Reklame am Nachthimmel – Russen planen Werbung im All

tafi

26.1.2019 - 18:00

Der Himmel ist gerade gross genug: Ein russisches Startup will mit Mikrosatelliten gigantische Werbebanner im Orbit platzieren.

Jetzt ist auch das Weltall nicht mehr vor Reklame sicher. Das russische Start-up «StartRocket» plant offenbar, gigantische Werbebotschaften am Himmel zu platzieren. Dafür will das Unternehmen Mini-Satelliten nutzen, die mit reflektierenden Segeln ausgerüstet sind. Die sogenannten «CubeSats» sollen dem Unternehmen zufolge so angeordnet werden, dass sie Schriftzüge und Firmenlogos an den Nachthimmel schreiben können.

Auf den ersten Blick scheint diese Idee zu absurd, um wahr zu sein. Ob es sich um einen Scherz handelt und wie realistisch die Umsetzung dieser Idee ist, lässt sich in der Tat noch nicht abschätzen. Der Initiator des Projekts, Vlad Sitnikov, ist ein erfahrener Werbefachmann und beschreibt sich im Fachmagazin «Astronomy» als «Werbefuzzi mit einer verrückten Idee». Es ist also durchaus vorstellbar, dass seine Ankündigung nur ein PR-Stunt ist.



Andererseits ist die Technik für diese Art von Werbebotschaften vorhanden. CubeSats wurden bereits 1999 von der Stanford University in Kalifornien entwickelt. Die Mini-Satelliten sind ungefähr so gross wie eine Taschentuch-Box und wiegen etwa ein Kilogramm. Sitnikov will sie in etwa 450 Kilometern Höhe um die Erde kreisen lassen und mit etwa neun Meter breiten und hohen Segeln aus Mylar-Folie ausrüsten, die das Sonnenlicht reflektieren.

Ein einziger Satellit wäre damit quasi ein Pixel. Mehrere Satelliten in der richtigen Anordnung könnten dann Botschaften und Firmenlogos in den Nachthimmel schreiben, die während der Dänmmerung überall auf der Welt gesehen werden.

Wie realistisch die Pläne von Sitnikov sind, lässt sich an den Reaktionen von Astronomen und anderen Wissenschaftlern sehen. Sie halten das Unterfangen für machbar, sind allerdings wenig begeistert und laufen bereits Sturm gegen das Projekt, das laut Auskunft auf der Website von «StartRocket» schon im Sommer 2021 startklar sein soll.

Die Firma plant dabei offenbar den schnellen Verschleiss mit ein: Wie die meisten CubeSats würde auch ihre Werbetafel im All nur ein Jahr halten, bevor sie durch eine neue Armada von Satelliten ersetzt werden muss. Für Wissenschaftler wie Patrick Seitzer, Professor für Astronomie an der University of Michigan in Ann Arbor, ist das ein Riesenproblem. In «Astronomy» sagt der Experte für Weltraummüll: «In den Erdumlaufbahnen wird es immer enger, dort treiben bereits mehr als 20'000 Objekte. Weniger als zehn Prozent davon sind aktive Satelliten – der Rest sind tote Satelliten, alte Raketenstufen und Wrackteile von Raumfahrzeugen.»



Auch Seitzers Kollege, der Astronom John Barentine, hält die Weltallwerbung für keine besonders «helle» Idee. Barentine ist Direktor der Naturschutzorganisation «International Dark-Sky Association» und Mitglied des Ausschusses für Lichtverschmutzung, Radiointerferenz und Weltraummüll der American Astronomical Society.

Barentine befürchtet, dass die Minisatelliten das Problem mit der Lichtverschmutzung im All verschärfen und sogar Funksignale stören könnten. Er sieht dadurch sogar die astronomische Forschung bedroht: «Jeder dieser beweglichen Lichtblitze am Nachthimmel kann unsere Fähigkeit beeinträchtigen, Photonen aus astronomischen Quellen zu sammeln.»

Von den wissenschaftlichen Bedenken ganz abgesehen, stellt sich natürlich auch die Frage, inwieweit die Menschen bereit sind, auch noch am Himmel Werbebotschaften sehen zu müssen. Wenn bei einem gemütlichen Abend auf der Alpenhütte oder am Strand plötzlich ein Coca-Cola-Logo am Abendhimmel aufblitzt, dann ist die romantische Stimmung vielleicht schnell dahin.

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