Rettung der Baosihda Swissmetal hängt von Gläubiger in China ab

25.4.2019 - 15:53, SDA

Die Rettung vor dem Konkurs ist den Metallwerken Baoshida Swissmetal noch nicht gewiss. Zwar liegt eine Kaufofferte vor, doch der Hauptgläubiger aus China bremst den Vertragsabschluss.

Baoshida Swissmetal betreibt Standorte im solothurnischen Dornach und im bernjurassischen Recovilier. Das überschuldete Unternehmen erhielt eine Nachlassstundung bewilligt.

Bis am 22. Mai hat Baoshida Swissmetal Zeit, eine Lösung zu finden. Am 18. April lief die Konsultationsfrist der Gläubigerschaft ab. Bis zu diesem Zeitpunkt lag kein besseres Kaufangebot vor als jenes des Schweizer Investors Swiss Team SA.

Swiss Team wird vom Schweizer Industriellen André Rezzonico kontrolliert. Die Firma hat ein Angebot von 9 Millionen Franken vorgelegt. «Doch das reicht leider nicht», bestätigt Swiss Team entsprechende Meldungen in der lokalen Presse.

Swiss Team verweist auf den Hauptgläubiger, die China Development Bank. Bei ihr nahm der ehemalige chinesische Verwaltungsratspräsident von Baoshida Swissmetal einen Betrag von 15 Mllionen. Franken auf. Im Rahmen der Gläubigerkonsultation schlug der Konkursrichter der China Development Bank vor, einen Teilbetrag der Schuld zu begleichen, damit die Metallwerke eine Zukunft hätten.

Gemäss Swiss Team verlangt die Bank aber, dass der künftige Besitzer die volle Schuld begleicht. Diesen Gegenvorschlag wiederum hält Swiss Team für inakzeptabel, denn damit käme die chinesische Bank sogar besser weg als im Konkursfall.

Der Schweizer Investor ruft die chinesische Bank auf, den Weg für einen Vertragsabschluss frei zu machen und so 150 Arbeitsplätze zu retten.

Buntmetall für Uhren und Munition

Das ehemalige Industrieflaggschiff im Jurabogen wurde vor sechs Jahren von der chinesischen Baoshida-Gruppe erworben.

In Reconvilier ist das Unternehmen noch heute als «La Boillat» ein Begriff, benannt nach dem Gründer Edouard Boillat. Ende des 19. Jahrhunderts herrschte in der Schweiz Bedarf nach Buntmetallprodukten, etwa zur Herstellung von Uhren-Rohwerken, Telefondraht und Munition.

Zusammen mit seinem Schweigervater gründete Edouard Boillat die Beuche, Boillat et Cie., die erste Messingschmelze der Schweiz, eine Zulieferantin der Uhrenindustrie. 1895 wurde in Dornach die Metallwerke AG gegründet. Zur selben Zeit gründete der Industrielle Gustav von Selve in Thun die Schweizerischen Metallwerke.

Am Abgrund

In den 1980-er Jahren schlossen sich die drei Metallwerke zur USM Schweizerische Metallwerke AG zusammen. Der fortschreitende Verlust von Marktanteilen und der Einstieg des Finanziers Werner K. Rey führten letztlich 1991 zur Schliessung der Thuner «Selve».

Nach der Jahrtausendwende stand die gesamte Gruppe erneut kurz vor dem Aus. Dem Unternehmen wurde wieder eine Schrumpfkur auferlegt. In den Werken kam es zu Streiks.

Vorbote chinesischer Übernahmen

Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 und der harte Schweizer Franken setzten dem Unternehmen erneut zu. Im Rahmen eines Nachlassverfahrens wurde das Unternehmen erneut tiefgreifend restrukturiert.

Im Januar 2013 übernahm Baoshida das Ruder. Es war eine der ersten Übernahmen durch einen chinesischen Konzern in der Schweiz. Im Jurabogen hoffte man, dass nun endlich eine Zeit der Ruhe einkehren würde. Doch weit gefehlt.

Im Juli 2018 stellten die chinesischen Besitzer den Geschäftsführer auf die Strasse. Fünf Tage später trat die Revisionsstelle von Baoshida zurück und erstattete Anzeige wegen Überschuldung. Wegen ungetreuer Geschäftsführung geriet der chinesische Verwaltungsratspräsident ins Visier der Ermittler.

Das Regionalgericht Berner Jura gewährte dem Traditionsunternehmen Konkursaufschub, setzte einen Sachwalter ein, holte den Direktor zurück und strich dem chinesischen Verwaltungsratspräsident die Zeichnungsberechtigung.

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