Was bedeutet die Ausbreitung der Lambda-Variante?

tsha

5.8.2021

Women stand near an entrance of a squatters settlement to prevent more families from moving on to the hilltop in the Villa El Salvador neighborhood, occupied by people who can no longer pay their rent because of restrictions on economic activity aimed at limiting the spread of the new coronavirus, in Lima, Peru, Thursday, April 22, 2021. (AP Photo/Martin Mejia)
In Peru ist die Lambda-Variante mittlerweile für den Grossteil der Coronavirus-Infektionen verantwortlich.
Bild: Keystone

Die Lambda-Variante breitet sich weltweit aus, auch in der Schweiz wurde sie bereits nachgewiesen. Eine neue Studie bietet nun Anlass zur Sorge.

tsha

5.8.2021

Auch der elfte Buchstabe des griechischen Alphabets steht nun für eine Variante des Coronavirus: Lambda. Was du über die neue Mutation wissen musst, erklären wir dir hier.

Wo wurde die Lambda-Variante das erste Mal nachgewiesen?

Lauf WHO trat die Lambda-Variante des Coronavirus erstmals im Dezember 2020 in Peru auf. Ihre Benennung erhielt die Mutante, die auch C.37 bezeichnet wird, im vergangenen Juni. 

Wie viele Fälle sind bereits bekannt?

Im mutmasslichen Ursprungsland Peru ist die Variante für mindestens 70 Prozent der Ansteckungen verantwortlich. Mittlerweile wurde Lambda in 29 Staaten festgestellt, auch in Europa. Betroffen sind Deutschland, Grossbritannien und Spanien. In der Schweiz wurden die ersten Fälle gemeldet. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) präzisiert gegenüber «blue News»: «Insgesamt wurden uns aus den Sequenzierungsresultaten des Überwachungsprogramms zwölf Lambda-Varianten gemeldet.» Dies im Zeitraum vom 28. September 2020 bis 4. August 2021.



Wie gefährlich ist die Mutation?

Alle Viren mutieren regelmässig. Die meisten Veränderungen haben nur geringe oder gar keine Auswirkungen. Einigen Varianten aber schenken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besondere Aufmerksamkeit.

Die WHO teilt die Mutationen deshalb in zwei Kategorien ein – in «Variants of Concern» und in «Variants of Interest». In die erste Rubrik – also Varianten, die Sorgen bereiten – fallen die Alpha-, Beta-, Gamma- und Delta-Mutationen. Die Lambda-Variante wird von der WHO hingegen als Variante, die beobachtet werden soll, eingestuft. Das BAG verfolge  «die Entwicklung mit dieser und anderen Variante in enger Kooperation mit Experten, welche Informationen aus Forschung und internationalen Gremien zur Einschätzung von Varianten zusammentragen», wie es auf Nachfrage heisst.

Die wichtigsten Virusvarianten

«Variants of Concern»: Alpha (erstmals nachgewiesen im Vereinigten Königreich im September 2020), Beta (Südafrika, Mai 2020), Gamma (Brasilien, November 2020), Delta (Indien, Oktober 2020) 

«Variants of Interest»: Eta (verschiedene Länder, Dezember 2020), Iota (USA, November 2020), Kappa (Indien, Oktober 2020), Lambda (Peru, August 2020) - Quelle: WHO

Eine Gruppe japanischer Forscherinnen und Forscher fordert nun, Lambda als besorgniserregende Variante einzustufen. Das schreiben sie in einer Studie, die als Pre-Print veröffentlicht wurde und über die der «Spiegel» berichtet. Pre-Print-Studien wurden noch nicht von anderen Wissenschaftlern begutachtet.

Demnach wurden im Spike-Protein der Lambda-Variante mehrere Mutationen beobachtet; drei davon könnten dazu führen, dass das Virus weniger gut von Antikörpern neutralisiert werden könne. Zwei weitere Mutationen würden Lambda ansteckender machen als andere Virusvarianten.

Schützen Impfungen schlechter vor einer Infektion?

Laut der japanischen Studie sind die drei Varianten im Spike-Protein des Virus, die die Bezeichnungen RSYLTPGD246-253N, 260 L452Q sowie F490S tragen, der Grund dafür, dass Antikörper weniger wirksam sind im Kampf gegen die Lambda-Mutante. Sollte dies stimmen, könnten Impfungen weniger effektiv gegen das Virus wirken. Lambda könne «eine potenzielle Bedrohung für die menschliche Gesellschaft» darstellen, zitiert der «Spiegel» den leitenden Forscher der Studie, Kei Sato von der Universität Tokio.



Zu einem anderen Schluss kommen Forscher der NYU Grossman School of Medicine in New York. In ihrer Studie, bei der es sich ebenfalls um eine Preprint-Publikation handelt, heisst es, dass die Variante gegenüber mRNA-Impfstoffen keine signifikant höhere Resistenz besitze. Allerdings kommt auch diese Studie zu dem Schluss, dass die Lambda-Variante ansteckender sei.

In Peru, wo die Lambda-Variante dominiert, werden vor allem chinesische Impfstoffe eingesetzt. Wie wirksam diese gegen die Mutante sind, ist noch offen, wie der Mikrobiologe Pablo Tsukayama, der in Peru erstmals die Lambda-Variante isoliert hat, der deutschen «Tagesschau» sagte.

Unterscheiden sich die Symptome bei einer Infektion?

Laut Mikrobiologe Tsukayama gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass sich die Symptome bei Infektionen mit der Lambda-Variante von anderen Coronavirus-Infektionen unterscheiden.