Strafverfahren gegen Beckenrieder Lehrerin eingestellt

rl, sda

7.7.2021 - 10:30

Die Nidwaldner Staatsanwaltschaft hat ihre Untersuchung gegen eine Primarlehrerin eingestellt. (Symbolbild)
Keystone

Eine Primarlehrerin von Beckenried NW, der Tätlichkeiten vorgeworfen worden sind, hat sich strafrechtlich nichts zu Schulden kommen lassen. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Strafuntersuchung eingestellt, wie sie am Mittwoch mitteilte. Die Lehrerin kann wieder in Beckenried unterrichten.

rl, sda

7.7.2021 - 10:30

Auslöser war ein Konflikt im Verlauf des Schuljahrs 2019/2020 zwischen einigen Eltern und der Klassenlehrerin, welche die 5. Klasse unterrichtete. Die Gemeindebehörden reichten eine Strafklage ein und stellten die Lehrerin für die Dauer des Verfahrens frei.

Der Lehrerin sei vorgeworfen worden, mit gewissen Unterrichts- und Erziehungsmethoden mindestens vier Kinder geschädigt zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft Nidwalden mit. Sie habe deswegen gegen die Pädagogin ein Verfahren wegen Nötigung, Tätlichkeiten sowie Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht eröffnet.

Entscheid rechtskräftig

Am 11. Juni stellte die Staatsanwaltschaft ihre Untersuchung ein. Dieser Entscheid der Behörde ist rechtskräftig, wie es in der Mitteilung hiess.

Die Staatsanwaltschaft begründete die Verfahrenseinstellung damit, dass der Vorwurf der Tätlichkeit teilweise widerlegt worden oder wegen Verjährung nicht zu beurteilen sei. Zu den Vorwürfen bezüglich Nötigung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflichten hätten sich keine Hinweise auf ein strafbares Verhalten ergeben.

Schülerinnen und Schüler befragt

Zu ihrer Untersuchung schreibt die Staatsanwaltschaft, dass sie mutmasslich betroffene ehemalige Schülerinnen und Schüler der Lehrerin wie auch diese selbst befragt habe. Konsultiert wurden auch Akten der Schulbehörde und schulnaher Institutionen.

In die Strafuntersuchung einbezogen wurde auch der Bericht des Erziehungswissenschaftlers Anton Strittmatter vom November 2020. Dieser hatte im Auftrag der Gemeinde die angeblichen Vorkommnisse untersucht.

Nur Gerüchte

Auch Strittmatter entlastete in seinem Bericht die Lehrerin von den Tätlichkeitsvorwürfen. Diese seien ein Gerücht gewesen, ein gutgläubiges Weitergeben von Hörensagen.

Strittmatter kam in seinem Bericht zum Schluss, dass der Lehrerin viele Qualitäten zugeschrieben worden seien. Sie habe indes mehr mit Druck als mit Zug gearbeitet und eine Reihe problematischer Sanktionen praktiziert, die teilweise wie ein Pranger wirkten.

Strittmatter, der rund hundert Personen befragte, beschrieb die Situation an der Schule als verworren und belastet. Die Gemeinde reagierte darauf und vergrösserte das Pensum für die Schulleitung.

Fach- statt Klassenlehrerin

Die Gemeinde setzt zudem die Empfehlung Strittmatters um und beschäftigt die Lehrerin weiter, allerdings nicht mehr als Klassenlehrerin, sondern als Fachlehrerin. Dies sei der richtige und stimmige Weg, teilte die Gemeinde Beckenried am Mittwoch mit. Die Lehrerin sei damit einverstanden, dass ihre Anstellung an Auflagen gebunden sei.

Die Lehrerin wird von den Schulbehörden stärker begleitet, zum Beispiel durch Unterrichtsbesuche und regelmässige Gespräche. Ziel sei es, auf diesem Weg das Vertrauen zwischen Schulleitung, Lehrerin, Eltern und Schülerschaft zu stärken, hiess es in der Mitteilung.

rl, sda