"Auswüchse verhindern": Stadt Bern will Airbnb & Co Grenzen setzen

16.5.2018 - 16:22, SDA

Der Berner Gemeinderat will dafür sorgen, dass in der Altstadt auch in Zukunft vor allem Einheimische wohnen. Mit einer Revision der Bauordnung will er verhindern, dass zusehends Wohnungen in Zweitwohnungen umgewandelt und regelmässig für kurze Dauer vermietet werden.

Die am Mittwoch präsentierte Vorlage geht bis Mitte Juni in die öffentliche Mitwirkung. Die Stadtregierung folgt damit einem Auftrag des Parlaments, das Anfang 2017 Massnahmen gegen den "Zweitwohnungs-Boom" in der Altstadt verlangt hatte.

Der Motionär störte sich an den Wohnungen, die gar nicht vom Besitzer genutzt oder normal vermietet werden - sondern zum Beispiel als möblierte Wohnungen zu hohen Preisen an Geschäftsleute vermietet werden, die nur kurz in Bern sind.

Im Visier hatte das Parlament auch Wohnungen, die dauerhaft auf Airbnb und anderen Online-Plattformen angeboten werden. Das führe zu einer Verödung der Altstadt, hiess es in der Ratsdebatte.

In anderen europäischen Städten ist das Problem weit grösser. Zustände wie in Amsterdam oder Barcelona gebe es in Bern nicht, betonte Stadtpräsident Alec von Graffenried am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. "Die Lage ist nicht besorgniserregend."

Vorbeugende Regelung

Dem Gemeinderat gehe es vielmehr darum, proaktiv zu handeln. Mit der vorliegenden Regelung bekäme die Stadt ein Instrument in die Hand, um Auswüchsen vorzubeugen. Die Umwandlung von Wohnungen in Zweitwohnungen und deren regelmässige Kurzzeit-Vermietung könnte juristisch womöglich auch anders bekämpft werden, doch das ist umstritten.

Von Graffenried betonte, dass die Stadtregierung keineswegs Airbnb & Co verbieten möchte. Wer seine Wohnung oder ein einzelnes Zimmer hin und wieder auf einer Online-Plattform anbietet, soll das weiter tun dürfen. Das sei ja durchaus sinnvoll, sagte von Graffenried.

"Temporäre Wohnnutzungen generieren auch positive Effekte für die Stadt Bern", heisst es auch in einem Grundlagenbericht in den Mitwirkungsunterlagen. Zehn Prozent der Angebote auf Airbnb seien aber mehr oder weniger dauernd ausgeschrieben. "Sie haben somit gewerblichen Charakter." Es sind diese zehn Prozent, die dem Gemeinderat ins Auge stechen.

Lebendige Lauben

Mit der Teilrevision der Bauordnung schlägt die Stadtregierung noch weitere Neuerungen vor. So sollen die Laubengeschosse der Unteren Altstadt in Zukunft Detailhandelsgeschäften, Beizen, dem Kleingewerbe und kulturellen Nutzungen vorbehalten sein.

Finanzdienstleister und dergleichen sollen keinen Platz haben. Die Untere Altstadt solle "ein lebendiger Ort für Bewohner und Besucher" bleiben, schreibt der Gemeinderat zur Begründung.

Zurück zur Startseite

Weitere Artikel