Weniger Luxus, mehr Klimaschutz Ohne die Business Class wäre das Fliegen viel klimafreundlicher

Noemi Hüsser

15.1.2026

Sitze in der Business- oder First-Class verursachen vier- bis fünfmal höhere CO₂-Emissionen als in der Economy.
Sitze in der Business- oder First-Class verursachen vier- bis fünfmal höhere CO₂-Emissionen als in der Economy.
Bild: EPA

Viele Airlines träumen von klimaneutralem Fliegen ab 2050 – doch eine neue Studie zeigt: Der grösste Hebel liegt nicht bei neuen Treibstoffen, sondern in der Kabine.

Noemi Hüsser

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eine neue Studie zeigt, dass Airlines ihre CO₂-Emissionen pro Passagier theoretisch um bis zu 76 Prozent senken könnten – ganz ohne neue Technologien.
  • Haupthebel sind der Austausch alter Flugzeuge, eine höhere Auslastung der Maschinen und der Verzicht auf Premiumkabinen.
  • Besonders das Streichen von Business- und First Class hätte den grössten Effekt, wäre jedoch wirtschaftlich riskant.

Ab 2050 wollen viele Fluggesellschaften «grün» fliegen – ohne Netto-Klimaemissionen. Doch ausgerechnet 2025 hat diesem selbsterklärten Traum einen kräftigen Dämpfer verpasst: Vorzeigeprojekte scheiterten, und auch nachhaltige Flugkraftstoffe kommen kaum vom Fleck.

Umso spannender ist eine neue Studie im Fachmagazin «Communications Earth & Environment»: Sie kommt zum Schluss, dass sich die Emissionen auch ohne neue Triebwerke oder Treibstoffe drastisch senken liessen – theoretisch pro Passagier um bis zu 76 Prozent.

Dafür nennen die Forscher*innen drei Hebel: Erstens sollen Airlines alte, ineffiziente Flugzeuge schneller ausflotten und durch sparsamere Modelle ersetzen.

Zweitens müssten sie die Auslastung weiter erhöhen: 2025 lag sie im Schnitt bei rund 83 Prozent, effizient wäre eher ein Besetzungsgrad von 95 Prozent und mehr.

Wirtschaftlich schmerzhaft für die Airlines

Drittens – mit dem grössten Effekt – sollen Premiumkabinen verschwinden. Wenn Langstreckenjets nur noch mit Economy-Sitzen flögen, würde sich der CO₂-Ausstoss auf mehr Passagiere verteilen.

Diesen Effekt räumt auch der Airline-Dachverband IATA ein. Sitze in der Business- oder First Class verursachen laut dem Verband auf langen Flügen vier- bis fünfmal höhere CO₂-Emissionen als in der Economy.

Diese Klassen abzuschaffen, wäre heikel und wirtschaftlich schmerzhaft: Luxusangebote und die lukrative Premiumkundschaft fielen weg. In der Praxis könnte ein solcher Umbau die Flotte schrumpfen lassen – und einige zahlungskräftige Kundinnen und Kunden in noch klimaschädlichere Privatjets treiben.


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