Norwegen tunnelt den Schiffsverkehr

uri

28.3.2021

Der Stad-Schiffstunnel dürfte wohl der grösste seiner Art werden. 
Bild: Kystverkets

Norwegen hat die Finanzierung eines gigantischen Schiffstunnels bewilligt. Ab 2025 sollen im Westen des Landes Fracht- und Kreuzfahrtschiffe mitten unter 300 Meter hohen Bergen durchfahren.

uri

28.3.2021

50 Meter hoch, 36 Meter breit und 1,7 Kilometer lang: An der Westküste Norwegens soll schon bald der weltweit erste richtige Tunnel für Fracht- und Passagierschiffe entstehen. Das norwegische Ministerium für Transport und Kommunikation hat das spektakuläre Bauprojekt inzwischen bewilligt. Läuft alles wie geplant, führt der Stad-Schiffstunnel ab dem Jahr 2025 unter bis zu 300 Meter hohen Felsmassen durch. Er soll dann eine für den Schiffsverkehr problematische Ecke Norwegens entschärfen.

Das Seegebiet um die norwegische Halbinsel Stadland gilt nämlich als tückisch. Nirgendwo in Norwegen soll es stürmischer zugehen. Dazu kommen gefährliche Strömungen, Untiefen, kleinere Inseln und Riffe. Laut der «Welt» haben sich im Gebiet in den vergangenen 75 Jahren 46 schwere Havarien ereignet, bei denen 33 Menschen starben.

Zuletzt war im März des Jahres 2019 nahe Stadland das Kreuzfahrtschiff «Viking Sky» mit mehr als 1300 Personen an Bord nach einem Motorschaden in Seenot geraten. Einige Passagiere an Bord machten damals eindrückliche Videos, wie Menschen und Gegenstände bei bis zu acht Meter hohen Wellen durch das Schiff stürzten.

Sicher und schnell

Bei schlechtem Wetter kann es vorkommen, dass Schiffe in der Gegend teils tagelang in den Häfen warten müssen, bis sich die Bedingungen gebessert haben. Das soll sich durch den neuen Tunnel, der die Halbinsel an der schmalsten Stelle queren wird, ändern. Und natürlich wird auch die Fahrtzeit der Schiffe, die sonst um die Halbinsel kurven müssen, um mehrere Stunden reduziert. Die Fahrt durch den Tunnel könnte bei einer Geschwindigkeit von acht Knoten hingegen gerade mal eine viertel Stunde dauern. 

Der Tunnel liegt unter massivem Felsgestein. Für die 1,7 Kilometer lange Strecke sollen die Schiffe bei 15 Knoten 
Bild: Kystverkets

Wie die «Welt» schreibt, sind bei dem Bauprojekt allerdings nicht nur die Dimensionen beachtlich, sondern auch die technischen Herausforderungen. So lasse sich etwa die Gesamthöhe des Tunnels von rund 50 Meter derzeit nicht mit einem Tunnelbohrer in einem Arbeitsprozess schaffen und die Bohrer müssten unter Wasser gleichsam wie ein U-Boot zu Werke fehen. Problematisch sei nicht zuletzt auch der Abtransport der riesigen Menge von 7,5 Millionen Tonnen Felsgestein.

Teil eines ambitionierten Infrastruktur-Programms

Nichtsdestotrotz ist Norwegen aber gewillt, das aufwendige Tunnelprojekt im Rahmen seines ambitionierten nationalen Transportplans zu realisieren. Bis zum Jahr 2029 will das Land umgerechnet mehrere Milliarden Franken für die Modernisierung seiner Infrastruktur einsetzen, wobei für den Tunnel etwa 380 Millionen Franken bewilligt werden. Allerdings sei schon jetzt klar, dass er rund ein Viertel teurer werde. Einige Experten würden allerdings mit noch beduetend höheren Kosten rechnen.

Technik- und Tunnel-Fans werden dafür ein eindrückliches Bauwerk bestaunen können, das laut der norwegischen Küstenbehörde Kystverkets eher einer «grossen und langen Halle in einem Berg als einem Tunnel ähnelt». Wer sich den Stad-Schiffstunnel dann in ein paar Jahren selbst anschauen will, wird um gewisse Kosten auch nicht herum kommen. Das klappt nämlich wohl nur, wenn man eine Fahrt auf einem entsprechenden Kreuzfahrtschiff bucht. . 

Das Bauwerk ähnle eher eine Halle als einem Tunnel, schreibt die norwegischen Küstenbehörde Kystverkets. 
Bild: Kystverkets