Nidwalden arbeitet seine fürsorgerischen Zwangsmassnahmen auf

rl, sda

27.10.2021 - 10:00

"Verdingkinder", eine Ausstellung von 2018 im Kanton Glarus. Nun arbeitet auch Nidwalden dieses dunkle Kapitel auf. (Archivaufnahme)
Keystone

Nidwalden arbeitet die im eigene Kanton vor 1981 angeordneten fürsorgerischen Zwangsmassnahmen wissenschaftlich auf. Der Landrat hat am Mittwoch einen Kredit von 310'000 Franken mit 52 zu 0 Stimmen bei 2 Enthaltungen genehmigt.

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27.10.2021 - 10:00

Das Schicksal der Verdingkinder und anderer Personen, die administrativ versorgt wurden, ist in der Schweiz seit Jahren ein Thema. Bis 1981 wurden zehntausende Kinder und Jugendliche von Behörden auf Bauernhöfe als billige Arbeitskräfte verdingt. Weitere Personen wurden in streng geführten Heimen oder in geschlossenen Einrichtungen untergebracht.

Viele Betroffene würden noch heute unter den schlechten Behandlungen und dem Unrecht, das ihnen angetan wurde, leiden, sagte die Nidwaldner Sozialdirektorin Michèle Blöchliger (SVP) im Landrat.

2017 erliess der Bund zur Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der Schweizer Sozialpolitik und zur Wiedergutmachung des Unrechts ein Gesetz. Nun soll auch im Kanton Nidwalden das Thema systematisch aufgearbeitet worden. Angestossen worden sei dies von Betroffenen, die auf die Sozialdirektion zugekommen seien, sagte Blöchliger.

Drastische Einzelschicksale

Es gebe eindeutige Hinweise, dass auch in Nidwalden Personen, die in Heimen, Anstalten und fremden Familien untergebracht wurden, Opfer von Gewalt und Missbrauch geworden seien, erklärte der Regierungsrat in seinem Bericht an den Landrat. Dossiers im Staatsarchiv berichteten von drastischen Einzelschicksalen.

Die Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen im Kanton Nidwalden sollen von unabhängigen Personen wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Auch die Betroffenen sollen zu Wort kommen. Es ist vorgesehen, das Forschungsprojekt an einer Universität anzusiedeln, damit ein wissenschaftliches Netzwerk genutzt werden könne.

Zügig erarbeiten

Mit im Boot sind bei dem Projekt die Gemeinden und die Landeskirchen. Die Forschungsergebnisse sollen bis 2024 veröffentlicht werden. Das Resultat solle zügig publiziert werden, solange die Opfer der früheren Fürsorgepolitik noch lebten, erklärte Blöchliger.

Der Kanton rechnet damit, dass die geschichtliche Aufarbeitung 360'000 Franken kosten werde. 50'000 Franken hat der Regierungsrat bereits aus dem Fonds «Alkoholzehntel» gesprochen, die restlichen 310'000 Franken genehmigte nun der Landrat. Vereinzelt gab es Kritik an der Höhe der Kosten, vor allem an den Druckkosten.

Bis auf Dallenwil beteiligen sich alle Gemeinden finanziell am Projekt. Auch die Landeskirchen hätten eine finanzielle Beteiligung signalisiert, erklärte Blöchliger.

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