Sperma-Qualität sinkt dramatisch

6.3.2019 - 11:29, tafi

Glaubt man einer Studie in der Fachzeitschrift «Nature», verlieren Männer ihre Fruchtbarkeit zu Hause: Giftige chemische Verbindungen reduzieren die Sperma-Qualität drastisch.
DPA / Symbolbild

Unsere Häuser und unsere Nahrung sorgen für eine rapide Abnahme der männlichen Fruchtbarkeit. Das haben britische Forscher herausgefunden. Auf die Spur gebracht wurden sie von Hunden.

Männliches Sperma ist auch nicht mehr das, was es mal war. In den letzten 80 Jahren ist die Qualität um die Hälfte gesunken, haben britische Wissenschaftler nun herausgefunden. Im Wissenschaftsmagazin «Nature» veröffentlichte eine Forschergruppe von der University of Nottingham die Ergebnisse einer Studie, nach der sich die Ursachen für die dramatische Verschlechterung der reproduktiven Fähigkeiten der Männer im heimischen Wohnzimmer finden.

Kurioserweiser waren es Hunde, die die Wissenschaftler bei der Ursachenforschung auf die richtige Fährte brachten. Denn auch beim besten Freund des Menschen ist ein Rückgang der Fruchtbarkeit zu beobachten. Diese Erkenntnis machte das Team neugierig: Hatte etwa die gemeinsame Umgebung, in der Mann und Tier leben, etwas damit zu tun?



«Unsere Studie untermauert die These, dass der Haushund tatsächlich ein Spiegel der Zivilisationsgeschichte des Menschen ist», sagt Richard Lea, Reproduktionsbiologe an der University of Nottingham im australischen Online-Magazin «Science Alert».  Hund und Mensch sind den gleichen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Und die sind für ihre Gesundheit nicht förderlich. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die Abnahme der Spermienqualität auf gefährliche Chemikalien zurückzuführen ist.

Sie identifizierte zwei von Menschen hergestellte chemische Verbindungen, die häufig in Haushalten und in Nahrungsmitteln vorkommen und die gleichen nachteiligen Auswirkungen sowohl auf menschliche Spermien als auch auf Hundespermien haben. Eine davon ist DEHP, der wichtigsten Weichmacher auf Phthalatbasis, der häufig in Teppichen, Fussböden, Kleidung und Spielzeug vorkommt. Mit der Zeit entweicht DEHP aus Kunststoffen und kann in Nahrungsmittel gelangen. Forscher der ETH Zürich hatten bereits im vergangenen Jahr nachgewiesen, dass sich Weichmacher negativ auf den Nachwuchs von Schweinen auswirken.



Die zweite Stoff ist polychloriertes Biphenyl 153, das zu einer Gruppe von Industriechemikalien gehört. In den 1960er- und -70er Jahren unter anderem beim Hausbau eingesetzt, wird es mitterweile als giftig und krebserregend eingestuft.

In identischen Experimenten mit dem Sperma von Mensch und Hund zeigte sich, das DEHP und BP153 eine verringerte Spermienbeweglichkeit und eine erhöhte Fragmentierung der DNA zur Folge hatten. Der Mensch, so die Wissenschaftler, beraubt sich also selbst seiner Zukunft.

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