Forscher enthüllen neue DetailsUrzeit-Hai Megalodon war wohl kleiner als gedacht
SDA
10.3.2025 - 23:07
Wie gross war der Uhrzeit-Hai wirklich?
AP
Für Regisseure schauriger Hai-Filme ist es keine gute Nachricht: Der ausgestorbene Mega-Hai Megalodon war womöglich keineswegs eine vergrösserte Ausgabe des bullig wirkenden Weissen Hais, sondern ein weitaus schlankeres Geschöpf. Das bestätigt eine weitere Studie.
Von der Form her habe er eher einem Zitronenhai geähnelt, vermutet das Forschungsteam im Fachjournal «Palaeontologia Electronica». Riesig sei er mit gut 24 Metern Länge aber wahrscheinlich durchaus gewesen.
Damit wäre der Megalodon – Fachname: Otodus megalodon – etwa sechsmal so lang wie ein Weisser Hai gewesen. Seine Grösse entspräche damit eher der eines Blauwals, und mit einem geschätzten Gewicht von rund 94 Tonnen wäre er auch annähernd so schwer. Der zylindrische Körper des Megalodon war den Forschenden zufolge vermutlich eher auf energieeffizientes Reisen als auf Hochgeschwindigkeitsjagden ausgelegt.
Megalodon als Gigantismus-Extrem
Mit dem massigen Raubtier, das in reisserischen Filmen zu sehen ist, hatte er demnach wohl wenig gemein. «Beim Gigantismus geht es nicht nur darum, grösser zu werden, sondern auch darum, den richtigen Körper zu entwickeln, um in dieser Grösse zu überleben», erklärte Mitautor Phillip Sternes. «Und der Megalodon war vielleicht eines der extremsten Beispiele dafür.»
Bekannt wurde der Urzeit-Hai unter anderem durch die Science-Fiction-Filme «Meg» und «Meg 2: Die Tiefe», in denen solche Giganten aus der Tiefe kommen. Von der Art, die vor rund 15 bis 3,6 Millionen Jahren lebte und die fast weltweit in den Meeren verbreitet war, wurden bislang keine vollständigen Skelette gefunden, sondern vor allem einzelne riesige Zähne und Wirbel. Für die Bestimmung von Grösse und Form sind Forschende daher auf Schätzungen angewiesen.
Wirbelsäulen-Vergleich liefert neue Schlüsse
Wegen ähnlich gezackter Zähne wurde lange Zeit angenommen, dass sich Megalodon und Weisser Hai stark ähnelten. Ein Forschungsteam um Kenshu Shimada von der DePaul University in Chicago analysierte die versteinerte, elf Meter lange Wirbelsäule eines Megalodon. Anstatt auf Zahnanalysen zu setzen, verglichen die Wissenschaftler die Wirbelsäule mit 165 lebenden und ausgestorbenen Haiarten, um die Proportionen von Kopf, Körper und Schwanz des prähistorischen Riesenhais zu rekonstruieren.
Für dieses Exemplar schätze das Forschungsteam eine Gesamtlänge von gut 16 Metern bei etwa 30 Tonnen Gewicht. Abgeleitet von anderen, weitaus grösseren gefundenen Wirbeln gehen sie zudem davon aus, dass mehrere Jahrzehnte alte Megalodons mehr als 24 Meter lang sein konnten.
Auch mit den Proportionen befasste sich das Team. Weisse Haie (Carcharodon carcharias) haben einen stämmigen, für schnelle Bewegungen günstigen Körperbau mit breitem Mittelteil, der sich zum Schwanz hin stark verjüngt. Beim Megalodon hingegen habe es sich wahrscheinlich um ein Mittelding zwischen blitzschnellem Räuber und gemütlich dahingleitendem Reisenden gehandelt.
Eher eine Art übergrosser Zitronenhai
«Er ähnelte nicht einem übergrossen Weissen Hai, sondern eher einem riesigen Zitronenhai mit einem schlanken, langgestreckten Körper», erklärte Sternes. Diese Form sei für ein derart grosses Tier physikalisch viel sinnvoller, um sich effizient durch Wasser bewegen zu können. Auch moderne Riesenhaie wie der Walhai (Rhincodon typus) und der Riesenhai (Cetorhinus maximus) sowie andere riesige Wasserwirbeltiere wie Wale hätten schlanke Körper.
Als Neugeborenes sei ein Megalodon womöglich bereits dreieinhalb bis vier Meter lang und damit so gross wie viele ausgewachsene Haie heutiger Arten gewesen. «Es ist durchaus möglich, dass Megalodon-Junge bereits kurz nach ihrer Geburt Meeressäuger erlegten», so Sternes.
Erst ein neuer Fund wird Klarheit bringen
Alle ihre Interpretationen seien Arbeitshypothesen und noch vorläufig, betonen die Forschenden auch – letztlich werde erst der Fund eines vollständigen Skeletts Sicherheit bringen. Die Ergebnisse stützen eine frühere Analyse des Teams mit Phillip Sternes als Erstautor. Dabei waren Computertomographie-Scans der Wirbel eines Weissen Hais und Daten des Megalodon aus früheren Studien genutzt worden. Schon diese Ergebnisse legten nahe, dass der Megalodon nicht einfach eine riesige Version des modernen Weissen Hais war.
Die Schlussfolgerung, dass er wohl schlanker war als lange angenommen, sei nachvollziehbar, hatte Timo Moritz vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund, der selbst nicht an der Studie beteiligt war, dazu erklärt.
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