«Mission Skylab»: Vergessene Raumstation feiert im Film Revival

Nicolai Morawitz

20.11.2018

Sie hat Wissenschaft im All erst möglich gemacht: Die amerikanische Skylab-Station.
NASA

Mit der Skylab-Mission gelang es den Amerikanern in den 1970er Jahren, erstmals eine bemannte Raumstation im All zu betreiben. Um ein Haar wäre das Projekt jedoch in einer Katastrophe geendet. Ein Dokumentarfilm zeigt nun die Hintergründe des Vorhabens, bei dem auch Schweizer Forscher eine Rolle spielten. 

Der Beginn der Skylab-Mission stand unter keinem guten Stern: Nur 63 Sekunden nach dem Start in Cape Canaveral löste sich der Mikrometeroitenschutzschild der Saturn-Rakete. Die Folge war: Skylab, die erste Raumstation der NASA, wurde beschädigt. 

Zwar erreichte Skylab die Erdumlaufbahn. Doch aufgrund des fehlenden Schutzschilds stieg die Temperatur im Inneren auf unerträgliche 65 Grad an –  und der Station fehlte wegen eines abgerissenen Solarpanels der Strom.

Rettungsmission zum Auftakt

Der NASA gelang es dann, innerhalb von einer Woche einen Rettungsplan zu entwerfen. Doch für die erste Besatzung von Skylab kam es so oder so faustdick: Ihr kam nicht nur die Pionierrolle zu, sondern sie musste auch Reparaturen an der Station erledigen, um sie überhaupt wieder betriebstüchtig zu machen. 

Der australische Filmemacher Dwight Steven-Boniecki hat nun einen Dokumentarfilm über die Mission Skylab gedreht («Searching for Skylab»). Er traf dafür die amerikanischen Weltraum-Veteranen und zäumte in gewisser Weise das Pferd von hinten auf.

Denn Steven-Boniecki war zunächst mit dem Ende von Skylab konfrontiert. Die Raumstation stürzte 1979 kontrolliert über Australien ab – für Steven-Boniecki war das als Zehnjähriger die Initialzündung für sein Interesse, wie er im «Bluewin»-Interview erklärt:

Im Bann von Skylab

Will in der Schweiz ein Weltraum-Museum gründen: Guido Schwarz.
Bluewin/mn

Guido Schwarz hat eine grosse Leidenschaft — die Raumfahrt. Er half Steven-Boniecki dabei, den Film im November das erste Mal im Kosmos Kino in Zürich zu zeigen. Schweizweit starten soll der unanhängig produzierte Film im nächsten Jahr.

Schwarz gehört zu jenen, die mit dem Raumfahrt-Fieber infiziert sind: An verschiedenen Orten hat er Objekte von früheren amerikanischen und russischen Raumfahrtmissionen gesammelt. Für den Besuch von Steven-Boniecki hat der Regensdorfer seine besten Ausstellungsstücke zusammengetragen. «Bluewin» war beim Rundgang dabei:

Schweiz an Forschung beteiligt

Die Folien mit denen u.a. die kosmische Strahlung untersucht werden sollten, stammten von der Universität Bern.
Bluewin/mn

Die beinahe gescheiterte Skylab-Mission war in erster Linie eine neue Möglichkeit für die Menschheit, Wissenschaft zu betreiben: Filmemacher Steven-Boniecki erinnert daran, dass heute so alltägliche Dinge wie Rauchmelder, Mikrowellenmahlzeiten oder das medizinische EKG auf die Erfahrungen mit Skylab zurückgehen.

Die Schweiz unterstützte die Mission in der Wissenschaft: Forscher der Universität Bern starteten ein Folienexperiment. Damit sollten Partikel der kosmischen Strahlung und des Sonnenwinds gemessen werden. Doch auch hier gab es anfängliche Probleme: Die in Bern entwickelten Folien wurden zunächst durch austretende Gase der Steuerdüsen des Skylabs verunreinigt. Später konnte eine Skylab-Crew die Folien allerdings ersetzen, so dass diese Partikel einfingen, welche für die Analyse zur Erde zurückgebracht werden konnten.

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