Er lag schon auf dem Sterbebett – Medizinstudent heilt sich selbst

tafi

16.9.2019 - 16:39

David Fajgenbaum (34) hat in buchstäblich letzter Sekunde eine Therapie für eine seltene Krankheit entdeckt, die ihn fast das Leben gekostet hätte.
Bild: Facebook/@davidfajgenbaum

Seine Familie hat schon die letzte Ölung bestellt, doch ein Medizinstudent aus den USA weigert sich zu sterben. David Fajgenbaum findet stattdessen in Rekordzeit selbst eine Therapie, die ihm das Leben rettet.

Dass David Fajgenbaum, heute 34, gerade sein Buch «Chasing My Cure: A Doctor's Race to Turn Hope into Action» (deutsch: «Auf der Jagd nach meiner Heilung: Der Wettlauf eines Arztes, um aus Hoffnung Taten zu machen») vorstellen konnte, grenzt an ein Wunder. Fajgenbaum litt seit 2010 unter der seltenen Krankheit Morbus Castleman, einer Autoimmunerkrankung, die das Lymphsystem angreift.

Immer wieder musste der junge Mann mit geschwollenen Lymphknoten und Tumoren ins Spital. Immer wieder musste er aggressive Chemotherapien über sich ergehen lassen, mit denen er sich ein paar Monate Lebenszeit kaufte. Eine Rettung war freilich nicht in Sicht – und zu Weihnachten 2013 schien sein letztes Stündlein geschlagen zu haben.

Student kämpft um sein Leben

Die Anzahl der Blutplättchen in seinem Blut war so gering, dass ein leichter Stoss ausgereicht hätte, um eine tödliche Hirnblutung auszulösen. Ein Arzt im Spital der University of Arkansas empfahl Fajgenbaum schon, sein Testament zu verfassen.

Doch Fajgenbaum ist ein Kämpfer. Sein Engagement in der Krebsforschung war dabei nicht nur seinem Überlebenswillen geschuldet. Er hatte beschlossen, Onkologe zu werden, nachdem seine Mutter im Jahr 2004 einem Krebsleiden erlag. 2010, im dritten Jahr seiner Studienzeit, erlitt Fajgenabum dann den ersten Schub von Morbus Castleman, drei weitere sollten in den kommenden Jahren folgen.



Jedes Mal wurde der einst kerngesunde Football-Spieler schwächer. Der Medizinstudent erkannte, dass er die Forschung an der Krankheit selbst in die Hand nehmen müsste, um eine Chance zu haben. Mit den herkömmlichen Methoden würde die Wissenschaft zu lange brauchen, um eine Therapie zu finden und sein Leben dauerhaft zu retten.

2012 gründete er deshalb das Netzwerk «Castleman Disease Collaborative Network» und brachte Spitzenforscher zusammen, um konzentriert an der Erforschung der Krankheit zu arbeiten und eine Kur zu finden. Fajgenbaum organisierte das Netzwerk wie ein Unternehmen, priorisierte, koordinierte, traf Management-Entscheidungen – und hatte schliesslich, kurz nachdem ihm die letzte Ölung verabreicht werden sollte, Erfolg.

Erleuchtung auf dem Sterbebett

Beim Studium seiner Labordaten auf dem Krankenbett hatte Fajgenbaum eine Eingebung. Ein bereits zugelassenes Medikament, ein Immunsuppressivum, das bei Nierentransplantationen zur Anwendung kommt, könnte auch ihm helfen. Nach Rücksprache mit den Behörden bat Fajgenbaum seinen Arzt, ihm das Medikament zu verschreiben.



Dann holte er es im Februar 2014 in einer Apotheke ab – nur wenige hundert Meter von seiner Wohnung entfernt. «Das Medikament, das mein Leben retten könnte, steckte vor meinen Augen» sagte Fajgenbaum dem amerikanischen Sender CNN.

Mehr als fünf Jahre später ist Fajgenbaum mit seiner High-School-Liebe verheiratet, das Paar hat eine kleine Tochter und der ehemalige Medizinstudent ist ein angesehener Assistenzprofessor. Morbus Castleman  ist seitdem bei ihm nicht mehr ausgebrochen.

David Fajgenbaum ist heute ein glücklicher Familienvater.
Bild: Facebook/@davidfajgenbaum

Fajgenbaums ist dank seiner effizienten Forschungsarbeit auch auf dem Radar der «Chan Zuckerberg Initiative» gelandet. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan haben sie ins Leben gerufen, um bis zum Ende des Jahrhunderts alle Krankheiten der Welt auszurotten.

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