Shiptec erweist sich für SGV als Rettungsanker im Coronajahr

kad, sda

7.5.2021 - 11:11

Ein Schaufelrad eines SGV-Dampfschiffs: Die Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee ist 2020 wegen Corona nicht auf Touren gekommen. (Archivaufnahme)
Keystone

Die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) ist 2020 von der Coronakrise voll erfasst worden. Die Schiffs-, Restaurants- und Werftbetreiberin hat einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen, wie sie ihn zuletzt nach dem 1. Weltkrieg erlebt hatte. Einzig die Werft Shiptec AG florierte.

kad, sda

7.5.2021 - 11:11

Mit einer Fahrt auf stürmischer See verglich Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter das vergangene Geschäftsjahr. Es brauche erfahrene Steuermänner, sonst gehe das Schiff unter.

Gesunken ist bei der SGV der Umsatz von 86,11 Millionen Franken auf noch 48,99 Millionen Franken. Der Betriebsertrag Ebit fiel von +3,20 Millionen Franken 2019 auf -12,02 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte 2020 ein Verlust von 5,76 Millionen Franken, dies gegenüber einem Gewinn von 1,79 Millionen Franken im Vorjahr.

Bei der Schifffahrt halbierte sich der Umsatz fast von 36,6 Millionen Franken auf 19,4 Millionen Franken. Die Passagierzahl ging um 55 Prozent auf noch 1,32 Millionen Personen zurück. Die Zahlen seien so tief wie seit Ende des 1. Weltkriegs nicht mehr, sagte Schurter.

Holz und Torf

Damals habe zwar nicht mehr mit Kohle, sondern nur noch mit Holz und Torf eingeheizt werden können und der Schifffahrtsbetrieb sei eingeschränkt worden. Aber eine Betriebseinstellung, wie sie die SGV während des Lockdowns gewärtigen musste, habe es damals nicht gegeben.

Ein schlechtes Jahr hatte auch die SGV Express AG, welche die Linie zum Bürgenstock-Resort betreibt. Bei der Tavolago AG, welche für die Schiffsrestauration zuständig ist und auch auf dem Festland Restaurants führt, brach der Umsatz um fast zwei Drittel von 35,6 Millionen Franken auf 12,8 Millionen Franken ein.

Hier reduzierte sich die Mitarbeiterzahl von 411 auf noch 279. Im ganzen Unternehmen sank die Zahl der Vollzeitstellen um 130. Ohne die rund 5 Millionen Franken an Kurzarbeitsentschädigungen hätte das Bild noch düsterer ausgesehen, sagte SGV-Direktor Stefan Schulthess. Die SGV fordere vom Bund, die Kurzarbeitsentschädigung auf 24 Monate zu verlängern.

Wohl keine weiteren Entlassungen

Er betonte allerdings, dass auch ein Mitarbeiter in Kurzarbeit nicht gratis sei. Und wenn jemand ein Jahr lang nicht arbeiten könne, wie es etwa bei Tavolago-Angestellten in der Messe der Fall sei, werde es «irgendwann schwierig».

Entwickle sich die Situation so, wie es die SGV erwarte, sollte es keine weiteren Entlassungen mehr geben. So soll 2021 ein schwieriges Übergangsjahr mit verkraftbaren Verlusten werden, ab 2022 und 2023 prognostiziert das Unternehmen eine Rückkehr zur Normalität.

Neben der Kurzarbeitsentschädigung hatte die SGV von Bund und Anrainerkantonen in Form eines Darlehensverzichts 6 Millionen Franken erhalten. Finanzchef Christian Fischer sagte, man sei zwar dankbar für diese Sanierungsmassnahme, mit der man frühzeitig eine Überschuldung verhindern konnte.

Allerdings sei dem Unternehmen dadurch keine Liquidität zugeflossen. Die Vereinbarung habe nämlich beinhaltet, dass die SGV keine Härtefallgelder beantragen könne. Im Nachhinein, so Fischer, wären diese Massnahmen mit den nun zur Verfügung stehenden à-fonds-perdu-Beiträgen für die SGV wohl vorteilhafter gewesen.

Werft mit Rekordgewinn

Neben Entschädigungen macht sich die SGV auch für einen internationalen Covid-Free-Nachweis stark. Grenzüberschreitendes Reisen sei wichtig für den Tourismus, sagte Schulthess.

Von der Pandemie nicht betroffen war in der SGV Gruppe einzig die Werft Shiptec AG. Diese schrieb gar das beste Resultat ihrer achtjährigen Geschichte. Sie schrieb 1,3 Millionen Franken Gewinn bei einem Umsatz von 23 Millionen Franken.

Ein Auftrag für Armeeboote sowie die Restaurierung des Dampfschiffs Stadt Luzern konnten erfolgreich abgeschlossen werden. Zudem zog die Shiptec einen Auftrag für zwei Pendlerschiffe auf dem Genfersee an Land, womit ihre Auftragsbücher voll seien bis 2023.