Spektakulärer FossilienfundHatte Frühmensch Lucy doch einen Nachbarn?
Oliver Kohlmaier
27.11.2025
Ein Teil des Kieferknochens des Australopithecus deyiremeda, der in der Afar-Region in Äthiopien entdeckt wurde
Stephanie MELILLO / Institute of Human Origins at Arizona State University / AFP
War Lucy doch nicht unser direkter Vorfahre? Neu entdeckte Fossilien in Äthiopien bestärken die Vermutung, dass es neben ihrer Art noch weitere Frühmenschen gab.
,
Agence France-Presse, Redaktion blue News
27.11.2025, 00:00
Oliver Kohlmaier
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Neu entdeckte Fossilien in Äthiopien bestärken Forscher in der These, dass es neben der Lucys Art noch weitere Frühmenschen gab.
Laut der Studie beweisen die neuen Fossilien-Funde, darunter ein Kieferknochen mit zwölf Zähnen, dass 2009 gefundene Fuss-Fossilien einer völlig neuen Art zuzuordnen sind.
Bis zur Entdeckung des Fusses in Burtele 2009 galt Lucys Art als einzige Verwandte des Menschen, der vor mehr als drei Millionen Jahren in dieser Region lebte.
Offen ist laut Haile-Selassie die Frage, wie die beiden Arten am selben Ort und zur selben Zeit zusammenleben konnten.
Der berühmte Urmensch Lucy hatte womöglich wirklich einen Nachbarn: Neu entdeckte Fossilien in Äthiopien haben Forscher in der These bestärkt, dass es damals noch andere Frühmenschen gab. Laut einer am Mittwoch in der Zeitschrift «Nature» veröffentlichten Studie beweisen die neuen Fossilien-Funde, darunter ein Kieferknochen mit zwölf Zähnen, dass 2009 gefundene Fuss-Fossilien einer völlig neuen Art zuzuordnen sind. Die Entdeckung könnte den Wissenschaftlern zufolge sogar Zweifel am Status von Lucys Art als direkter Vorfahrin der heutigen Menschen aufkommen lassen.
Die nun entdeckten Kieferknochen wurden dem Forscherteam aus den USA und Äthiopien zufolge an derselben Stelle gefunden wie 2009 bereits die Überreste eines geheimnisvollen Fusses. Der Fundort in Burtele im Nordosten Äthiopiens liegt 35 Kilometer von dem Ort entfernt, wo Lucy 1974 entdeckt wurde.
«Wir haben keinen Zweifel daran, dass der Fuss von Burtele zur gleichen Art gehört wie diese Zähne und der Kiefer», sagte der Wissenschaftler Yohannes Haile-Selassie von der Arizona State University.
Der Burtele-Fuss, seit seiner Entdeckung in der Region Afar in Äthiopien im Jahr 2009 ein Rätsel, mit seinen Elementen in anatomischer Position.
Yohannes HAILE-SELASSIE / Institute of Human Origins at Arizona State University / AFP
Blätter, Früchte und Nüsse als Nahrung
Bis zur Entdeckung des Fusses in Burtele 2009 galt Lucys Art als einzige Verwandte des Menschen, der vor mehr als drei Millionen Jahren in dieser Region lebte. Bereits 2015 ordnete das Team um Haile-Selassie jedoch einige in Burtele gefundene und rund 3,4 Millionen Jahre alte Kieferknochen einer neuen Art zu – Australopithecus deyiremeda.
Haile-Selassie erklärte damals, die Entdeckung dieser neuen Art in derselben Region bestätige die These, dass Lucys Art, der Australopithecus afarensis, nicht der einzige mögliche Vorfahre der Menschen war. Die Annahme stiess aber damals in Wissenschaftskreisen wegen unzureichender Fossilfunde auf einige Skepsis. Dies könnte sich mit den neuen Funden ändern.
Laut der neuen Studie deutet eine computergestützte Untersuchung der gefundenen Zähne darauf hin, dass Australopithecus deyiremeda primitiver war als seine berühmte Verwandte Lucy. Die Zahnanalyse ergab demnach, dass die Art sich hauptsächlich von Blättern, Früchten und Nüssen ernährte, die sie auf Bäumen fand. Schon der bewegliche und greiffähige Zeh des früher gefundenenen Fuss-Fossils hatte nahegelegt, dass dieser Verwandte des Menschen mehr Zeit auf Bäumen verbrachte.
Wie konnten beide am selben Ort leben?
Das Skelett von Lucy war 1974 entdeckt und auf ein Alter von 2,9 bis 3,8 Millionen Jahre datiert worden. Lucy war etwa 1,10 Meter zehn gross, lief auf zwei Beinen, konnte aber auch gut klettern und wies damit sowohl menschen- wie affenähnliche Züge auf.
Offen ist laut Haile-Selassie die Frage, wie die beiden Arten am selben Ort und zur selben Zeit zusammenleben konnten. Die Forscher kommen in ihrer neuen Studie zu dem Schluss, dass dies womöglich auf die unterschiedliche Lebensart der beiden Arten zurückzuführen sei: Während die neue Art sich eher im Wald und auf Bäumen bewegte, zog Lucy ein Leben am Boden vor. Haile-Selassie zufolge zeigt dies auch, dass «Koexistenz tief in unserer Abstammung verwurzelt ist».