Takt für die Weltzeit kommt auch aus Bern

SDA

17.12.2018 - 14:41

Dass die sprichwörtlich langsamen Berner alle Zeit der Welt haben, ist bekannt. Dass sie aber auch die Weltzeit mitbestimmen, ist neu. Am Institut für Metrologie (METAS) in Wabern bei Bern steht dazu eine ganz spezielle Uhr.

Sie trägt den Namen Fontaine Continue Suisse, kurz FoCS. Entwickelt hat sie METAS zusammen mit der Universität Neuenburg, wie aus einer Mitteilung des Instituts vom Montag hervorgeht.

Seit Kurzem ist die FoCS vom Internationalen Büro für Mass und Gewicht in Paris als sogenannte Primärfrequenznormale anerkannt. Die Institution in Paris ermittelt aus Daten von rund 350 Atomuhren rund um den Globus eine Weltzeit, die für alle Zeitzonen den Takt angibt.

Für die Feinjustierung der Weltzeit spielen speziell genaue Atomuhren eine Rolle. Sie werden Primärfrequenznormale genannt. Rund ein Dutzend solcher Zeitmesser tragen auf der ganzen Welt zu einem exakten Ergebnis bei. Mit der FoCS leistet die Schweiz erstmals einen direkten Beitrag zur Feinjustierung der Weltzeit.

Sekunden und Kilos, die keine mehr sind

Ursprünglich war die Einheit der Zeit die Sekunde. Sie wurde durch die Drehung der Erde um ihre eigene Achse festgelegt. Seit gut 50 Jahren geht es aber noch viel präziser. So fanden Forscher heraus, dass die Schwingungen in Cäsiumatomen so regelmässig sind, dass man mit Atomuhren die Zeit mit höchster Genauigkeit bestimmen kann.

Im METAS in Wabern steht übrigens auch das Ur-Kilogramm der Schweiz, eine exakte Kopie des Ur-Kilos in Paris. Doch in einigen Jahren dürfte der Zylinder aus Platin und Iridium im Museum landen. Ab kommendem Sommer soll auch das Kilo nicht mehr durch ein physisches Objekt, sondern durch eine Naturkonstante definiert werden. Denn: der Platin-Zylinder in Paris schrumpft ganz allmählich.

Wer nun hofft, dass bald die überflüssigen Pfunde purzeln, wenn er auf die Waage steigt, könnte sich irren. Die Veränderungen bewegen sich im Mikrobereich. Doch die Wissenschaft ist auf höchst exakte Messungen angewiesen und so wird man sich nächstes Jahr vom minimst schrumpfenden Ur-Kilo verabschieden.

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