Hygiene Gefährliche Erreger verbreiten sich durch Waschmaschine

SDA/uri

1.10.2019

In Waschmaschinen lassen sich gefährliche Keime finden. (Symbolbild)
In Waschmaschinen lassen sich gefährliche Keime finden. (Symbolbild)
Bild: Getty Images

In einem Kinderspital können Hygieniker nachweisen, dass gefährliche antibiotikaresistente Erreger vom Typ Klebsiella oxytoca über die Waschmaschine auf Neugeborene übertragen werden. 

Glücklicherweise kam es nach der Übertragung der Keime nicht zu einer gefährlichen Infektion. Quelle war eine handelsübliche Waschmaschine, in der Kleidungsstücke der Neugeborenen gewaschen wurden.

Der Fall lasse aufhorchen, zumal auch in Haushalten mit zu pflegenden Menschen antibiotikaresistente Bakterien über die Waschmaschine übertragen werden könnten, erklärten die Wissenschaftler der Universität Bonn. In einer weiteren Studie soll nun dieser Verbreitungsweg genauer untersucht werden.

Die Forscher berichteten über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen im Journal «Applied and Environmental Microbiology». Auf der Neugeborenenstation eines Kinderspitals in Deutschland wurde demnach bei routinemässigen Hygienescreenings vermehrt das Bakterium Klebsiella oxytoca festgestellt. Das Bakterium kann zu Magen-Darm- und Atemwegsinfektionen und im schlimmsten Fall zur tödlichen Sepsis führen.

Gängige Antibiotika wirkungslos

In diesem besonderen Fall konnten gängige Antibiotika gegen diesen Erreger nur eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr eingesetzt werden. Nachdem der Keim wiederholt auf Neugeborene übertragen worden und intensive Hygieneinterventionsmassnahmen erfolglos blieben waren, zog das Spital das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit (IHPH) des Universitätsklinikums Bonn hinzu.



«Dieser Klebsiella-oxytoca-Typ war so einzigartig, dass er bisher in dieser Form noch nicht in der Datenbank des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Gramnegative Krankenhauserreger erfasst war», erläuterte die Leiterin des One Health-Fachbereichs am IHPH, Ricarda Schmithausen. Diese Besonderheit war den Angaben zufolge ein Vorteil, weil sich dadurch der Verbreitungsweg eindeutig nachvollziehen liess. Weder Eltern noch das Pflegepersonal hatten die Bakterien übertragen.

«Der Klebsiella-oxytoca-Typ war eindeutig im Spülfach und am Türgummi einer Waschmaschine im Keller nachzuweisen, mit der die handgestrickten Söckchen und Mützchen der Babys auf der Station gewaschen wurden», berichtete der Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universitätskliniken Bonn, Martin Exner. Über die Kleidung wurden die Keime auf die Neugeborenen übertragen.

Normalerweise spezielle Waschverfahren

Normalerweise sind demnach in Spitälern spezielle Waschmaschinen und Waschverfahren im Einsatz, die bei hohen Temperaturen und mit Desinfektionsmitteln waschen – oder ausgewiesene Wäschereien bereiten die Wäsche extern auf. Auf der Frühgeborenenstation handelte es sich bei dem etwas länger zurückliegenden Fall dagegen um eine handelsübliche Waschmaschine, wie die Bonner Universität weiter berichtete. «Es handelt sich um einen Sonderfall», betonte Schmithausen.



In Studien wurde bereits beschrieben, dass sich antibiotikaresistente Bakterien in Waschmaschinen einnisten können. «Wir haben jedoch erstmals nachgewiesen, dass es durch eine Waschmaschine auch zur Übertragung von antibiotikaresistenten Keimen auf den Menschen kommen kann», berichtete Exner.

Trend zu niedrigen Waschtemperaturen

Dieses Resultat habe unter anderem auch Konsequenzen für den häuslichen Bereich. Denn aus Umweltschutzgründen gehe bei üblichen Haushaltsmaschinen der Trend zu niedrigeren Temperaturen deutlich unter 60 Grad Celsius. Dies sei im Prinzip eine sehr positive Entwicklung, weil dadurch Energie eingespart und das Klima geschont werde, erklärten die Forscher.

Sofern jedoch pflegebedürftige, ältere Menschen mit offenen Wunden oder Blasenkathetern oder auch jüngere Menschen mit eiternden Verletzungen oder Infektionen im Haushalt lebten, sollte die Wäsche bei höheren Temperaturen – zum Beispiel 60 Grad – gewaschen werden, um die Übertragung von gefährlichen Keimen zu vermeiden. Hygieniker sehen darin eine wachsende Herausforderung, weil die Zahl der in Familien versorgten Pflegebedürftigen ständig zunimmt.

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