Soziales Stadt Bern kommt in Bericht zu Software Citysoftnet schlecht weg

dagr, sda

25.6.2024 - 13:31

Das neue Fallführungssystem Citysoftnet bereitet der Stadt Bern noch immer Probleme. Ein am Dienstag veröffentlichter externer Untersuchungsbericht hat die Stadt stark kritisiert. (Symbolbild)
Das neue Fallführungssystem Citysoftnet bereitet der Stadt Bern noch immer Probleme. Ein am Dienstag veröffentlichter externer Untersuchungsbericht hat die Stadt stark kritisiert. (Symbolbild)
Keystone

Die Software Citysoftnet bereitet der Stadt Bern noch immer Probleme. In einem am Dienstag veröffentlichten externen Untersuchungsbericht wird die Stadt für Versäumnisse rund um die Einführung des neuen Verwaltungsprogramms stark kritisiert. Der Gemeinderat will die Erkenntnisse aus dem Bericht möglichst rasch umsetzen.

25.6.2024 - 13:31

Die Gemeinderatsmitglieder Franziska Teuscher (Grünes Bündnis) und Reto Nause (Mitte) bedauerten an einer Medienkonferenz am Dienstag die Vorkommnisse rund um Citysoftnet. Beide sagten, dass sie die politische Verantwortung übernehmen würden. Die Software zur Bearbeitung von Fällen war im Juni 2023 im Sozialamt und im Amt für Erwachsenen- und Kindesschutz (EKS) eingeführt worden.

Als Sozialdirektorin fühle sie sich sehr betroffen, sagte Teuscher. Sie entschuldige sich bei den Mitarbeitenden. «Die Situation ist inakzeptabel.» Auch Nause entschuldigte sich. Es seien leider Fehler passiert.

Der Gemeinderat wolle nun die im Untersuchungsbericht enthaltenen Empfehlungen umsetzen und die Probleme rund um die neue Software so schnell wie möglich beheben.

Man stehe bereits besser da als im September 2023, sagte Teuscher. Damals informierte die Stadt über die Probleme mit der Software. So will Teuscher etwa in ihrer Direktion möglichst rasch die interne Kommunikation verbessern und Personalressourcen aufstocken sowie die Kompetenzen in der Business-Analyse ausbauen, um die Ämter und Führungskräfte besser zu unterstützen und zu schulen, dies auch für künftige IT-Projekte.

Nachkredite benötigt

Bei der Aufarbeitung mithelfen soll eine direktionsübergreifende Taskforce, der Nause vorsteht. Darin sollen «Optimierungsmassnahmen» auf verschiedenen Ebenen ausgearbeitet werden.

«Wir nehmen die Probleme sehr ernst», sagte Claudia Hänzi, die Leiterin des städtischen Sozialamts. Der Bericht gebe aber auch die Sicherheit, dass das Projekt auf dem richtigen Weg sei.

Sämtliche grossen Probleme, die die Software verursacht hatte, seien erkannt und gelöst, sagte Thomas Alder, der Gesamtprojektleiter von Citysoftnet.

Nicht anwesend war die Leiterin des EKS, sie war krankgeschrieben. Ebenfalls nicht vor Ort war eine Vertretung von Emineo, der Softwareentwicklungsfirma von Citysoftnet.

Die Nachbesserungen, die für Citysoftnet nötig sind, führen zu Zusatzkosten. Diese würden momentan erhoben, sagte Hänzi. Hierfür werde der Gemeinderat dem Stadtrat Nachkredite beantragen müssen. Bereits im letzten Januar hatte das Stadtparlament einen Nachkredit gesprochen, es war dies der insgesamt dritte. Das Projekt hat bislang rund 20 Millionen Franken gekostet.

Lückenhafte Kommunikation, ungenügende Schulungen

Im Bericht des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PWC ist in sieben Punkten aufgeführt, was rund um Citysoftnet alles schief gelaufen ist und wie die Fehler aufgearbeitet oder künftig verhindert werden könnten. Der Bericht datiert vom 2. Mai und wurde am Dienstag von der Stadt veröffentlicht.

Im Bericht steht etwa, der Stadt habe es an internen Kompetenzen und Ressourcen gefehlt bei der Einführung der Software. Vorhandene Ressourcen seien unzureichend geplant gewesen und es habe an Prozessbeschrieben gefehlt. Auch sei die Kommunikation ungenügend gewesen.

Mitarbeitende seien unzureichend sensibilisiert und geschult, der Umfang und die Durchführung in der Testphase unterschätzt worden. Dies insbesondere auch von der Softwareentwicklungsfirma Emineo. Die Firma habe das Projekt und die Komplexität seit Beginn der Planungen unterschätzt und somit auch nicht in der versprochenen Zeit und Qualität liefern können.

Welche Personen oder Positionen seitens der Stadt für die Versäumnisse verantwortlich sind, ist dem Bericht nicht zu entnehmen. Ebenso schweigt er sich über die Rolle des Gemeinderats aus.

Im Bericht steht aber auch, dass technische und organisatorische Herausforderungen für Projekte dieser Komplexität und Länge nicht ungewöhnlich seien. Citysoftnet sei auf technischer Ebene mehrheitlich erfolgreich umgesetzt worden.

Mit Citysoftnet arbeiten bislang das EKS und das Sozialamt. Im Sozialamt ist die Situation entspannter als im EKS, wobei die Einführung der neuen Software im EKS aus technischen Gründen viel komplexer ist, wie es an der Medienkonferenz hiess.

Bis Ende des laufenden Jahres sollen die meisten Probleme behoben sein, hiess es weiter.

Zürich und Basel folgen bald

Recherchen von «Berner Zeitung und «Bund» hatten letzte Woche von grossen Problemen im Sozialamt und im EKS der Stadt Bern berichtet, verursacht durch Citysoftnet. Die Software hatte von Beginn weg nicht richtig funktioniert. Dies hatte zu Problemen bei Klienten gesorgt, etwa wenn Mieten oder Krankenkassenrechnungen nicht rechtzeitig beglichen wurden.

Zudem war von wachsenden Pendenzenbergen, Kündigungen, krankgeschriebenen Mitarbeitenden und Burnouts in den beiden Ämtern die Rede.

Citysoftnet ist ein gemeinsames Projekt der Städte Bern, Basel und Zürich. Zürich will die Software demnächst einführen, wie das Sozialdepartement am Montag mitteilte. Basel soll «frühestens auf Mitte 2025» folgen, schrieb das Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt des Kantons Basel-Stadt auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

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