Trotz Lockdowns

Treibhausgase erreichen neuen Höchststand

dpa

23.11.2020 - 13:59

epa07208456 Steam rises from the brown coal-fired power plant Neurath (front-C) and Niederaussem (rear-L) operated by RWE in Bergheim, 04 December 2018. The Rhenish Brown Coal Field is Europe's largest carbon dioxide source. According to a report by the UN, the carbon dioxide (CO2) emissions have gone up for the first time in four years. The report came just days ahead of the COP24 United Nations Climate Change Conference taking place in Poland from 02 to 14 December 2018. EPA/SASCHA STEINBACH
Braunkohle-Kraftwerke wie dieses im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen gelten als CO2-Schleudern. (Archiv)
Bild: Keystone

Das Corona-bedingte Lahmlegen vieler Wirtschaftszweige hat die Treibhausgas-Emissionen deutlich reduziert. Bremst das den Klimawandel? Die Experten-Antwort ist leider eindeutig.

Die Weltwetterorganisation (WMO) hat Hoffnungen auf eine Verschnaufpause für das Klima im Zuge der Corona-Pandemie zunichte gemacht. Das Ausmass klimaschädlicher Emissionen wie etwa von Kohlendioxid (CO2) sei in diesem Jahr zwar zurückgegangen. Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre verändere das aber weniger als jedes Jahr übliche natürliche Fluktuationen dies täten, schrieb die WMO am Montag im jährlichen Treibhausgas-Bulletin. CO2 bleibt Jahrhunderte in der Atmosphäre.

2019 und 2020 ist die CO2-Konzentration weiter gestiegen, wie aus dem Bericht hervorgeht. Der Wert hat 2019 im globalen Durchschnitt erstmals seit Beginn der Industrialisierung 1750 die Marke von 410 ppm (Teilchen pro Million Teilchen) gebrochen. Die Marke von 400 ppm war erst 2015 durchbrochen worden.

Ähnliche CO2-Konzentration wie vor fünf Millionen Jahren

Konkret lag die CO2-Konzentration im vergangenen Jahr bei 410,5 ppm, nach 407,9 beziehungsweise 405,5 ppm in den beiden Jahren davor. CO2 entsteht etwa durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, die Zementproduktion und andere Industrieprozesse sowie im Zuge von Abholzung.

«Die Erde hat zuletzt vor drei bis fünf Millionen Jahren eine ähnliche CO2-Konzentration erlebt», sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Auf den Zustand vor so langer Zeit können Forscher durch Eisbohrungen in uralte Luftblasen und Analysen von Fossilien schliessen. «Damals lag die Temperatur zwei bis drei Grad und der Meeresspiegel 10 bis 20 Meter höher. Aber es lebten nicht 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde.»

Um die Erwärmung wie vom Weltklimarat empfohlen bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad zu begrenzen, müsse die Welt bis 2050 klimaneutral werden, sagte Taalas. Die Trendwende bei den CO2-Emissionen müsse in fünf Jahren einsetzen. Öl, Gas und Kohle müssten als Energiequelle durch Wind, Wasser und Solarenergie ersetzt werden. Vielleicht müssten auch mehr Atomkraftwerke gebaut werden, sagte Taalas.

«Wir müssen die Kurve nachhaltig abflachen»

Der Emissionsrückgang 2020 sei nur «eine winzige Delle» in der nach oben steigenden Kurve. «Wir müssen die Kurve nachhaltig abflachen», sagte Taalas – in Anlehnung an den Ausdruck, den Epidemiologen im Zusammenhang mit den Coronavirus-Infektionen oft nutzen.

Wie stark die Emissionen 2020 zurückgingen, sei noch unklar, so die WMO. In Zeiten, in denen mehrere entscheidende Länder gleichzeitig im Corona-Lockdown waren, dürfte der tägliche Ausstoss etwa 17 Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie gelegen haben. Vorläufige Schätzungen gingen von einem Rückgang von 4,2 bis 7,5 Prozent aus. Das verringere die Konzentration in der Atmosphäre allenfalls um Werte zwischen 0,08 und 0,23 ppm. Natürliche Variationen, etwa wie gut CO2 in einem Jahr von der Vegetation absorbiert wird, lägen bei rund 1 ppm.

Das Treibhausgas-Bulletin nennt für die Konzentration in der Atmosphäre einen Durchschnittswert aus mehr als 100 Messstationen. Einzelne Stationen hätten für 2020 schon höhere Werte registriert als im Jahr davor. Die Station in Mauna Loa auf Hawaii etwa habe im September 411,29 ppm gemessen, verglichen mit 408,54 im vergangenen Jahr. Die Station Cape Grim auf Tasmanien in Australien habe 410,8 ppm gemessen, nach 408,58 im vergangenen Jahr.

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