Viral, spektakulär – und höchst umstritten Gibt es eine zweite Sphinx? Warum ein Satelliten-Experte plötzlich viral geht

Christian Thumshirn

18.4.2026

Seit rund 4500 Jahren bewacht die Grosse Sphinx das Pyramidenplateau von Gizeh. Geht es nach dem italienischen Satellitendaten-Experten Filippo Biondi, war sie jedoch nie allein.
Seit rund 4500 Jahren bewacht die Grosse Sphinx das Pyramidenplateau von Gizeh. Geht es nach dem italienischen Satellitendaten-Experten Filippo Biondi, war sie jedoch nie allein.
IMAGO / Everett Collection

Die These ist brisant: Gibt es eine zweite Sphinx in Gizeh in Ägypten? Was derzeit in den sozialen Medien für Furore sorgt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als gewagte Interpretation – mit dünner Faktenbasis.

Christian Thumshirn

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eine virale Podcast-Story sorgt weltweit für Aufsehen: Satellitenexperte Filippo Biondi behauptet, im ägyptischen Gizeh gebe es Hinweise auf eine zweite Sphinx – verborgen unter der Erde.
  • Die Grundlage der These sind Radar- und Satellitendaten, die angeblich tief in den Untergrund blicken lassen – doch genau hier beginnen die Zweifel der Fachwelt.
  • Als zusätzlicher «Beleg» dient eine jahrtausendealte Stele, deren Darstellung plötzlich ganz neu gedeutet wird – entgegen der gängigen wissenschaftlichen Lesart.
  • Archäolog*innen widersprechen klar: Weder die Daten noch die Lage passen ins bekannte System von Gizeh – aus einer Entdeckung wird vor allem eine umstrittene Interpretation.

Eine zweite Grosse Sphinx in Gizeh in Ägypten? – Eine Behauptung, die in einem der weltweit reichweitenstärksten Podcasts plötzlich erstaunlich plausibel wirkt.

Dramatische Musik setzt ein.

Mit ruhiger, fast feierlicher Stimme kündigt Matt Beall in seinem Podcast «Matt Beall Limitless» eine sensationelle Enthüllung an.

Der US-Unternehmer, CEO einer grossen Einzelhandelskette, hat sich mit dem Format eine enorme Bühne geschaffen. Hier erhalten grosse Ideen Raum – oft auch jene, die in der klassischen Wissenschaft kaum Gehör finden. In der Fachwelt sorgen solche Thesen kaum für Aufsehen – in sozialen Netzwerken hingegen entwickeln sie eine Eigendynamik und erreichen ein Millionenpublikum.

An diesem Tag sitzt Filippo Biondi im Studio, ein italienischer «Remote Sensing Scientist», also ein Experte für Satellitendaten.

Dann fällt der Satz, der den Ton setzt: Neben der bekannten Sphinx bei den Pyramiden – der ikonischen, über 4500 Jahre alten Löwenstatue mit Menschenkopf, eines der berühmtesten Wahrzeichen Ägyptens – soll es noch eine zweite geben.

Eine Behauptung, die – wäre sie wahr – die Geschichte von Gizeh, dem berühmten Pyramiden-Plateau nahe Kairo, neu schreiben würde.

Vom Hype zur globalen Story

Es ist nicht das erste Mal, dass Filippo Biondi mit spektakulären Thesen für Aufmerksamkeit sorgt.

Spätestens im März 2025 wird er einem grösseren Publikum bekannt, als seine Behauptungen über angebliche Strukturen unter den Pyramiden plötzlich weltweit zirkulieren.

Filippo Biondi (links) zu Gast im Podcast «Matt Beall Limitless». In dem Format treffen spektakuläre Ideen auf ein offenes Publikum.
Filippo Biondi (links) zu Gast im Podcast «Matt Beall Limitless». In dem Format treffen spektakuläre Ideen auf ein offenes Publikum.
Matt Beall Podcast

Zuerst greift die britische Boulevardzeitung «Daily Mail» die Geschichte auf – mit grossen Schlagzeilen und spektakulären Grafiken. Kurz darauf zieht im deutschsprachigen Raum «Focus Online» nach.

Doch die eigentliche Dynamik entfaltet sich anderswo: auf YouTube, TikTok und in sozialen Netzwerken. Dort verbreiten sich Biondis Thesen rasant, werden weiter zugespitzt, neu interpretiert – und millionenfach geklickt.

Was Biondi im vergangenen Jahr präsentiert hat, klingt wie Science-Fiction:

Mithilfe von Radar- und Satellitendaten will sein Team Hinweise auf ein weit verzweigtes System unter dem Gizeh-Plateau entdeckt haben – mit Schächten, Gängen und Kammern. Zylinderförmige Strukturen sollen unter den Pyramiden in bis zu 600 Meter Tiefe reichen und in grosse, würfelförmige Räume münden.

So sollen die angeblichen Strukturen unter der Chephren-Pyramide aussehen: Kammern nahe der Oberfläche und tiefe Schächte, die zu grossen Hohlräumen führen sollen. Die Darstellung wirkt spektakulär, es kursieren aber teils noch deutlich gewagtere Visualisierungen.
So sollen die angeblichen Strukturen unter der Chephren-Pyramide aussehen: Kammern nahe der Oberfläche und tiefe Schächte, die zu grossen Hohlräumen führen sollen. Die Darstellung wirkt spektakulär, es kursieren aber teils noch deutlich gewagtere Visualisierungen.
Readmultiplex.com

Es handle sich um eine «unterirdische Megastruktur» – vielleicht sogar um eine verborgene Stadt.

Radar-These unter Druck: Was steckt wirklich dahinter?

Die Grundlage seiner Thesen bildet ein von Biondi entwickelter Ansatz zur Auswertung von Radar-Daten aus Satelliten.

Diese senden elektromagnetische Wellen zur Erde, die von der Oberfläche reflektiert werden. Laut dem Modell führen minimale Bewegungen des Bodens – etwa durch natürliche Mikrovibrationen, Temperaturunterschiede oder Grundwasser – zu messbaren Veränderungen dieser Signale. Aus diesen Abweichungen will sein Team Rückschlüsse auf Strukturen tief unter der Oberfläche ziehen – bis in mehrere hundert Meter Tiefe.

Dabei nutzt er keine eigenen Satelliten, sondern kommerzielle Daten etwa von Systemen wie COSMO-SkyMed oder ICEYE. Diese liefern hochauflösende Bilder der Erdoberfläche und messen feinste Bewegungen im Millimeterbereich. Die Daten sind grundsätzlich frei zugänglich – allerdings kostenpflichtig.

Faktencheck widerspricht klar

Doch genau hier setzt die Kritik an: Ein Faktencheck des German Austrian Digital Media Observatory (GADMO) gemeinsam mit AFP kommt zu einem klaren Schluss: Für die spektakulären Behauptungen gibt es keine wissenschaftliche Grundlage.

Im Gegenteil: Fachleute widersprechen deutlich. Denn Radarwellen dringen nur wenige Meter in festen Boden ein – nicht Hunderte. Und auch die Idee, aus minimalen Oberflächenbewegungen komplexe Strukturen im Untergrund abzuleiten, gilt als hoch spekulativ. «Radarsignale werden beim Durchdringen des Bodens absorbiert», sagt etwa der US-Radarspezialist Lawrence Conyers.

Auch aus der Archäologie kommt klare Kritik: Der französische Ägyptologe Vincent Rondot bemängelt, dass hier Hypothesen als Fakten dargestellt würden. Der bekannte frühere ägyptische Antikenminister Zahi Hawass spricht sogar von «blossen Erfindungen».

Unabhängige Bestätigungen von Biondi's Theorien fehlen vollständig: Es gibt weder überprüfbare Studien noch Funde vor Ort.

Für viele Expert*innen ist deshalb klar: Was hier als Sensation verkauft wird, ist bislang vor allem eines – eine gewagte Interpretation von Daten.

Damit scheint Filippo Biondis Ausflug in die Ägyptologie zunächst ausgereizt.

Doch im Podcast «Matt Beall Limitless» geht er jetzt noch einen Schritt weiter: Aus vagen, unterirdischen «Megastrukturen» wird plötzlich eine deutlich konkretere Behauptung – kleiner im Ausmass, aber mit deutlich grösserer archäologischer Sprengkraft:

Eine zweite Sphinx.

Vom Datenmodell zur nächsten Sensation

Im Podcast-Studio wird es jetzt ruhiger, fast feierlich. Filippo Biondi sitzt in einem übergrossen, gelben Ledersessel, wägt seine Worte und greift zu Bildern aus der Physik, um seine Methode zu erklären.

Die Erde sei wie ein Swimmingpool, sagt er, an dessen Oberfläche sich bestimmte Wellen verstärken.

Was folgt, ist ein Feuerwerk aus Fachbegriffen, Analogien und grossen Worten. Verständlicher wird es dadurch kaum. Es entsteht vielmehr ein Eindruck von Komplexität – ohne dass klar wird, wie belastbar die Aussagen tatsächlich sind.

Podcast-Host Matt Beall hört zu, nickt – und fasst die minutenlange Ausführung schliesslich mit einem einzigen Wort zusammen: «Fantastic».

Kritische Nachfragen? – Fehlanzeige.

Dann soll die eigentliche Bombe platzen.

Neben den neuesten Radar-Befunden gebe es auch einen archäologischen Beleg für eine zweite Sphinx – die sogenannte Traumstele, eine beschriftete Steintafel zwischen den Tatzen der Grossen Sphinx.

Die sogenannte Traum- oder Sphinx-Stele steht noch heute zwischen den Tatzen der Grossen Sphinx auf dem Gizeh-Plateau – direkt vor der monumentalen Statue im Wüstensand.
Die sogenannte Traum- oder Sphinx-Stele steht noch heute zwischen den Tatzen der Grossen Sphinx auf dem Gizeh-Plateau – direkt vor der monumentalen Statue im Wüstensand.
Wikimedia Commons

Biondi räumt dabei selbst ein: Auf diese Spur sei er nicht selbst gestossen. Erst ein Hinweis habe ihn darauf gebracht.

Der Tippgeber: Damiano Piras – ein YouTuber und selbsternannter unabhängiger Forscher aus dem Umfeld alternativer Gizeh-Theorien. Ausgerechnet im März 2026 – was für ein Zufall – veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel «The Dawn of a New Sphinx – A Hypothesis on the Location of Giza's Twin Sphinx». Auf YouTube sorgt er mit Videos wie «How I Found the Second Sphinx of Giza» für Aufmerksamkeit.

Egal, für Biondi ist die Traumstele das passende Puzzlestück.

Historische Aufnahme der Traumstele: Noch halb im Wüstensand vergraben, wird das Monument bei frühen Ausgrabungen sichtbar. Erst 1818 wurde die Stele bei der Freilegung der Sphinx in der Neuzeit wiederentdeckt.
Historische Aufnahme der Traumstele: Noch halb im Wüstensand vergraben, wird das Monument bei frühen Ausgrabungen sichtbar. Erst 1818 wurde die Stele bei der Freilegung der Sphinx in der Neuzeit wiederentdeckt.
IMAGO / GRANGER Historical Picture

Ein Klassiker der Ägyptologie – neu interpretiert

Die Traumstele gehört zu den bekanntesten Relikten des Alten Ägypten – ein Klassiker, der in keiner Einführung in die Ägyptologie fehlen darf. Sie steht bis heute, wenn auch stark beschädigt und restauriert, zwischen den Pranken der Sphinx und wurde um 1400 vor Christus von Pharao Thutmosis IV. errichtet.

Der Legende nach schlief der junge Prinz dort ein. Im Traum erschien ihm die Sphinx und versprach ihm die Königsherrschaft – unter einer Bedingung: Er müsse sie vom Sand befreien.

Ikonografisch zeigt die Stele eine klassische Szene: Thutmosis IV. bringt der Sphinx Opfer dar.

Auffällig ist dabei die Darstellung: Sowohl der Pharao als auch die Sphinx erscheinen doppelt, spiegelbildlich angeordnet.

Genau hier setzt Biondis Deutung an. Wenn zwei Sphingen abgebildet sind, müsse es auch zwei reale Löwenfiguren mit Menschenkopf gegeben haben.

Schematische Darstellung der Traumstele: Pharao Thutmosis IV. ist spiegelbildlich zweimal dargestellt und bringt der Sphinx Opfer dar. Rechts trägt er die Blaue Krone (Kriegskrone), links das Nemes-Kopftuch. Über der Szene breitet sich ein geflügeltes Sonnensymbol aus, darunter folgt ein langer Hieroglyphen-Text mit der Traum-Erzählung.
Schematische Darstellung der Traumstele: Pharao Thutmosis IV. ist spiegelbildlich zweimal dargestellt und bringt der Sphinx Opfer dar. Rechts trägt er die Blaue Krone (Kriegskrone), links das Nemes-Kopftuch. Über der Szene breitet sich ein geflügeltes Sonnensymbol aus, darunter folgt ein langer Hieroglyphen-Text mit der Traum-Erzählung.
Wikimedia Commons

Neu ist diese Idee nicht. Bereits 2007 formulierte der ägyptische Ägyptologe Bassam El Shammaa eine ähnliche These – ebenfalls gestützt auf die doppelte Darstellung auf der Stele.

In der Fachwelt gilt sie bis heute als unbelegt.

Denn aus Sicht der Forschung greift diese Schlussfolgerung zu kurz. Sie ignoriert ein zentrales Prinzip der altägyptischen Kultur: den Dualismus.

Das Denken in Gegensätzen durchzieht das gesamte Weltbild der Ägypter. Ober- und Unterägypten wurden symbolisch vereint, viele Götter traten in Paaren auf, auch Könige wurden oft doppelt dargestellt – als Herrscher über beide Landesteile.

Diese Dualität steht für Ordnung, Balance und kosmische Harmonie. In der Kunst wird sie häufig durch Spiegelungen und Verdopplungen ausgedrückt.

Die doppelte Darstellung auf der Traumstele ist deshalb kein Bauplan – sondern Symbolik.

Kurz gesagt: Zwei Sphingen im Bild bedeuten nicht zwei Sphingen in der Realität.

Dazu kommt: Archäologische Hinweise auf ein zweites Monument gibt es bis heute nicht. Für Experten ist die Sache deshalb klar: Die Theorie gehört ins Reich der Spekulation.

Der angebliche Fundort

Biondi verortet die angebliche zweite Sphinx an einem konkreten Punkt auf dem Gizeh-Plateau. Ausgangspunkt ist eine geometrische Spiegelung: Analog zur bekannten Sphinx, die mit der Chephren-Pyramide in Beziehung steht, zieht er eine entsprechende Linie von der Cheops-Pyramide.

Der mutmassliche Ort liegt dabei nordöstlich der Cheops-Pyramide – in Richtung Wüste.

Grafik zum Gizeh-Plateau: Die bekannte Sphinx (rechts unten) wird mit einer hypothetischen zweiten Sphinx (links oben) verbunden. Laut Filippo Biondi ergibt sich deren Position aus einer achsensymmetrischen Anordnung – gespiegelt über die Pyramiden hinweg. Die Linien (A–D) sollen geometrische Parallelen und Proportionen zeigen, die auf die zweite, bislang unentdeckte Sphinx hindeuten.
Grafik zum Gizeh-Plateau: Die bekannte Sphinx (rechts unten) wird mit einer hypothetischen zweiten Sphinx (links oben) verbunden. Laut Filippo Biondi ergibt sich deren Position aus einer achsensymmetrischen Anordnung – gespiegelt über die Pyramiden hinweg. Die Linien (A–D) sollen geometrische Parallelen und Proportionen zeigen, die auf die zweite, bislang unentdeckte Sphinx hindeuten.
Matt Beall Podcast

Vor Ort zeigt sich jedoch kein verborgenes Bauwerk, sondern lediglich ein gegen 50 Meter hoher Hügel aus verfestigtem Sand und Gestein. Eine natürliche Erhebung, wie sie auf dem Plateau häufiger vorkommt.

Genau unter diesem Hügel soll die zweite Sphinx versteckt sein – vollständig verborgen unter der Oberfläche.

Zwischen Wissenschaft und Wunschdenken

Zurück im Podcast «Matt Beall Limitless» lehnt sich Matt Beall zurück. «Mind-blowing», sagt er.

Es ist ein Wort, das viel erklärt.

Denn genau so funktionieren diese Formate: Eine starke These, ein selbstbewusster Auftritt – und aus einer spekulativen Idee wird Schritt für Schritt eine vermeintliche Entdeckung.

Zweifel tauchen auf, werden aber selten vertieft.

Biondi selbst betont dabei immer wieder, dass er kein Ägyptologe sei.

Fragen zur archäologischen Einordnung überlässt er anderen – sucht seine Bestätigung aber nicht bei Spezialisten, sondern in der Welt der YouTube-Forschung.

Dabei zeigt die Archäologie seit Jahren, wie es anders geht: neue Methoden, ja – aber im engen Austausch mit der etablierten Wissenschaft. Ein prominentes Beispiel ist das internationale Projekt «ScanPyramids»: Seit 2015 arbeiten Physiker, Ingenieure und Ägyptologen zusammen, um die Cheops-Pyramide mit modernster Technik zu untersuchen. Mithilfe von Myonen-Tomografie – einer Art Teilchen-Scanner – entdeckte das Team 2017 einen zuvor unbekannten Hohlraum im Inneren der Pyramide.

Was bleibt nun konkret von der Idee einer zweiten Sphinx?

Im Kern nur das, worauf sich alles stützt: Radar-Daten – genauer gesagt deren Interpretation durch Biondi und sein Team.

Diese Messungen zeigen keine neue Sphinx, sondern lediglich Auffälligkeiten im Untergrund. Ob es sich dabei um natürliche Strukturen, Gesteinsunterschiede oder tatsächlich etwas von Menschen Geschaffenes handelt, ist völlig offen. Forschende betonen, dass solche Daten allein keine monumentalen Bauwerke nachweisen können.

Hinzu kommt ein grundlegendes Problem bei der verorteten Lage: Die gesamte Anlage von Gizeh ist klar zum Nil hin ausgerichtet – nicht zufällig, sondern aus praktischen und religiösen Gründen.

Rekonstruktion des Gizeh-Plateaus: Die Pyramiden sind klar zum Nil (unten im Bild) ausgerichtet. Über Hafenanlagen und Aufwege wurden Baumaterialien angeliefert; zugleich sind Tempel, Sphinx und Pyramiden entlang dieser Achse Teil eines gemeinsamen religiösen Systems.
Rekonstruktion des Gizeh-Plateaus: Die Pyramiden sind klar zum Nil (unten im Bild) ausgerichtet. Über Hafenanlagen und Aufwege wurden Baumaterialien angeliefert; zugleich sind Tempel, Sphinx und Pyramiden entlang dieser Achse Teil eines gemeinsamen religiösen Systems.
Jeanclaudegolvin.com

Über den Nil wurden Baumaterialien transportiert, hier lag der Zugang zur Anlage. Gleichzeitig markierte der Fluss im Weltbild der Ägypter die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden im Osten und dem Reich der Toten im Westen. Die Tempel, Aufwege und auch die Sphinx sind Teil dieses Systems. Letztere ist zudem fest in den Totentempel-Komplex der Chephren-Pyramide eingebunden.

Eine zweite Sphinx hinter der Cheops-Pyramide, in Richtung Wüste, würde weder in diese logistische noch in die symbolische Ordnung passen.

Filippo Biondi selbst träumt davon, der Sache eines Tages mit Grabungen auf den Grund zu gehen. Im Podcast spricht er davon, die Hypothese irgendwann überprüfen zu wollen – direkt vor Ort, im Sand von Gizeh.

Doch genau das ist der Punkt: Archäologie folgt Regeln, nicht Intuition.

Und so dürfte Biondis Sphinx genau das bleiben, was sie schon heute ist – nicht mehr als eine fixe Idee.


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