Alternativen zu den Spitalschliessungen: Weg vom Spitalverbund

SDA

30.4.2019 - 15:47

Bisher sind es vor allem die betroffenen Gemeinden, die gegen die angekündigte Schliessung von fünf Landspitälern im Kanton St. Gallen mobil machen: Mit eigenen Konzepten, eigenen Experten – und mit Petitionen.

Im Mai 2018 hatte der Verwaltungsrat der St. Galler Spitalverbunde ein Konzept vorgestellt, das die Schliessung der fünf Spitäler in Altstätten, Flawil, Rorschach, Wattwil und Walenstadt aus finanziellen Gründen vorsieht.

Seither informierte ein Lenkungsausschuss mit drei Regierungs- und zwei Verwaltungsratsmitgliedern die Bevölkerung an acht Anlässen über die Ausgangslage. Die offizielle Botschaft: Es ist noch kein Entscheid gefallen, Alternativen werden geprüft.

Zweifel an der Ernsthaftigkeit

Doch daran gab es Zweifel: In einem im Dezember veröffentlichten Communiqué schrieb der Gemeinderat von Flawil, man habe konkrete Vorschläge für Alternativen zur Spitalschliessung eingereicht, eine Reaktion sei aber ausgeblieben. Geprüft werde nun eine Zusammenarbeit mit privaten Anbietern.

Inzwischen habe sich die Situation aber verändert, sagt Gemeindepräsident Elmar Metzger auf Anfrage von Keystone-SDA. Es gebe mit dem Lenkungsausschuss einen «Okay-Austausch». Er sei überzeugt, dass die Vorschläge ernst genommen und auch wirklich geprüft würden.

Der Kontakt mit einem privaten Anbieter sei seit Dezember weiter vertieft worden. Dem Lenkungsausschuss liege inzwischen eine schriftliche Erklärung des Unternehmens vor, in der die Übernahme und der Weiterbetrieb des Spitals angeboten werde. Es habe auch schon Gespräche zwischen dem Lenkungsausschuss und dem privaten Anbieter gegeben.

Wattwil engagierte Expertin

Die Gemeinde Wattwil hat Monika Merki Frey, Expertin für die Gesundheitsbranche aus dem Kanton Aargau, engagiert und mit ihr ein Konzept ausgearbeitet, mit dem das Spital als wichtiger Arbeitgeber im Toggenburg erhalten bleiben könnte.

Wattwil soll sich künftig auf die Innere Medizin sowie auf die Altersmedizin konzentrieren und dort die stationäre Versorgung sicherstellen. Zur Beschränkung des Angebots gehört, dass nicht mehr operiert würde. Der bestehende Operationssaal würde fallweise vermietet. Wie in Flawil würde zur Lösung auch eine neue Trägerschaft – ausserhalb des Spitalverbundes – gehören.

Lösung auch in Altstätten

Aktiv geworden ist auch die Stadt Altstätten. Sie hat unter der Mitarbeit eines Experten ebenfalls eine «zukunftsfähige Lösung» ausgearbeitet. Vorgeschlagen wird eine ambulante Klinik mit Tageschirurgie und Vorsorgeuntersuchungen. Dazu gehört auch ein 24-Stunden «Walk-in-Notfall». Damit könne die ambulante Grundversorgung der Rheintaler Bevölkerung abgedeckt werden, heisst es dazu.

Anders als bei den Alternativen von Flawil und Wattwil würde man aber im Spitalverbund bleiben, erklärt dazu Stadtpräsident Ruedi Mattle. Man habe den Vorschlag dem Lenkungsausschuss bereits vorgestellt. Als Unterstützung wurde nun, wie bereits in anderen Spitalregionen, eine Petition gestartet.

Er habe den Eindruck, dass das Alternativkonzept ernsthaft behandelt werde und verlasse sich dabei «auch auf die Aussagen von Regierungsmitgliedern», so der Stadtpräsident.

Am Dienstagnachmittag verschickte die Spitalkonferenz der St. Galler Gemeinden eine Mitteilung. Darin fordert sie, dass die eingereichten Ideen, Vorschläge und Konzepte vom Lenkungsaussschuss «baldmöglichst vertieft geprüft werden müssen». Die vom Grobkonzept betroffenen Spitalgemeinden hätten allesamt versorgungspolitisch angemessene und bedürfnisorientierte Vorschläge ausgearbeitet.

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