Vorfall nach geglücktem Start Erstflug von Ariane 6 endet unplanmässig

SDA

10.7.2024 - 05:05

Ariane 6 beim Start in Französisch-Guayana am 9. Juli 2024.
Ariane 6 beim Start in Französisch-Guayana am 9. Juli 2024.
Keystone/Stephane Corvaja/European Space Agency via AP

Der Start der neuen Rakete Ariane 6 war ein Erfolg. Doch eine Sache verlief nicht nach Plan.

10.7.2024 - 05:05

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die europäische Trägerrakete ist am Dienstag gegen 21 Uhr Schweizer Zeit ins All aufgebrochen.
  • Damit hat die europäische Raumfahrt wieder einen eigenständigen Zugang zum Weltraum.
  • Der Start verlief problemlos – wenn auch mit vier Jahren Verspätung.
  • Das Ende des Erstflugs ist hingegen nicht wie vorgesehen abgelaufen.
  • Als eines von 13 Ländern ist die Schweiz am Ariane-Programm beteiligt.

Das Ende des Erstflugs der neuen europäischen Trägerrakete Ariane 6 ist nicht wie vorgesehen abgelaufen. Dennoch werten die Beteiligten den Flug durchgehend als klaren Erfolg.

Ein Hilfsantrieb in der Oberstufe zündete zwar zunächst, stoppte dann aber, wie der Chef des Raketenbauers Arianegroup, Martin Sion, sagte. «Wir haben ein Vorkommnis, das wir noch nicht verstehen» – nämlich warum der Hilfsantrieb gestoppt habe. «Aber der Rest der Mission verlief nach Plan.»

Vorgesehen war, dass die Rakete bei ihrem Jungfernflug 17 Nutzlasten ins All bringt. Am Ende sollte die Oberstufe auf dem Weg zurück zur Erde verglühen. Weil der Hilfsantrieb stoppte, zündete das Vinci-Triebwerk der Oberstufe nicht erneut, um die zwei letzten technischen Passagiere auszusenden. Sie werden nun in der Oberstufe bleiben, die im All verbleibt.

Testphase um Informationen zu sammeln

Sion erklärte, bei dem Flug habe es zunächst die Startphase gegeben, in der mehrere Satelliten ausgeliefert wurden. «Alles lief perfekt.» Danach habe es eine Demonstrationsphase gegeben, um zu schauen, wie sich die Oberstufe der Rakete in sogenannter Mikrogravitation verhält, einem Zustand, in dem die Gravitationskraft nicht oder extrem schwach wirkt.

Der Chef des Raketenbauers sagte zu dem Vorfall: «Das ist bedauerlich, aber das ist auch der Grund, weshalb wir eine technische Demonstration vornehmen, weil es Dinge gibt, die wir nicht am Boden testen können.» Mit der Testphase am Ende des Erstflugs habe man so viele Informationen wie möglich sammeln wollen.

Information zu späterem Zeitpunkt

Die notwendigen Daten, um den Vorfall genauer zu beleuchten, seien noch nicht verfügbar. Sobald klar sei, was genau vorgefallen sei, werde man die Allgemeinheit informieren, sicherte Sion zu.

Die Ariane 6 ist das Nachfolgemodell der Ariane 5, die von 1996 bis Sommer 2023 im Einsatz war. Sie soll Satelliten für kommerzielle und öffentliche Auftraggeber ins All befördern und ist deutlich günstiger als ihre Vorgängerin.

Die 56 Meter hohe und 540 Tonnen schwere Rakete fliegt auch dank der Schweiz. Als eines von 13 Ländern ist die Schweiz am Ariane-Programm beteiligt. Ausserdem haben Schweizer Unternehmen die Nutzlastverkleidung, die zum Schutz der Satelliten dient, und die Booster gebaut. Die Booster sind die Röhren, die seitlich der Rakete angebracht sind. Die Rakete braucht sie, um vom Boden abzuheben.

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