6 Fragen & Antworten«Es gibt Vogelgrippe-Infektionen, die wir nicht mitbekommen»
sda/phi
22.3.2025 - 16:34
Eine Kunde kauft am 6. März Eier in Maust's California Poultry in dem kalifornischen Ort Chino,
KEYSTONE
Die grösste dokumentierte Vogelgrippewelle grassiert derzeit auf mehreren Erdteilen. Der Erreger befällt vor allem Vögel, wurde aber auch schon bei vielen Säugetieren gefunden.
sda/phi
22.03.2025, 16:34
22.03.2025, 16:40
SDA
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Die Ausweitung der Vogelgrippe in den USA wirft Fragen auf: Die folgenden sechs davon werden geklärt.
Am 25. März vor einem Jahr kam dann eine Schreckensnachricht aus den USA: Zum ersten Mal wurde eine Form der Vogelgrippe H5N1 bei Milchkühen entdeckt, anfangs in den Bundesstaaten Texas, Kansas und New Mexico. Was ist seitdem passiert – und wie geht es weiter?
Was ist der aktuelle Stand in den USA?
Von einer Eindämmung der Welle kann keine Rede sein. Laut der Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sind in den USA inzwischen mehr als 12'500 Fälle bei Wildvögeln registriert, mehr als 166 Millionen Nutzvögel wie Hühner oder Enten wurden gekeult.
Zudem wurden Ausbrüche in fast 1000 Rinderherden in 17 Bundesstaaten nachgewiesen. 70 Fälle bei Menschen wurden entdeckt. Die Rinder haben häufig weniger Appetit und geben weniger Milch. Den Behörden zufolge erfolgte die Ansteckung wohl meist über Wildvögel und wurde dann über Melkmaschinen und Euter weitergegeben.
Eine Farm in Austin, Texas: Auch Rinder sind. nun von der Vogelgrippe betroffen.
KEYSTONE
Anfang des Jahres starb in den USA erstmals ein Mensch nach einer Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1. Der Bewohner von Louisiana war nach Angaben der Behörden älter als 65 Jahre und hatte auch andere gesundheitliche Probleme.
Das sind allerdings nur die veröffentlichten Zahlen. In einer kleinen CDC-Studie trugen im September 3 von 150 Tierärzten Antikörper gegen das Virus. Dabei hatten zwei von ihnen gar keinen Kontakt zu infizierten Tieren oder Verdachtsfällen gehabt.
Das Virus müsse also sowohl unter Tieren als auch unter Menschen viel weiter verbreitet sein als offiziell bekannt, schlossen Experten daraus. «Wir kennen das Ausmass dieses Ausbruchs in den USA nicht», sagte die Virologin Seema Lakdawala von der Emory University in Atlanta der «New York Times». «Es gibt offensichtlich Infektionen, die wir nicht mitbekommen.»
Besteht Gefahr für den Menschen?
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei bislang nicht nachgewiesen worden, so die CDC. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung sei niedrig, bei den Infizierten handele es sich fast ausschliesslich um Menschen mit viel direktem Kontakt zu Rindern oder Geflügel, etwa Farmarbeitern. Die Behörde rät generell, Kontakt zu kranken und toten Tieren zu meiden.
Wie sieht es mit Milch, Fleisch und Eiern aus?
Kommerziell erwerbliche Milch-, Fleisch- und Eierprodukte seien sicher, da Hitze und Pasteurisierung das Virus eliminierten, betonen die CDC. Von Rohmilch-Verzehr wird allerdings abgeraten. Die Lieferung von ausreichend Rinderfleisch sowie Milch sei nicht gefährdet. Rinder könnten eine Infektion überstehen und müssten nicht getötet werden.
Detailhändler in Alameda, Kalifornien: Bezahlbare Eier sind mitunter Mangelware.
KEYSTONE
Doch mehr als 160 Millionen Nutzvögel wurden in den USA seit Beginn des Ausbruchs gekeult. Das liess den Preis für Hühnerfleisch, vor allem aber auch für Eier in die Höhe schnellen. Vielerorts sind Eier knapp, Supermärkte verkaufen oft nur noch eine Packung pro Kunde. Das Thema hat auch politische Brisanz.
US-Präsident Donald Trump hatte seinen Vorgänger Joe Biden im Wahlkampf immer wieder für die hohe Inflation verantwortlich gemacht und versprochen, dass mit ihm als Präsident alles billiger werde – bislang ohne Erfolg. Das brachte ihm Spott der Demokraten ein. Trump betonte wiederholt – ohne Beweise vorzulegen -, es sei Biden anzulasten, dass die Preise für Eier in den USA «ausser Kontrolle» seien.
Was haben Trump – und RFK Jr. – nun vor?
Der Ausbruch erwischt die USA in turbulenten Zeiten. Die zuständigen Behörden sind nach dem Regierungswechsel teilweise noch führungslos und werden von Mittelstreichungen und Kürzungen gebeutelt. Eine einheitliche Strategie wurde bislang nicht vorgestellt, Trump lässt das Thema soweit möglich links liegen.
Nicht nur die Preise für Eier, sondern auch für lebende Tiere steigen in Kalifornien in die Höhe.
KEYSTONE
Eine der zentralen Fragen betrifft Impfungen: Während die vorherige Regierung entsprechende Studien in Auftrag gegeben hatte und es sogar schon eine vorbehaltliche Zulassung für einen Impfstoff gab, sieht der neue Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. diese Option deutlich kritischer.
Alle seine Behörden würden ihm davon abraten, sagte Kennedy jüngst dem TV-Sender «Fox News». Es sei möglich, dass Hühnerställe durch Impfungen zu «Mutationsfabriken» würden.
Was sagen die Experten?
Viele haben grosse Sorge – sowohl für die USA als auch weltweit. Aus Deutschland kommt scharfe Kritik: Es sei leider nicht zu erkennen, dass Massnahmen ergriffen würden, die das Geschehen schnell stoppen würden, sagt Martin Beer, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald.
Den Eindruck, dass in den USA mehr Wert darauf gelegt wird, kurzfristig wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden als eine mögliche weitere Zoonose zu unterbinden, bestätigt der Berliner Virologe Christian Drosten: «Es ist schon frappierend, wie wenig gezielte Infektionsüberwachung und Dateneinsicht stattfindet, sowohl bei Tieren als auch beim Menschen.»
Wird die Vogelgrippe zur nächsten Pandemie?
Das sei völlig unklar, sagt die Weltgesundheitsbehörde WHO. Klar sei aber, dass diese von Tier zu Mensch übertragenen Infektionskrankheiten ein Potenzial dafür tragen – und deswegen gut überwacht und soweit möglich eingedämmt werden müssten.
Hühnerhaltung in New York.
KEYSTONE
Zudem könne es bei jeder Übertragung zu Mutationen kommen, die die Eigenschaften des Virus verändern – und damit möglicherweise auch das Gefährdungspotenzial für Menschen erhöhen könnten.
So war in den USA beispielsweise kürzlich eine neue Variante bei Kühen erstmals aufgetaucht. D1.1 wurde in Kuhmilch in Nevada nachgewiesen. Zuvor waren Infektionen mit dem Virus auf die Variante B3.13 zurückgeführt worden.
Wie man im Circus Knie arbeitet, lebt – und Streit vermeidet
Die Saison geht wieder los – und Circus Knie geht auf Tour: Patricia und Hannah geben blue News einen Einblick in ihren Arbeitsalltag und nehmen das Team mit in ihre Wohnwagen.