Schwyzer Staatsarchiv expandiert in ehemalige Munitionsanlage

SDA

8.4.2021 - 14:58

Wo die Schweizer Armee einst Munition gelagert hatte, werden künftig alte Maturaprüfungen oder Hellebarden aufbewahrt: Das Schwyzer Staatsarchiv bezieht nächste Woche im Schrutenloch, einer ehemaligen, 1956 vollkommen unterirdisch erbauten Munitionsanlage, zwei neue Aussenräume. Damit kann es akute Platzprobleme lösen.

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8.4.2021 - 14:58

Auf der Einladung für den Medienrundgang durch die Anlage vom Donnerstag empfahl der Vorsteher des Schwyzer Amts für Kultur, Valentin Kessler, warme Kleider anzuziehen. Doch an diesem Morgen lag die Temperatur draussen um den Gefrierpunkt, drinnen war es zehn Grad wärmer.

Zwar sei die optimale Temperatur für die Lagerung von Akten und Objekten laut Lehrbuch einige Grad höher. Etwa bei 16 Grad. Viel wichtiger sei aber eine konstante Temperatur und eine konstante relative Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent. «Und dies ist hier drinnen definitiv gewährleistet», sagte Kessler.

Nicht vom ersten Moment an war der Staatsarchivar so überzeugt vom neuen Aussenmagazin in der ehemaligen Munitionsanlage, gestand er. An diesem Morgen aber, wenige Tage vor dem Bezug, hatte er aber nur noch mehr positive Worte dafür übrig: Es sei grösser als ursprünglich angenommen. Es konnte schneller realisiert werden als ursprünglich angenommen. Und es sei um einiges günstiger geworden als ursprünglich angenommen.

Kampf mit knappen Platzressourcen

Das Schwyzer Staatsarchiv hatte 2002 neue Räumlichkeiten im Kollegi-Gebäude in Schwyz bezogen. Doch auch dort neigten sich die Platzreserven irgendwann dem Ende zu. Und mit Platzproblemen zu kämpfen hatte auch der Kulturgüterschutzraum des Kantons.

Der anfängliche Plan, nördlich vom aktuellen Staatsarchiv für 4,5 Millionen Franken unterirdisch neue Räume einzurichten, fiel dann dem Sparprogramm zum Opfer. Und so tauchte 2014 die Idee auf, im Schrutenloch im Gebiet Hinteriberg in Schwyz von den Armasuisse Immobilien eine ehemalige, 1956 vollkommen unterirdisch erbaute Munitionsanlage zu erwerben. Abklärungen wurden getätigt, 2017 kam der Deal zustande.

Der Kaufpreis für das Grundstück und die ehemaligen Munitionsanlagen betrug 760'000 Franken. 880'000 Franken investierte der Kanton in einen der drei Stollen, der als Aussenmagazin genutzt wird. Schliesslich beteiligte sich der Bund mit 340'000 Franken an der Ausrüstung. Der gesamte Erwerb kostete den Kanton somit rund 1,3 Millionen Franken.

Die Anlage beinhaltet insgesamt drei Stollen mit je zwei Kavernen à 340 Quadratmeter Lagerraumfläche und einem Technikstollen, der die Anlage mit Strom versorgt. Diese sechs Kavernen wurden 1956 innerhalb des ausgebrochenen Felsens in Massivbauweise erstellt.

Eine über Aussen- und Innenfühler regulierte Belüftungsanlage und mobile Luftentfeuchter gewährleisten die nötige Luftfeuchtigkeit. Die Klimawerte lassen sich via Internet – im Stollen wurde ein Wlan installiert – vom Bürostuhl aus überwachen.

Bundesbrief nicht ins Schrutenloch

In der einen Kaverne, der Kaverne 3.5, wurde eine gut 50 Meter lange Archiv-Rollregalanlage installiert, die dem Staatsarchiv neue Platzreserven von 2,5 Laufkilometern für Akten bietet. Dort werden Maturaprüfungen, Asyldossiers oder auch alte Zeitungen gelagert. Aktenmaterial, das nicht sehr häufig hervor gesucht werden muss. «Sicher nicht ins Schrutenloch verschoben wird der Bundesbrief», sagte Ralph Ruch, Leiter des Staatsarchivs.

Die zweite Kaverne, die Kaverne 3.6, dient als Kulturgüterschutzraum mit 1,3 Laufkilometern Platzreserven auf Festregalen. Hier werden künftig Hellebarden, Waffen, Skulpturen oder auch grossformatige Bilder gelagert. Der Umzug soll bereits nächste Woche beginnen.

Bei dieser Umnutzung handle es sich um die erste grossflächige Umnutzung einer militärischen Anlage zu archivischen Zwecken, hält der Kanton fest. Eine Konsultation von Beständen aus dem Aussenmagazin ist nach wie vor möglich. Man muss ich jedoch eine gewisse Vorlaufzeit in Kauf nehmen.

Die Verantwortlichen rechnen, dass die neu geschaffenen Platzreserven für die nächsten 10 bis 15 Jahre ausreichen werden. Trotz Digitalisierung lieferten beispielsweise Amtsstellen nach wie vor hauptsächlich analoge Akten ans Staatsarchiv ab, sagte Ruch. Dies bereitet dem Kanton derzeit aber noch keine Sorgen. Noch stehen zwei weitere Stollen mit je zwei Kavernen für den Ausbau bereit.