UKBB mit roten Zahlen und düsteren Aussichten - Tarife zu tief

12.4.2018 - 12:31, SDA

Das Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) hat das Geschäftsjahr 2017 mit einem Defizit von 2,68 Millionen Franken abgeschlossen. Wie befürchtet schlugen Retuschen am Ärztetarif negativ zu Buche. Mehr Kinder wurden stationär behandelt, dafür weniger ambulant.

Im letzten Jahr ist die Zahl der ambulanten Patienten im UKBB um 1,4 Prozent auf 97'270 gesunken. Die stationären Aufenthalte nahmen zu, um 1,1 Prozent auf 6374. Behandlungsqualität und Effizienz seien auf Top-Niveau durch Studien attestiert, hiess es am Donnerstag vor den Medien. Auch die Patientenzufriedenheit sei weiter gestiegen.

Doch mit der bundesrätlichen Änderung des Ärztetarifs Tarmed sank die schon zuvor ungenügende Kostendeckung im ambulanten Bereich auf unter 69 Prozent. Die Fallpauschalen liessen allen Kinderspitälern zu wenig Zeit für die nötige Behandlung, sagte UKBB-CEO Marco Fischer. Am grössten ist die Deckungslücke bei den Neugeborenen.

Keine Querfinanzierung

Das UKBB sehe "keinen vernünftigen Weg", die Tarmed-Zeitlimiten einzuhalten - falsch wäre etwa, Patienten einfach zu einem zweiten Termin aufzubieten. Das hoch spezialisierte Kinderspital habe auch keine Erwachsenenabteilung nebenan, deren halb- und privatversicherten Patienten diese Lücken querfinanzieren könnten.

So sanken 2017 die Erträge um 3,5 Prozent auf 138,9 Millionen Franken. Der Case-Mix fiel ungünstiger aus, was Finanzchef Lukas Erb auf wohl zufällige Schwankungen zurückführte. Unter dem Strich resultierte trotz Sparens und Sondereffekten - wie börsenbedingt tieferem Pensionskassenaufwand - ein Defizit von 2,68 Millionen.

Eine weitere Dauerbaustelle sind die Tarifverhandlungen mit der Invalidenversicherung IV: Man habe sich bis auf eine Differenz von immer noch nicht kostendeckenden rund 50 Franken angenähert, bevor die Verhandlungen scheiterten, sagte Erb. So blieb der Tarif am Ende bei rund 1000 Franken Differenz zur Kostendeckung.

IV spart zulasten UKBB

Laut Verwaltungsratspräsident Manfred Manser wären für das UKBB rund 12'000 Franken pro Fall nötig. Anders als bei Krankenkassen sei der Verhandlungsweg mit der IV gesetzlich ungenügend geklärt, was laut Fischer ein langes Verfahren befürchten lässt - und so lange lege das UKBB drauf.

Das Budget für das laufende Jahr sieht denn auch laut Erb ein Defizit von bereits 4,3 Millionen Franken vor. Betrieblich sei das nicht einzusparen. Das UKBB werde mit den beiden Trägerkantonen verhandeln müssen, ob sie mit höheren Abgeltungen für seine gemeinwirtschaftliche Leistungen im ambulanten Bereich aushelfen.

Fischer mahnte, bei anhaltend tiefen Erträgen spare das Spital an seiner Zukunft; langfristig wäre das der Tod der Kindermedizin. Laut Manser braucht das UKBB heute Eigenkapital auf; unter einer Schwelle müssten die Trägerkantone nachschiessen. Diese wollten aber kaum Lücken stopfen, die vom Bund zu tief angesetzte Tarife verursachen.

Angesichts der vergleichsweise tiefen Löhne in der Kindermedizin liege die Motivation des Personals samt Ärzten nicht beim Geld, sagte Fischer. Für das strukturelle Problem hätten zwar alle Stellen Verständnis, "aber gemacht wird rein gar nichts", klagte er mit Verweis auf das Schwarzpeterspiel mit den Krankenkassenprämien.

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