kombination der bereits bekannten Massnahmen vor.

Mit Material der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, Teile dieses Artikels sind bereits am 26. Oktober erschienen.

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