Debatte um US-Jet Kritik von Ex-Airbus-Chef: «Niemand braucht eine F-35»

Philipp Dahm

18.3.2025

In Europa, aber mittlerweile auch in Kanada geht die Debatte um die Beschaffung amerikanischer F-35-Jets weiter.  Nun meldet sich ein Ex-Boss von Airbus zu Wort – und nennt geplante Käufe «überflüssig».

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Nach Portugal zweifelt nun auch Kanada am Kauf amerikanischer F-35-Kampfjets.
  • Premier Carney sagt, sein Land sei von den USA zu abhängig.
  • Der frühere Airbus-Boss Thomas Enders kritisiert den deutschen F-35-Kauf als «überflüssig»: Niemand brauche den US-Jet.
  • Auch Enders wünscht sich mehr Abstand zu den USA.

Die Diskussion um die Beschaffung von F-35-Jets reisst nicht ab: Nach Portugal denkt nun auch Kanada laut über Alternativen nach. Der neue Premier Mark Carney machte am 17. März öffentlich, dass seine Regierung den Kauf von 88 Maschinen im Wert von umgerechnet 11,7 Milliarden Franken überprüfe.

«Es ist klar, dass unsere Sicherheitsbeziehungen zu sehr auf die Vereinigten Staaten konzentriert sind», zitiert «Reuters» Carney. Sein Land bezieht demnach 80 Prozent seiner Rüstungsgüter aus den USA. «Wir müssen diversifizieren.» Möglicherweise ist damit der schwedische Saab-Konzern wieder im Rennen, dessen Gripen der F-35 unterlegen war.

Bei einer Flugshow in Bengaluru in Indien startet am 13. Februar eine amerikanische F-35, während im Vordergrund Besuchenden eine russische Su-57 bestaunen.
Bei einer Flugshow in Bengaluru in Indien startet am 13. Februar eine amerikanische F-35, während im Vordergrund Besuchenden eine russische Su-57 bestaunen.
KEYSTONE

Und nun befeuert auch noch ein früherer Airbus-Chef die Debatte um die F-35 in Deutschland: «Niemand braucht eine F-35», sagt Thomas Enders der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Und: «Es ist zwingend erforderlich, dass wir uns so weit und so rasch wie möglich von amerikanischen Systemen unabhängig machen.»

F-35-Beschaffung «überflüssig».

Donald Trump habe das verursacht, so der Deutsche: «Wir können einfach die Augen nicht davor verschliessen, dass diese amerikanische Regierung jetzt zum Gegner geworden ist und nicht mehr Verbündeter ist.» Enders ist aber noch aus einem anderen Grund gegen die F-35: Im Vergleich zu Drohnen sei das komplizierte US-System viel zu teuer.

Die Kriegsführung der Zukunft basiere auf «Zehntausenden von intelligenten Robotern auf dem Gefechtsfeld, und das sind in allererster Linie heute Drohnen, die Sie in kleinen Fabriken herstellen können», erklärt der 66-Jährige. Die deutsche F-35-Beschaffung findet er «überflüssig».

Eine ähnliche Diskussion ist zuletzt auch in der Schweiz entbrannt, was Luftwaffen-Chef Peter Merz dazu gebracht hat, den US-Jet öffentlich in Schutz zu nehmen. Merz sagte nicht nur, dass er die Kritik wegen fehlenden Hintergrundwissens «schier unerträglich» fände, sondern warnte auch dezidiert vor Russlands zukünftiger Europa-Politik. Für Debatten habe man deshalb kaum Zeit, mahnte der Offizier.